Gewichtsmanagement

Abnehmspritze richtig absetzen und das Gewicht danach halten

Wer eine Abnehmspritze wie Wegovy oder Mounjaro absetzen möchte, sollte mögliche Veränderungen bei Appetit und Gewicht berücksichtigen. Erfahren Sie, was nach dem Absetzen passieren kann und wie Ernährung, Bewegung und ärztliche Begleitung dabei helfen können, das Gewicht zu stabilisieren.

Olena Goriacheva, Strategin für medizinische Inhalte bei Apomeds

Autor Olena Goriacheva

Geprüft von Dr. Dora Matis

Veröffentlicht am:

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Frau, die einen Injektionsstift ablehnt

Typische Gründe, warum Menschen die Abnehmspritze wieder absetzen

Die Motive, weshalb Menschen die Spitze zum Abnehmen absetzen, unterscheiden sich von Fall zu Fall, drei Muster tauchen in der Praxis aber immer wieder auf:

Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen oder anhaltendes Völlegefühl

GLP-1-Medikamente wie Semaglutid oder Tirzepatid verlangsamen die Magenentleerung und dämpfen den Appetit. Sie gehören zu den verfügbaren Optionen zur Gewichtsreduktion, aber diese Wirkung führt bei vielen Anwendern auch zu Übelkeit, gelegentlichem Erbrechen oder einem Völlegefühl, das auch Stunden nach dem Essen bleibt. Solche unerwünschte Nebenwirkungen verstärken manchmal den Wunsch, die Spritze abzusetzen. Eine langsamere Dosissteigerung zu Beginn der Behandlung kann solche Beschwerden abmildern, verhindert sie aber nicht immer vollständig.

Hohe Kosten ohne Übernahme durch die Krankenkasse

Abnehmspritzen wie Wegovy sind nur mit ärztlicher Verordnung erhältlich. Allerdings werden sie zur Gewichtsregulierung in Deutschland grundsätzlich nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. Anders kann es bei GLP-1-Medikamenten aussehen, die zur Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen und für diese Indikation verordnet werden. Bei monatlichen Kosten von teils mehreren hundert Euro brechen etliche Patientinnen und Patienten die Behandlung ab, sobald es vom Budget her nicht mehr anders geht. 

Erreichtes Zielgewicht und der Wunsch nach einem Leben ohne Spritze

Manche setzen die Therapie ab, weil sie ihr Ziel der Gewichtsreduktion erreicht haben und zurück zu einem Alltag ohne wöchentliche Injektion wollen. Der Wunsch ist verständlich, unterschätzt aber häufig, dass die Wirkung nach der letzten Injektion nicht sofort verschwindet, sondern über mehrere Wochen allmählich nachlässt. Auch Lieferengpässe bei Wegovy oder Mounjaro können dazu führen, dass Abnehmspritzen nicht verfügbar sind.

Unrealistische Erwartungen an die Gewichtsabnahme führen ebenfalls oft zum Absetzen.

Was im Körper passiert, sobald die Abnehmspritze abgesetzt wird

Semaglutid wirkt unter anderem auf die Blutzuckerregulation: Bei erhöhtem Blutzuckerspiegel fördert der Wirkstoff die Insulinfreisetzung und hemmt gleichzeitig die Ausschüttung von Glukagon. Nach dem Absetzen fällt diese pharmakologische Unterstützung weg. 

Der Körper reagiert auf das Fehlen des Wirkstoffs dann innerhalb weniger Wochen, oft schneller, als Betroffene erwarten. Das macht sich oft wie folgt bemerkbar:

  • Das natürliche Hungergefühl kehrt zurück, sobald die Appetitregulation durch den GLP-1-Rezeptor-Agonisten wegfällt
  • Die appetithemmende Wirkung des GLP-1-Rezeptor-Agonisten lässt nach, sodass das Hungergefühl wieder zunehmen kann; dabei können auch gegenregulatorische Veränderungen verschiedener appetitregulierender Hormone eine Rolle spielen
  • Sinkender Grundumsatz, weil der Körper sich an das reduzierte Gewicht angepasst hat
  • Verlangsamte Magenentleerung normalisiert sich wieder, wodurch Sättigung schneller nachlässt

Bei einer Gewichtsabnahme reduziert sich auch nicht nur die Fettmasse, sondern auch die fettfreie Masse, und der Körper versucht nach dem Abnehmen aktiv, das ursprüngliche Ausgangsgewicht wieder herzustellen [1].

