Verhütungspflaster und Verhütungsring

Heute werden viele Medikamente lieber über die Haut zugeführt als dass sie geschluckt werden müssen. Am bekanntesten sind dabei wohl Schmerzpflaster. Da dabei der Magen-Darm-Trakt und auch weitgehend die Leber umgangen werden, weist diese Anwendung viele Vorteile auf. Dazu zählt unter anderem, dass der Wirkstoff über einen längeren Zeitraum kontinuierlich in geringeren Dosen vom Körper aufgenommen wird.

Vaginalring & Verhütungspflaster

Das ist auch der Grund für die Beliebtheit des Vaginalrings oder des Verhütungspflasters. Während Antibabypillen heutzutage 20 oder 30 Einheiten Östrogen enthalten, kommt der Ring mit 15 aus. Dabei ist die Verhütungssicherheit und die Zyklusstabilität nicht schlechter. Leider hat sich die erhoffte Reduzierung des grössten Pillenproblems, des erhöhten Thromboserisikos, durch die Verringerung der Dosis nicht eingestellt, sodass für Pflaster und Ring die selben Kontraindikationen und Ausschlüsse gelten wie für die Pille.

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Die Wirkung auf den Körper, die schliesslich zur Unterdrückung des Eisprungs führt, ist dieselbe wir bei der Pille. Das Pflaster kann man überall hinkleben, es empfiehlt sich aber die Gesässbacke oder der Unterbauch. Nach einer Woche entfernt man es und klebt ein neues an eine andere Stelle, damit sich die Haut von der Pflasterabdeckung erholen kann. Nach 3 Pflastern gleich 3 Wochen macht man eine Woche Pause und beginnt danach mit einem neuen.

Anwendung Verhütungsring

Den Ring entnimmt man aus der Verpackung, faltet ihn zu einem flachen Streifen zusammen und führt ihn in tief die Scheide ein. Das geht am besten, wenn ein Bein etwas erhöht steht. Die Lage des Rings in der Scheide spielt keine Rolle, er sollte nur nicht stören. Man lässt ihn dann 3 Wochen liegen und macht danach eine Woche Pause. Ein Vorteil ist, dass der Ring einige Tage länger liegen bleiben kann, aber nicht länger als eine Woche zusätzlich! Bei der Pille müsste man dafür einen neuen Streifen anbrechen. Man kann ihn auch vorübergehend aus der Vagina heraus nehmen, aber nicht länger als für 3 Stunden, denn bei einer längeren Unterbrechung der Hormonzufuhr ist die Verhütungssicherheit beeinträchtigt.

Die Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten wie Antibiotika, Johanniskraut usw. sind dieselben wie bei der Pille, sodass bei deren Anwendung ebenfalls weitere Verhütungsmassnahmen zu ergreifen sind. Einige Ringe musste man bis zur Anwendung im Kühlschrank aufbewahren, bei den neueren ist das nicht mehr erforderlich.

Vorteile

Besonders empfehlenswert sind Ring und Pflaster für Frauen, die leicht die Pille vergessen, oder die wegen Schichtarbeit oder Zeitverschiebung bei häufigen Langstreckenflügen einen unregelmässigen Alltag haben. Wenn Frauen sich scheuen, den Ring einzuführen, können sie sich dieses mit Hilfe eines Applikators erleichtern. Entfernt werden muss er weiterhin manuell. Die Anwendung von Kondomen oder Tampons ist möglich und beeinträchtigt die Wirkung des Rings nicht. Als neuere Produkte sind diese Präparate etwas teurer als die Pille, aber auch dort gibt es mittlerweile Preisreduzierungen durch Nachahmerpräparate eingestellt, nachdem der Patentschutz ausgelaufen ist.

Probleme der Pille

Zwei Probleme der Antibabypille sind erstens das erhöhte Thromboserisiko und zweitens eine Unsicherheit in der Verhütung, wenn die Pille zu unregelmässig eingenommen wird. Diesen Problemen hat man mit der Entwicklung des Verhütungspflasters und des Verhütungsrings zu begegnen versucht. Dabei werden die Hormone kontinuierlich über die Haut und nicht über den Darm aufgenommen. Das hat den Vorteil, dass der Hormonspiegel nicht sägezahnartig, sondern gleichmässiger verläuft. Dadurch können die Hormone insgesamt niedriger dosiert werden. Ein weiterer ganz wichtiger Vorteil besteht darin, dass die Leber weniger belastet wird, weil die erste Passage über die Leber, die bei der Aufnahme über den Darm stattfindet, umgangen wird.

Leider hat sich die Hoffnung auf ein niedrigeres Thromboserisiko durch die Dosisverminderung nicht erfüllt, es sind dieselben Gegenanzeigen zu beachten wie bei der "Schluckpille".

Verhütungspflaster

Das Pflaster wechselt man alle 7 Tage und macht dann 7 Tage Pause. Es ist ca 3x3 cm gross und wird irgendwo am Körper aufgeklebt, meist aber auf einer Gesässbacke oder am Unterbauch. Wenn es einmal abfallen sollte, kann man es wieder aufkleben. Das Fehlen des Pflasters sollte aber 3 Stunden nicht überschreiten. Die Blutung erfolgt dann wie bei der Pille in der Pause und ist ebenfalls schwächer und weniger schmerzhaft.

Verhütungsring

Der Ring hat in etwa den Durchmesser eines kleinen Armreifs und ist ca. 3 mm dick. Er ist sehr weich, sodass man ihn leicht knicken und in die Scheide einführen kann. Es ist egal, wie er liegt, am wenigsten stört er aber, wenn er tief eingeführt wird. Man lässt ihn für 3 Wochen liegen und nimmt ihn dann für eine Woche heraus, bevor man wieder einen neuen einlegt. Das hat den Vorteil, dass man innerhalb der 3 Wochen keinen Einnahmefehler machen kann. Ausserdem kann man ihn auch 2-3 Tage länger liegen lassen, um die Periode zu verschieben.

