Telemedizin bei Potenzstörungen in Zeiten von Corona

Spätestens mit Beginn der Corona-Pandemie hat die Stunde der Telemedizin geschlagen. Hier erfahren Sie warum!

Eine aktuelle Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit bei über 1000 Männern zwischen 19 und 73 Jahren (Durchschnitt 46 Jahre) hat ergeben, dass drei von vier Männern in Zeiten der Ausgangsbeschränkung durch die Arbeit im Home-Office zwar theoretisch mehr Zeit für Sex haben, aber satte 40 Prozent der Männer an Erektionsstörungen leiden. Auch sei die monatliche Frequenz des Geschlechtsverkehrs rückläufig, insbesondere wenn Kinder mit im Haushalt lebten. Ein Trend, der allerdings schon seit Jahren beobachtet wurde.

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Wohin aber soll man sich nun bei Potenzstörungen mit seinem hohem Leidensdruck wenden? Wer hat jetzt überhaupt noch ein Ohr für mich? Soll ich mich in diesen Zeiten wegen meiner Erektionsprobleme ins Wartezimmer des Hausarztes oder eines Urologen setzen? Sicherlich nicht! Viele Menschen scheuen sich derzeit verständlicherweise vor einem Arztbesuch - aus Angst, sich im Wartezimmer einer erhöhten Infektionsgefahr auszusetzen.

Revolution des Arzt-Patienten-Kontaktes

Die Corona-Pandemie revolutioniert das Arbeitsleben komplett – so auch im Gesundheitswesen. Die Entwicklung der Telemedizin wird durch das Virus massiv angetrieben und katalysiert werden. Was bislang von vielen Ärzten als lästig und überflüssig angesehen wurde, erscheint in Zeiten der Ausgangsbeschränkung nun unumgänglich. Umfragen der Bertelsmann-Stiftung aus Zeiten vor der Corona-Krise zeigten: Über die Hälfte aller Patienten befürworteten die Video-Sprechstunde, nur jeder 20. Arzt hingegen war bereit dazu. Zwar nutzen Ärzte und Patienten heute schon mit großer Selbstverständlichkeit digitale Medien, aber dennoch stehen momentan die Sicherheitsbedenken noch im Vordergrund und überstrahlen das Nützlichkeitspotential. Der digitale Wandel wird oft noch eher als Bedrohung als Chance angesehen.

Es ist ein grundsätzliches Umdenken notwendig. Smartphones beispielsweise sind auch erst wenige Jahre verfügbar, haben aber seit Ihrer Einführung im Jahre 2007 unser Leben komplett revolutioniert und sind heute aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Bis zur Corona-Krise fehlte es vielen ärztlichen Kollegen noch an Phantasie, dass sich irgendwann auch die Kommunikation in der Medizin ebenso rasant entwickeln könnte. Doch Corona jedoch hat nun mit einem Schlag alles geändert: Einzelne Telemedizin-Anbieter berichten über einen Anstieg der Videosprechstunden im Februar um 60 Prozent und im März gar um über 200 Prozent. Dabei waren andere Länder dem deutschsprachigen Raum weit voraus. In Schweden beispielsweise war es längst selbstverständlich, mit dem Arzt per Videochat zu kommunizieren. Dort fanden bereits vor der Corona-Krise etwa fünf Prozent der Arztkontakte nur online statt. In Deutschland hat die Gesetzgebung das bislang verhindert. Erst seit Ende 2019 wurde eine Erstbehandlung durch Videochat und eine Online-Rezeptverschreibung erlaubt. Und plötzlich möchten viele Ärzte mitspielen. Tausende Ärzte haben sich bereits für die zertifizierte Videosprechstunde registrieren lassen. Und auch die gesetzlichen Krankenkassen haben – zumindest vorübergehend - die Obergrenzen für telemedizinische Kontakte aufgehoben. Bisher durften Ärzte maximal 20 Prozent der Patienten online behandeln. Nun wird der Einsatz von Videosprechstunden deutlich ausgeweitet. Wenn der Arzt einen von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zertifizierten Anbieter nutzt, kann er sogar Online-Sprechstunden bei gesetzlich Versicherten abrechnen.

Vorteile liegen auf der Hand

Seit Jahrzehnten lief der herkömmliche Arzt-Patienten-Kontakt so ab, dass der Patient sich nach der Verfügbarkeit und dem Terminplan des Arztes richten musste. Auch das hat sich schlagartig geändert. Der Patient kann nun sein Anliegen örtlich und zeitlich unabhängig mit einem Fachmann besprechen. Alleine schon das Wort „Wartezimmer“ erscheint in Zeiten der Telemedizin plötzlich antiquiert. Warum sollte der Patient auf einen Termin in einigen Wochen warten, der dann auch noch mitten in seiner Arbeitszeit liegt, für den er sich einen halben Tag Urlaub nehmen muss und wo er dann nach langen Minuten im vollen Wartezimmer auf einen gestressten Arzt trifft, der sicher gerade andere Sorgen hat als beispielsweise seine Impotenz.