Der Jo-Jo-Effekt nach dem Absetzen der Abnehmspritze

Der Rebound-Effekt ist leider keine Ausnahme. Wie stark er aber ausfällt, unterscheidet sich von Person zu Person.

Ab wann die Gewichtszunahme nach dem Absetzen meist einsetzt

Bereits wenige Wochen nach der letzten Dosis beginnt bei vielen Patientinnen und Patienten die Waage wieder zu steigen, da der Appetit zurückkehrt. Eine Auswertung von 37 Studien mit über 9.300 Erwachsenen zeigte, dass das Gewicht nach dem Absetzen von GLP-1-Medikamenten schneller zurückkehrt als nach dem Ende reiner Ernährungs- und Bewegungsprogramme, mit einer durchschnittlichen Zunahme von rund 0,8 Kilogramm pro Monat bei neueren Wirkstoffen wie Semaglutid und Tirzepatid (über alle Wirkstoffe hinweg im Schnitt etwa 0,4 Kilogramm pro Monat) [2].

Wie viel vom verlorenen Gewicht durchschnittlich zurückkehrt

In der Verlängerungsphase der STEP-1-Studie nahmen die Teilnehmenden im Jahr nach Therapieende im Schnitt rund zwei Drittel des zuvor verlorenen Gewichts wieder zu, zusammen mit einem Teil der Verbesserungen bei Blutzucker und Blutdruck [3].

Bei Tirzepatid-Präparaten zeigt sich ein ähnliches Bild: In der SURMOUNT-4-Studie kam es bei den meisten Teilnehmenden, die zuvor mindestens 10 Prozent ihres Gewichts verloren hatten, innerhalb eines Jahres nach dem Absetzen zu einer Gewichtszunahme von 25 Prozent oder mehr des zuvor verlorenen Gewichts [4,6]. 

Eine Auswertung mehrerer GLP-1-Studien durch ein Forschungsteam der University of Cambridge kam zu einem ähnlichen Bild: Nach 52 Wochen lagen im Mittel etwa 60 Prozent des abgenommenen Gewichts wieder auf der Waage. Langfristig flacht die Zunahme dem Modell zufolge bei rund 75 Prozent ab, sodass etwa ein Viertel des ursprünglichen Gewichtsverlusts dauerhaft erhalten bleiben kann [5]. 

Expertinnen und Experten aus der Adipositas-Forschung betonen dabei, dass Adipositas eine chronische Erkrankung ist und ein Rückfall nach dem Absetzen deshalb keine Frage von Disziplin, sondern von Biologie ist. Der Körper versucht, sein früheres Gewicht aktiv zu verteidigen.

Warum manche Menschen kaum zunehmen und andere sehr stark

Wie stark der Rebound-Effekt ausfällt, unterscheidet sich von Person zu Person: eine Rolle können unter anderem das Ausmaß des ursprünglichen Gewichtsverlusts, individuelle Ausgangsmerkmale und die weitere Lebensstil- und Adipositasbehandlung spielen. Wer sehr viele Kilos verloren hat, hat oft auch mehr zu verteidigen. Wer diese Faktoren aktiv berücksichtigt, kann den Jojo-Effekt vermeiden oder zumindest deutlich abmildern.

