Warum Kamagra illegal ist!

Import illegaler Potenzmittel

Erektile Dysfunktion wird von vielen Männern auch heute noch als ein heikles Tabuthema angesehen. Betroffenen ist es oft unangenehm diese Beschwerden anzusprechen. Gerade der Gedanke an einen Arztbesuch löst bei vielen Bauchschmerzen aus. Es ist also kein Wunder, dass immer mehr Männer online nach Hilfe für dieses Problem suchen. Bei diesen Recherchen, stößt man zwangsweise auf jede Menge dubiose Seiten, auf denen Medikamente gegen Erektionsstörungen angeboten werden. Gibt man bei Google „Potenzmittel online kaufen“ ein, erhält man über 2,6 Millionen Ergebnisse. Da ist es naheliegend, testweise eines dieser rezeptfreien Mittel zu bestellen. Das Schlimmste, was passieren kann, ist doch, dass einfach keine Wirkung eintritt und man umsonst Geld ausgegeben hat? Falsch!

Zollfahndung Medikamente

Bild: DPA-OTS-Zollfahndungsamt Essen

Eine Bestellung von Potenzmitteln im Internet ist in den meisten Fällen eine schlechte und gefährliche Idee. Neben rechtlichen Folgen wie hohen Geldstrafen und Gerichtsverfahren, können falsch zusammensetzte oder falsch dosierte Potenzmittel auch zu gesundheitlichen Schäden oder sogar zum Tod führen. Nicht ohne Grund sind sie in Europa verschreibungspflichtig. Neben Fälschungen zugelassener Medikamente wie Viagra, Cialis und Levitra, kann man im Internet auch Potenzmittel bestellen, die in Europa illegal sind – und das ganz rezeptfrei. Viele davon werden im außereuropäischen Ausland produziert und von dort über den Onlinehandel in die ganze Welt vertrieben. Die meisten illegalen Potenzmittel stammen aus Indien.

Aber wie ist der Import illegaler Potenzmittel rechtlich geregelt?

Nach deutschem Recht dürfen Arzneimittel nur dann importiert und in Verkehr gebracht werden, wenn eine entsprechende deutsche oder europäische Zulassung erteilt worden ist. Die Überprüfung, ob eine solche für ein Medikament vorliegt, ist nicht allzu schwierig. Auf der Internetseite des deutschen Instituts für medizinische Dokumentation und Information findet man eine von den zuständigen deutschen Behörden betriebene Online-Datenbank. Diese enthält alle derzeit zugelassenen Arzneimittel. Außerdem enthält sie Medikamente, die zu einem früheren Zeitpunkt bereits für das Inverkehrbringen zugelassen wurden, aber aktuell nicht mehr zugelassen sind. Gleiches gilt für die von der Europäischen Kommission genehmigten Arzneimittel, welche auf der Seite der European Medicines Agency abrufbar sind. Ist ein Arzneimittel in keiner dieser beiden Datenbanken gelistet, ist es sehr wahrscheinlich, dass keine Zulassung dafür vorliegt. Daraus folgt, dass die Einfuhr sowie das Inverkehrbringen und der Verkauf des Produkts in Deutschland illegal sind.

Das Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz hat eine Publikation über den illegalen Import von Potenzmitteln veröffentlicht. In dieser Publikation wird erwähnt, dass der Internet-Handel mit illegalen Arzneimitteln weiterhin im Aufschwung ist und dass dies besonders für Medikamente gegen Erektionsstörungen gilt. Als Beispiel für ein illegales Potenzmittel wird „Kamagra“ genannt und als „illegales Generikum“ bezeichnet, da das Produkt in Deutschland nicht zugelassen und daher nicht legal vermarktbar ist. Einige gefährlichen Potenzmittel vor denen das LUA warnt, sind hier aufgeführt.

Kamagra ist das wohl bekannteste illegale Potenzmittel. Es enthält den Wirkstoff Sildenafil, welcher auch im legalen Viagra steckt. Kamagra ist also eine generische Form des beliebtesten Potenzmittels. Es wurde weder von der zuständigen deutschen Behörde noch von der Europäischen Kommission eine Zulassung erteilt. Kamagra darf daher nicht nach Deutschland importiert und/oder in Deutschland verkauft werden. Darüber hinaus ist auch jede Art der Verbreitung von Kamagra rechtswidrig. Es kann hierzulande also grundsätzlich von keinem Arzt verschrieben und von keiner Apotheke verkauft werden.

