Ernährung für die Prostata

Für die Entstehung von Prostatakrebs werden neben Alter und der genetischen Veranlagung auch andere Einflussfaktoren wie Lebensgewohnheiten und Ernährung diskutiert. Mit unserer Ernährung können wir versuchen, auf Prostataerkrankungen Einfluss zu nehmen. In Bezug auf die gutartige Vergrößerung ist es das Ziel, ein weiteres Größenwachstum zu verhindern oder sogar die Prostatagröße zu reduzieren und Symptome beim Wasserlassen zu lindern. Bei der bösartigen Prostataveränderung (Prostatakrebs, Prostatakarzinom) geht es um die Krankheitsvermeidung oder eine positive Einflussnahme auf den Krankheitsverlauf. Da Prostatakrebs in der Regel ein langsam wachsender Krebs ist, können Ernährungsstrategien möglicherweise einen starken Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben. Generell ist eine ausgewogene Ernährung vorbeugend gegen Krebs. Wenn Sie die hier genannten, wissenschaftlich begründeten Ratschläge beachten, können Sie selbst einen guten Beitrag zu Ihrer Prostata-Gesundheit leisten.

Wirkmechanismen

Es gibt eine zunehmende wissenschaftliche Datenlage, die nahelegt, dass eine bestimmte Diät, reich an ausgewählten Nahrungsmitteln, helfen kann, Prostataerkrankungen vorzubeugen oder ihre Verbreitung einzudämmen. Die sogenannte mediterrane Küche gilt diesbezüglich als besonders gesund. Sie basiert auf Olivenöl, Vollkorn-Getreideprodukten, unverarbeitetem frischem oder getrocknetem Obst und Gemüse, Fisch und einer geringen Menge an Milchprodukten und Wein. Auf der anderen Seite ist Fettleibigkeit als Risikofaktor für Prostatakrebs anerkannt, auch wenn die genauen Zusammenhänge noch nicht geklärt sind. Die mögliche Verbindung zwischen Ernährung und Prostatakrebs kann man am besten in Asien ablesen, wo die Ernährung weniger auf Fleisch und gesättigten Fettsäuren als auf Pflanzen, Ballaststoffen und Fisch basiert. Menschen, die aus Asien auswandern und den westlichen Lebensstil annehmen, erhöhen damit nachgewiesenermaßen ihr Risiko für Prostatakrebs! Umweltfaktoren und Ernährung sind also an der Krebsentstehung sicher beteiligt. Dabei haben viele Inhaltstoffe nicht nur einen Wirkmechanismus, sondern wirken auf vielfältige Art und Weise. Beispielsweise durch eine zellschützende und entzündungshemmende Wirkung. Es ist bekannt, dass Entzündungen das Risiko einer Krebsentstehung erhöhen. Weitere Ansatzpunkte sind: eine Verbesserung der Immunabwehr, ein vermindertes Wachstum von Prostatakrebszellen, bessere Entgiftung des Körpers von schädlichen Substanzen und nicht zuletzt ein Einfluss auf Hormone und Hormonrezeptoren, insbesondere den sogenannten Androgenrezeptor, der das Prostatazellwachstum steuert. Die überzeugendsten Studiendaten existieren für Lycopin (in Tomaten) sowie für Selen. Desweiteren wird Lauchgemüsen, Kreuzblütlern, Fisch, Phyto-Östrogenen, Polyphenolen, den Vitaminen D und E u.v.m. ein positiver Effekt zugeschrieben.