Gesundheitliche Folgen, wenn das Gewicht nach dem Absetzen wieder steigt

 Frau, die eine Schüssel Salat isst  

Eine erneute Gewichtszunahme betrifft nicht nur die Zahl auf der Waage, sondern auch Stoffwechsel und Kreislauf. Die gesundheitlichen Folgen können sein:

  • Verschlechterter Blutzuckerspiegel und erschwerte Diabetes-Kontrolle bei Menschen mit Typ-2-Diabetes
  • Steigender Bluthochdruck und ungünstigere Cholesterinwerte, die sich unter der Therapie zuvor gebessert hatten
  • Mögliche zusätzliche Belastung für das Herz-Kreislauf-System, wenn die Gewichtszunahme rasch verläuft

Für Menschen, die bereits vor der Therapie mit Diabetes oder Bluthochdruck zu kämpfen hatten, ist dieser Punkt besonders relevant. Eine Analyse der SURMOUNT-4-Studie zeigte, dass eine stärkere Gewichtszunahme nach dem Absetzen mit einer deutlicheren Verschlechterung von Blutzucker- und Stoffwechselwerten einherging, während Teilnehmende mit geringerer Zunahme ihre Werte über ein Jahr hinweg weitgehend stabil hielten [6].

Die Abnehmspritze langsam ausschleichen statt abrupt zu stoppen

Nach dem Absetzen kommt es bei vielen Menschen zu einer erneuten Gewichtszunahme; ob ein schrittweises Ausschleichen diesen Rückfall gegenüber einem direkten Absetzen vermindert, ist bislang nicht ausreichend untersucht.

Eine schrittweise Dosisreduktion wird als mögliche individuelle Strategie diskutiert, welche diesen Effekt wahrscheinlich abschwächen könnte. Das Forschungsteam der Cambridge-Metaanalyse verweist darauf, dass ein individuell angepasstes Ausschleichen der Dosis den Rückfall begrenzen kann, auch wenn belastbare Langzeitdaten dazu noch fehlen [5].

Wie ein solcher Ausschleichplan aussieht, sollte immer gemeinsam mit der behandelnden Arztpraxis besprochen werden, da sich Dosis und Zeitraum nach Wirkstoff, bisheriger Therapiedauer und Begleiterkrankungen richten. Wer beispielsweise Wegovy richtig absetzen möchte, sollte Blutzucker und Blutdruck in der Übergangsphase im Blick behalten, besonders bei bestehendem Bluthochdruck oder Diabetes. Bei Tirzepatid-Präparaten wie Mounjaro gilt grundsätzlich dasselbe Prinzip, auch wenn die konkreten Dosisstufen anders aufgebaut sind als bei Semaglutid.

Leichte Übelkeit oder ein kurzfristig steigender Appetit während des Ausschleichens sind keine Seltenheit und meist vorübergehend.

Ernährung anpassen

Eine Ernährungsumstellung entscheidet oft darüber, ob das Gewicht nach dem Absetzen stabil bleibt oder rasch wieder steigt. Hilfreich können hierbei unter anderem folgende Punkte sein:

  • Sättigung über Eiweiß und Ballaststoffe erreichen, statt jede Kalorie einzeln zu zählen
  • Regelmäßige Mahlzeiten einplanen, um Heißhungerattacken vorzubeugen, bevor sie entstehen
  • Ausreichend trinken und stark verarbeitete Lebensmittel reduzieren, da sie den Appetit oft zusätzlich anheizen
  • Essverhalten beobachten, um in schwierigen Phasen frühzeitig gegenzusteuern und eine Esssucht überwinden zu können, falls sich alte Muster wieder verstärken

Bewegung als Schutz vor dem Rückfall nach dem Absetzen

 Frau, die sich ein ärztliches Rezept ausstellen lässt  

Bewegung wirkt dem Rebound-Effekt auf zwei Ebenen entgegen: über den Kalorienverbrauch und über den Erhalt der Muskelmasse.

Für die meisten Erwachsenen gelten etwa 150 bis 300 Minuten moderate Bewegung pro Woche als sinnvolle Orientierung, verteilt auf mehrere Einheiten statt auf einen einzigen langen Trainingstag. 