Nach deutschem Recht ist die Einfuhr und Vermarktung von nicht zugelassenen Arzneimitteln strafbar (siehe § 96 Nr. 5 Arzneimittelgesetz – eine inoffizielle englische Übersetzung können Sie hier nachlesen. Darüber hinaus erfordert das Inverkehrbringen von Arzneimitteln in Deutschland eine spezielle Versicherung zur Abdeckung der Risiken von Medikamenten. Diese Verpflichtung bezieht sich zumindest auf jedes zulassungspflichtige Arzneimittel. Kamagra und alle sildenafilhaltigen Produkte bedürfen einer Zulassung. Das Inverkehrbringen dieser Produkte in Deutschland (d.h. der Verkauf in oder nach Deutschland sowie jede Art der Übergabe) ist eine Straftat, da die Anforderungen an die Pflichtversicherungen nicht erfüllt sind (siehe § 96 Nr. 19 AMG – eine nicht-amtliche englische Übersetzung finden Sie unterhttps://www.gesetze-im-internet.de/englisch_amg/index.html.

Eine Pressemitteilung des deutschen Zolls beschreibt, dass durch die Zusammenarbeit der irischen und deutschen Zollbehörden die illegale Einfuhr von acht Packungen mit 32.700 Potenzmittel-Pillen mit den Namen 2 „Kamagra oral Jelly“, „Cobra 120“ und „Super Kamagra“ entdeckt und beschlagnahmt wurden. Darin wird auch erwähnt, dass Ermittlungsverfahren gegen den Empfänger der Pillen eingeleitet wurden.

Wer illegal im Internet Arzneimittel aus dem Ausland bestellt, verstößt gegen das sogenannte „Verbringungsverbot“ und kann sich damit strafbar machen. In der Regel fallen die Strafen beim ersten Vorkommen geringer aus – was trotzdem ein Gerichtsverfahren bedeuten kann – und steigern sich mit der Anzahl der Verstöße. Unwissenheit schützt in diesem Fall vor Strafe nicht: mit Geldbußen und Einzug der illegalen Ware muss in jedem Fall gerechnet werden.

Die soeben beschriebene Situation ist in jedem europäischen Mitgliedstaat gleich. Für Dänemark gibt es nur eine unvollständige Liste illegaler Potenzmittel, welche man sich auf der Website der zuständigen dänischen Behörde ansehen kann. Darunter finden sich einige Produkte, mit amüsanten Namen wie z.B. „3 hard knights“, „African Superman“, „Big Penis“, „bigger longer more time more sperms“, „Dragon Power“ und „Hard Times for Men“. Kamagra wird dort in zahlreichen verschiedenen Variationen gleich mehrmals genannt (Kamagra, Kamagra 100 Gold, Kamagra Banane (orales Gel), Kamagra schwarze Johannisbeere (orales Gel), Kamagra Butterscotch (orales Gel), Kamagra Gold, Kamagra Oral Jelly, Kamagra Orange (orales Gel), Kamagra Sildenafil Citrat 100 mg Tabletten, Kamagra Erdbeere (orales Gel), Kamagra Vanille (orales Gel), Kamagra100) und viele mehr. Für einige der Kamagra-Produkte sind sogar Bilder erhältlich, auf denen die Verpackungen der Produkte zu sehen sind.

Operation Pangea

Jedes Jahr führt Interpol in Zusammenarbeit mit den nationalen Polizei- und Zollbehörden eine internationale Operation gegen gefälschte und illegale Arzneimittel durch: die Operation Pangea. Die Aktion fand das erste Mal im Jahr 2008 statt. Damals beteiligten sich nur 8 Länder. Dieses Jahr wurde sie im Oktober zum 11. Mal unter Beteiligung von Behörden aus 116 Ländern durchgeführt. Details auf der von Seite von Interpol oder auch die Pressemitteilung der deutschen Zollbehörde zur Operation Pangea. Durch den ständigen Zuwachs von Online-Marktplätzen und der Nutzung von Social Media für den Vertrieb steigt der Anteil krimineller Aktivitäten im Netz .Das wichtigste Ziel der Aktionswoche ist es daher, das Angebot illegaler Produkte einzuschränken und die Bevölkerung auf die Gefahren aufmerksam zu machen, die im Zusammenhang mit Online-Medikamentenhandel stehen.

Die Operation Pangea in Deutschland

Innerhalb von nur einer Woche konfiszierten die Zöllner der Hauptzollämter Frankfurt am Main, Gießen und Dresden insgesamt 1.209 ausländische Brief- und Paketsendungen mit rund 99.989 Tabletten, Kapseln und Ampullen. Ganze 80% der beschlagnahmten Ware machten Potenzmittel aus. Die meisten Sendungen stammten aus Indien, gefolgt von Hongkong, Polen und der Schweiz.