Sollte er beim Geschlechtsverkehr stören, was selten vorkommt, kann man ihn ohne weiteres für einige Stunden heraus nehmen und anschliessend erneut einführen.

Die ersten Ringe auf dem Markt sollte man noch bis zur Anwendung im Kühlschrank aufbewahren, das ist bei den neueren Modellen nicht mehr nötig.

Bei korrekter Anwendung ist bei beiden Methoden usw.. die Sicherheit mindestens so hoch wie bei der Pille wegen der ausbleibenden Störungen wie "Pille vergessen", Erbrechen, heftiger Durchfall. Bei gleichzeitiger Einnahme von Antibiotika, Mitteln gegen Epilepsie, Johanniskraut usw. kann aber die Sicherheit der Verhütung oder die Wirkung dieser Medikamente verändert sein wegen des gleichzeitigen Abbaus im Körper. Auch starkes Rauchen (mehr als 10 Zigaretten pro Tag), Bluthochdruck usw. sind weiterhin Gegenanzeigen gegen die Anwendung.

Die Pille und Depressionen

Eine dänische Studie aus 2018 behauptete, dass Selbstmorde, Selbstmordversuche und Depressionen bei jungen Frauen, die hormonelle Verhütungsmittel verwendeten, deutlich erhöht waren. Alle in Dänemark lebenden Frauen zwischen 15 und 34 Jahren wurden zwischen 2000 und 2013 beobachtet. Ungefähr die Hälfte benutzte hormonelle Verhütung. Es stellte sich heraus, dass junge Frauen zwischen 15 und 19 Jahren ein fast doppelt so hohes Risiko hatten, Mittel gegen Depressionen einnehmen zu müssen. Vor allem im ersten halben Jahr war das Risiko erhöht und fiel danach ab. Mit zunehmendem Alter sank das Risiko ebenfalls. In einer weiteren Studie wurde ein möglicher Zusammenhang mit Selbstmorden und Selbstmordversuchen untersucht. Nicht berücksichtigt wurden dabei Frauen, die bereits vorher einen Selbstmordversuch unternommen hatten oder psychiatrische Diagnosen hatten.

Dabei war das Risiko eines Selbstmordversuchs bei hormonell verhütenden Frauen doppelt so hoch, wie bei Frauen, die noch nie entsprechend verhütet hatten. Auch hier waren die 15-19-jährigen wieder einem besonders hohen Risiko ausgesetzt. Bei vollendetem Selbstmord war das Risiko sogar 3-fach höher, allerdings bei insgesamt glücklicherweise niedriger Anzahl. Daraufhin wurde ein entsprechender Warnhinweis in den Beipackzettel aufgenommen.

Nun könnte man einwenden, dass bei verhütenden Frauen eher sexuelle oder Partnerschaftskonflikte auftreten als bei ihren enthaltsameren Geschlechtsgenossinnen. Diese Argumentation hat man aber so weit als möglich versucht zu berücksichtigen, als man beim Vergleich mit jungen Frauen, die mit Kondomen verhüteten, diese Risikosteigerung nicht beobachten konnte. Ein wesentlicher Kritikpunkt bleibt die Angabe des relativen Risikos ("doppelt so viel") im Gegensatz zum absoluten Risiko (wie viele Jugendliche waren tatsächlich betroffen?): "Wenn ich 2 Cent habe und meine Freundin 1 Cent, bin ich doppelt so reich wie sie, tatsächlich sind wir aber beide arme Schlucker".

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Selbstverständlich überwiegen die Vorteile einer sicheren Verhütung gerade bei jungen Frauen immer noch bei weitem die Nachteile einer ungewollten Schwangerschaft, sodass hormonelle Verhütungsmittel hier nicht verteufelt werden sollen. Allerdings sollten diese Studien Anlass geben, dass junge Frauen, ihre Partner, Eltern und Ärzte gerade in den ersten Monaten der Pilleneinnahme sich und einander aufmerksam beobachten sollten. Die Pille und auch Verhütungspflaster und -ring wird von jungen gesunden Frauen in grosser Zahl verwendet, sodass auch nur selten vorkommende Ereignisse wie Thrombosen, Depressionen und Selbstmordgedanken ein grosses mediales Echo hervor rufen, im Einzelfall jedoch katastrophal sind.

Sollten Sie oder eine Freundin Anzeichen einer Depression entdecken, können Sie über das überregionale Krisentelefon 0800 / 11 10 111 kostenfrei rund um die Uhr Hilfe erlangen. Für Kinder und Jugendliche gibt es eine eigene Telefonnummer 0800 / 11 10 333 (www.nummergegenkummer.de), Mo bis Sa 14 -20 Uhr. Ausserdem gibt es örtliche Hilfen, die man googlen kann.

Quellen:

Medizinisch geprüft von:

Dr. Walter BrinkerDr. med. Walter Brinker ,studierte Medizin in Köln. Nach seiner Facharztausbildung in Frauenheilkunde und Geburtshilfe und mehrjähriger Oberarzttätigkeit liess er sich in Remscheid nieder, wo er heute mit 2 Kolleginnen eine Gemeinschaftspraxis führt. Er wurde u.a. in USA, China, Polen, Kongo, Zimbabwe ausgebildet und hat dort später unterrichtet. So ist er auch im Besitz der amerikanischen Approbation. In Deutschland leitet er Seminare über Verhütungsmittel. Durch seine Auslandstätigkeit ist er ebenfalls in Reisemedizin fortgebildet und betreut Reisegruppen auf exotischen Reisen weltweit als Arzt.

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