Lycopin in Tomaten

Lycopin ist ein natürliches Karotinoid-Pigment, das für die typische rote Farbe vieler Früchte und Gemüse verantwortlich ist. Einige Karotinoide werden im Körper zu Vitamin A umgebaut, andere fungieren als Antioxidantien und schützen so unsere Zellen vor den gefährlichen freien Radikalen. Tomaten machen über 80 Prozent unserer Lycopin-Zufuhr aus. Dabei gilt: Je reifer die Tomate und je konzentrierter das Produkt, umso mehr Lycopin ist darin enthalten. Aber auch in Wassermelonen, Grapefruits und Hagebutten findet sich Lycopin. Der genaue Wirkmechanismus ist nicht bekannt, es scheint tatsächlich eine Kombination von mehreren Effekten zu sein. Im Tierversuch wurde durch Lycopin der Testosteronspiegel im Blut gesenkt. Bei einer zusammenfassenden Analyse kamen Forscher zu dem Ergebnis, dass Männer mit einer sehr hohen Lycopin-Zufuhr ein um ein Fünftel niedrigeres Prostatakrebsrisiko hatten. Und auch bei Männern mit bestehendem Prostatakrebs konnte schon nach dreiwöchiger Zufuhr von hochdosiertem Lycopin (30 mg täglich, entspricht etwa 500 g Tomaten) ein Rückgang des Tumormarkers PSA um 20 Prozent festgestellt werden. Das Risiko, einen Prostatakrebs zu entwickeln, ist demnach umso niedriger, je höher der Lycopinspiegel im Blut ist, das belegen hochrangig publizierte Studien. Schon eine Zufuhr von 5-10 mg Lycopin täglich kann den Blutspiegel optimieren. Da Lycopin schnell vom Körper ausgeschieden wird, ist eine tägliche Zufuhr empfehlenswert. Zur Orientierung: Reife Tomaten haben einen Lycopinanteil von etwa 5 mg pro 100 Gramm. Der Unterschied zwischen dem Konsum roher und gekochter Tomaten ist dabei nicht relevant. Die Aufnahme von Lycopin durch den Körper wird durch Erhitzen und Zubereitung mit einer kleinen Menge Fett oder Öl sogar verbessert. Lycopin ist nämlich hitzestabil und fettlöslich. Auch konzentrierte Produkte wie Tomatenmark oder Ketchup enthalten viel Lycopin.

Lauchgemüse

Die Gruppe der Lauchgemüse umfasst Knoblauch, Zwiebeln, Frühlingszwiebeln, Schalotten, Lauch und Schnittlauch. Der typische Geschmack und Geruch von Lauchgemüse kommt von sogenannten Organo-Schwefelverbindungen, denen viele krebsbekämpfende Eigenschaften zugeschrieben werden. Andere positive Effekte sind der Schutz vor Infektionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Allerdings wird die Aktivität eines Enzyms (Alliinase), das diese Schwelfelverbindungen aktiviert, durch die Hitze beim Kochen zerstört. Daher ist es wichtig, beispielsweise Knoblauch nach dem Schneiden oder Pressen und vor dem Erhitzen für etwa 10 Minuten ruhen zu lassen, damit das Enzym seine aktivierende Arbeit erledigen kann. Weitere wichtige Inhaltstoffe von Lauchgemüsen sind die Aminosäure Arginin, insbesondere im Knoblauch und das Polyphenol Quercetin, insbesondere in Zwiebeln. In einer Studie konnte bei Prostatakrebspatienten durch die Einnahme eines flüssigen Knoblauch-Extraktes für einen Monat eine Senkung des Blutspiegels des Prostatatumormarkers PSA nachgewiesen werden. Eine andere Studie zeigte, dass Männer, die pro Tag mindestens 10 g Lauchgemüse zu sich nahmen, ein um etwa 50% reduziertes Risiko der Prostatakrebsentstehung hatten. Aber es gibt auch Studien, die diesen Zusammenhang nicht herausarbeiten konnten. Dies könnte mit der bereits erwähnten Zubereitung der Mahlzeiten erklärbar sein. Während Männer in Griechenland täglich über 28 g Zwiebeln und Knoblauch verzehren, liegt der Konsum in Deutschland gerade mal bei 8 g täglich. Nebenwirkungen einer hohen Dosierung sind nicht bekannt. Allerdings hat Knoblauch auch einen blutverdünnenden Effekt und kann mit anderen Medikamenten wechselwirken. Von der Weltgesundheitsorganisation WHO wird ein Mindestverzehr von 2-5 g Knoblauch pro Tag oder dreimal mindestens 80 g Lauchgemüse pro Woche empfohlen, um die genannten Effekte zu erreichen.