Für Deutschland gibt es einen detaillierteren Bericht über einen konkreten Fall von Potenzmitteln, die während der Pangea-Operation 2018 beschlagnahmt wurden. Dieser (nicht von einer Behörde, sondern von einem bekannten Online-Informationsdienst für Apotheker) erwähnt kein Kamagra, aber es gibt ein Foto mit beschlagnahmten Arzneimitteln auf dem der Name „Kamagra“ deutlich lesbar ist.

Der gleiche Fall wird in einem anderen Bericht beschrieben (nicht von einer Behörde, sondern von einem bekannten Online-Informationsdienst für Apotheker), in dem Kamagra erwähnt wird.

In Deutschland wird das Inverkehrbringen von Arzneimitteln von mehreren regionalen Behörden kontrolliert. Diese Behörden veröffentlichen gelegentlich Informationen über die Einfuhr von Arzneimitteln durch Privatpersonen und beschreiben die Anforderungen, unter denen die Einfuhr zulässig sein kann.

Ähnliche Informationen werden vom Bundesgesundheitsministerium zur Verfügung gestellt.

Die Operation Pangea in Österreich

Die österreichische Zollbehörde beschreibt, dass während der Operation Pangea im Jahr 2018 859 Verhaftungen stattgefunden haben und dass 3.671 Websites auf denen illegalen Arzneimittel vertrieben worden waren geschlossen wurden (siehe Pressemitteilung der APA Österreich.

„Nur eine von 20 im Internet vertriebenen Arzneien ist legalen Ursprungs“ – so heißt es in einer österreichischen Zeitung, die sich vor allem an Ärzte als Zielgruppe richtet. In einem Artikel über die Pangea-Operation im Jahr 2015, wird auch berichtet: „Das in der EU nicht zugelassene und in Asien hergestellte Potenzmittel Kamagra bahne sich über das Internet den Weg zum Verbraucher“.

Die Operation Pangea in der Schweiz

In der Schweiz wurden im Zuge der Operation Pangea 2018 über 1000 Sendungen von der EZV, Swissmedic und Antidoping Schweiz im Postzentrum Zürich-Müllingen kontrolliert. Die siwssmedic beschreibt, dass während der Pangea-Operation 2018 in der Schweiz 304 Sendungen mit illegalen Arzneimitteln entdeckt wurden und dass 87 % der beschlagnahmten Arzneimittel Potenzmittel waren. Von diesen 87% waren 50 % von schlechter Qualität.

Folgende Mängel wurden an den Produkten festgestellt:

  • Massive Überdosierung, falsche Dosierung
  • Medizinisch bedenkliche Kombination von zwei Wirkstoffen
  • Nicht deklarierte chemische Wirkstoffe enthalten
  • Falscher Wirkstoff
  • Enthalten neben potenzsteigernden Wirkstoffen auch andere Substanzen wie Schmerzmittel, Antibiotika, Immunssupressiva oder Schwermetalle

Im Vergleich dazu betrug 2017 der Anteil der Potenzmittel der beschlagnahmten Sendungen „nur“ 59%. Diese Zahlen lassen erkennen, dass der Online-Kauf von erektionsfördernden Medikamenten immer mehr zum Trend wird, berichtet Swissmedic.

Fazit

Es braucht mehr Bewusstsein in der Bevölkerung für das Problem des illegalen Medikamentenhandels im Internet und dessen gefährliche Folgen. Aktionen wie die Operation Pangea helfen dieses nach und nach zu schaffen. Gerade in den nächsten Jahren, in denen sich mehr und mehr Aktivitäten ins Internet verlagern werden, müssen noch weitere Maßnahmen gesetzt werden, um dem illegalen Online-Medikamentenhandel aktiv den Kampf anzusagen.

Eines steht jedoch fest: Wer illegale Potenzmittel aus dem Internet bestellt, geht ein hohes Risiko ein, das es im Endeffekt einfach nicht wert ist. Leidet man unter Erektionsstörungen, sollte man den legalen Weg wählen, einen Arzttermin vereinbaren und sich ein passendes Potenzmittel verschreiben lassen. Wenn man im Internet bestellen möchte so sollte dies immer von einer lizenzierten Apotheke die Original Medikamente wie Viagra von Pfizer oder Generika die in der EU-zugelassen sind verschickt und mit einem online Rezept eines erfahrenen Arztes der eine EU-Lizenz besitzt.


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