Genau hier liegt die Stärke der Telemedizin. Insbesondere Tabuthemen wie Potenzstörungen oder Inkontinenz können bei niedriger Hemmschwelle und diskret besprochen werden. Bei der eigenen Recherche im Internet neigt der Patient dazu, immer die Schlimmste aller möglichen Diagnosen auf seine spezielle persönliche Situation zu beziehen. Schon an diesem Punkt kann ein Facharzt im persönlichen Gespräch für viel Klarheit und Beruhigung sorgen. Durch eine ausführliche Befragung kann in drei von vier Fällen online die richtige Diagnose gestellt werden. Die Patienten übernehmen durch Nutzung dieser Technologien immer mehr Verantwortung für ihre eigene Gesundheit, werden so zu „mündigen“ Patienten und der Arzt wird zum (Gesprächs-)Partner. Wenn man mit dem Patienten „auf Augenhöhe“ reden kann, stellt das eine Entlastung für beide Seiten dar.


Nützlich, einfach und sicher

So dürfte sich auch das chronisch überlastete Gesundheitssystem über diese Entwicklung freuen. Es kommt zu einer Entlastung der Praxen und Krankenhausambulanzen, deren teure Ressourcen nicht mehr zur Behandlung von Banalitäten und Befindlichkeitsstörungen „missbraucht“ werden - eine sinnvolle Vorfilterung der wirklich behandlungsbedürftigen Fälle. Zudem kann eine digitale Sprechstunde den Ärztemangel auf dem Land abmildern, denn nach Einschätzung von Medizinern lässt sich jeder fünfte Arztbesuch durch digitale Beratung ersetzten.

Die technischen Entwicklungen bieten nun die Möglichkeiten, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen oder Rezepte auf sichere Art und Weise direkt an den Arbeitgeber oder die Versandapotheke zu übermitteln. Ab dem Jahr 2021 soll die elektronische Patientenakte den Datenaustausch zwischen Ärzten und Patienten erleichtern. Schon heute erscheint es völlig überholt, Befunde auf Papier von einem Arzt zum nächsten zu tragen oder hin und her zu faxen. Der Patient holt sich Facharzt und Medikamente einfach direkt zu sich nach Hause.

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Riesiges Potential

Daher mein abschließender Blick in die Zukunft: Schon mittelfristig werden wir über die heutigen Diskussionen nur noch müde lächeln können. Es wird reine Online-Praxen geben, Experten-Portale und Zweitmeinungs-Call-Zentren sowie eine personalisierte Medizin, die auf Körpermesswerten, Big-Data und Therapiealgorithmen basiert. Auch die technischen Möglichkeiten mit E-Rezept und sicherer Formularübermittlung aufs Smartphone usw. sind bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Digital-Health wird alles Konservative wegspülen und dazu müssen Ärzte und Patienten bereit und vorbereitet sein. Es darf nicht darum gehen, die klassische Medizin abzuschaffen, sondern wir werden erkennen müssen, dass sich die Möglichkeiten durch die Digitalisierung potenzieren lassen. Gewiss: Ärztliche Kerntugenden wie Verantwortung und Zuwendung und auch die körperliche Untersuchung können niemals vollständig ersetzt werden, egal wie weit die Digitalisierung auch voranschreitet. Aber ich sehe ein riesiges Potential, diese Tugenden mit modernen Mitteln zu vernetzen. Es geht jetzt darum, die digitale Zukunft zu gestalten - abwenden können werden wir sie nicht!

Medizinisch geprüft von:

Dr. Christoph Pies

Dr. med. Christoph Pies, Jahrgang 1970, studierte Medizin in Bochum und Düsseldorf, bevor er in einer Kölner Klinik seine Berufung zum Urologen fand. Auslandsaufenthalte führten ihn in Kliniken in der Schweiz und den USA (Houston, New York, Los Angeles). Nach seiner Facharztausbildung und Oberarzttätigkeit wurde er 2004 niedergelassener Urologe in der Nähe von Aachen. Er verfügt über die Zusatzbezeichnungen Andrologie und Medikamentöse Tumortherapie. Dr. Christoph Pies ist seit 2020 bei Apomeds dabei.

Quellen

Pressemitteilung, Deutsche Gesellschaft für Mann und Gesundheit, 7. April 2020

https://www.mann-und-gesundheit.com/dgmg-in-den-me...

Twenge JM, Sherman RA, Wells BE: Declines in Sexual Frequency among American Adults, 1989-2014. Arch Sex Behav. 2017 Nov; 46(8): 2389-2401

Bertelsmann-Stiftung, „Video-Sprechstunden“, Spotlight Gesundheit, 1. Auflage 2015 ISBN 2364-5970

www.aerzteblatt.de vom 16. März 2020:

„Telemedizin: Kräftiger Schub für Videosprechstunden“

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/110997/Tele...

www.welt.de vom 28.03.2020: „Jetzt schlägt die Stunde der Telemedizin“

https://www.welt.de/wirtschaft/article206841551/Co...

Letzte Aktualisierung am 13.05.2020


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