Kreuzblütler

Zu den sogenannten Kreuzblütlern gehören folgende Gemüsesorten: Brokkoli, Blumenkohl, Kohl, Rosenkohl, Pak Choi, Rucola, Brunnenkresse, Grünkohl, Rettich, Gartenkresse, Senf, Meerrettich und Wasabi. Die entscheidenden Inhaltstoffe sind die Senfölglykoside oder Glukosinolate, die den oft etwas bitteren Geschmack dieser Gemüse verursachen. Auch hier wird beim Zerschneiden, Hacken oder Kauen ein Enzym (Myrosinase) freigesetzt, das dann die aktiven Komponenten bildet. Auch Darmbakterien können die Arbeit dieser Myrosinase erledigen. Da Glukosinolate wasserlöslich sind, sind sie auch in hoher Konzentration im Kochwasser enthalten. Beim schnellen Erhitzen, beispielsweise in einem Mikrowellenherd, wird dieses Enzym jedoch vollständig inaktiviert. In einer großen Studie an über 29.000 Männern konnte durch den regelmäßigen Konsum insbesondere von Brokkoli das Risiko für fortgeschrittenen Prostatakrebs um 40% gesenkt werden. Natürlich sind solche Daten auch immer uneinheitlich, da Einflussfaktoren wie vorheriger Lebensstil und die genaue Konzentration der Wirkstoffe und ihre Aktivität je nach Zubereitung nicht berücksichtigt werden können. Leider machen die Kreuzblütler mit einem Anteil von 10-15 % nur einen geringen Anteil unseres Gemüsekonsums aus. Nordeuropa liegt hier mit 30 g pro Tag vor den südeuropäischen Ländern mit nur 15 g täglich. Chinesen kommen auf mehr als 100 g pro Tag! Als Verzehrempfehlung können 3 Portionen dieser Gemüse pro Woche von mindestens 80 g ausgesprochen werden, am besten roh oder lediglich gedämpft oder blanchiert. Die höchste Konzentration an wirksamen Substanzen enthält Brokkoli bzw. dessen Sprossen und Samen.

Hülsenfrüchte und Sojaprodukte

Hülsenfrüchte sind Pflanzen, die in ihren Hülsen essbare Samen enthalten. Hierzu zählen Erbsen, Bohnen, Linsen, aber überraschenderweise auch Erdnüsse. Sie sind reich an Ballaststoffen und Proteinen. Ein wirksamer Inhaltsstoff der Hülsenfrüchte sind sogenannte Lignane, die von Darmbakterien in Wirkstoffe umgewandelt werden, die nachgewiesenermaßen die Zellteilung von Krebszellen hemmen. Sojabohnen und -produkte enthalten in hoher Konzentration Isoflavone, die zu der Gruppe der Phyto-Östrogene gehören, welche in Größe und Struktur dem menschlichen Hormon Östrogen ähneln. Sie wirken auch als Anti-Androgene, also sozusagen als Gegenspieler von Testosteron. Die Isoflavone reichern sich bevorzugt im Prostatagewebe an. Sie regulieren den Hormonhauhalt, ohne den Testostronspiegel zu senken. Isoflavone erhöhten im Tierversuch u. a. den Stickstoffmonoxidspiegel und stoppten auf diese Weise die Prostatavergrößerung. Die Studienergebnisse bei Menschen sind aber nicht so überzeugend. Besser als bei der gutartigen Vergrößerung scheint der Effekt bei Prostatakrebs zu sein: Dass eine hohe Einnahme von Isoflavonen das Prostatakrebsrisiko reduziert, konnte in Studien bewiesen werden. Besonders Sojaprodukte schneiden dabei gut ab mit einer Risikoreduktion von bis zu unglaublichen 70 Prozent. Jedoch gibt es genetische Unterschiede, wie stark Männer auf die Aktivität dieser Phyto-Östrogene ansprechen. In Nordeuropa sprechen etwa 40 Prozent aller Männer stärker an als die anderen 60 Prozent. Um signifikante Effekte zu erzielen, werden drei bis vier Mahlzeiten pro Woche mit circa 80 g Hülsenfrüchten empfohlen - sowie ein regelmäßiger Konsum von Sojaprodukten wie Tofu und Sojamilch. Hier gilt das Prinzip: Je mehr, umso besser. Man vermutet, dass aus diesem Grunde sowohl die gutartige Prostatavergrößerung als auch der Prostatakrebs in asiatischen Ländern seltener zu beobachten ist, während beide Erkrankungen in den westlichen Industrienationen sehr viele Männer betreffen.

Medizinisch geprüft von:

Dr. Christoph Pies

Dr. med. Christoph Pies, Jahrgang 1970, studierte Medizin in Bochum und Düsseldorf, bevor er in einer Kölner Klinik seine Berufung zum Urologen fand. Auslandsaufenthalte führten ihn in Kliniken in der Schweiz und den USA (Houston, New York, Los Angeles). Nach seiner Facharztausbildung und Oberarzttätigkeit wurde er 2004 niedergelassener Urologe in der Nähe von Aachen. Er verfügt über die Zusatzbezeichnungen Andrologie und Medikamentöse Tumortherapie. Dr. Christoph Pies ist seit 2020 bei Apomeds dabei.

Quellen:

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Letzte Aktualisierung: 04.02.2021