Krafttraining kann dabei helfen, die Muskelmasse während und nach einer Gewichtsabnahme zu erhalten. Dadurch lässt sich möglicherweise auch der Rückgang des Energieverbrauchs, der mit dem Gewichtsverlust einhergeht, begrenzen [1]. 

Kleine Routinen wie Treppen statt Aufzug, ein täglicher Spaziergang oder zwei kurze Krafteinheiten pro Woche lassen sich in den meisten Alltagen unterbringen, ohne dass gleich ein neues Fitnessstudio-Abo nötig wird.

Erfahrungen mit dem Absetzen von Abnehmmedikamenten

Qualitative Studien zeigen, dass Betroffene nach dem Absetzen sowohl von einer Rückkehr des Hungergefühls und einer erneuten Gewichtszunahme als auch von Strategien zum langfristigen Gewichtserhalt berichten:

„Meine größte Sorge ist, wenn ich wieder damit aufhören muss. Man hört ja von diesem Jo-Jo-Effekt, bei dem das Gewicht wieder zurückkommt. Aber ich glaube, dass es helfen wird, das Gewicht zu halten, wenn man die Veränderungen des Lebensstils, die man in der Zwischenzeit vorgenommen hat, beibehalten kann. Denn ich möchte das Medikament nicht dauerhaft einnehmen. Ich möchte entweder auf die niedrigste Dosis reduzieren oder ganz damit aufhören.“

— Jens, Teilnehmer einer qualitativen Studie zu Erfahrungen mit Semaglutid zur Gewichtsabnahme [7]

„Ich habe im September 2023 aufgehört, das Medikament zu nehmen, und fünf der neun Kilo wieder zugenommen. […] Innerhalb einer Woche, vielleicht innerhalb von zwei Wochen, war mein Appetit wieder so wie mein ganzes Leben lang.“

— Teilnehmer einer qualitativen Studie zu Veränderungen des Essverhaltens unter Adipositasmedikamenten [8]

„Ich denke, sobald ich ein bestimmtes Gewicht erreicht habe, werde ich meine Essgewohnheiten einfach so beibehalten, wie ich es bisher getan habe. Ich muss darauf achten, nicht zu viel von diesem oder jenem zu essen. Ich denke einfach, dass ich mich an meine Routine halten muss.“

— Teilnehmerin einer qualitativen Studie zu GLP-1-Rezeptoragonisten bei Übergewicht und Kniearthrose [9]

Ein Leben nach der Spritze mit einem gesunden Body Mass Index ist möglich, verlangt aber Vorbereitung. Wer die Dosis schrittweise reduziert, Ernährung und Bewegung anpasst und ärztlich begleitet bleibt, hat gute Chancen auf dauerhafte Gewichtserhaltung. In manchen Fällen bleibt eine niedrig dosierte Erhaltungstherapie sinnvoll, in anderen gelingt der komplette Ausstieg ohne größeren Rückfall. Entscheidend ist, das Absetzen nicht als plötzlichen Schnitt zu behandeln, sondern als eigenen Abschnitt der Behandlung.


Häufige Fragen 

Beim Absetzen der Abnehmspritze tauchen bei vielen Patientinnen und Patienten dieselben Fragen auf. Die wichtigsten davon beantworten wir hier kurz und konkret.

Kann man die Abnehmspritze einfach von heute auf morgen absetzen?

Möglich ist es, empfehlenswert ist es in den meisten Fällen nicht. Ein abruptes Absetzen begünstigt eine schnellere Gewichtszunahme, während eine schrittweise Dosisreduktion den Übergang für den Körper sanfter gestaltet.

Wie lange dauert es, bis nach dem Absetzen wieder Hunger spürbar wird?

Nach dem Absetzen kann der Appetit wieder zunehmen, sobald die appetithemmende Wirkung des Wirkstoffs nachlässt. Wie schnell dies geschieht, hängt unter anderem vom Wirkstoff und der individuellen Reaktion ab.

Wann beginnt die Gewichtszunahme nach dem Absetzen normalerweise?

In der Regel innerhalb der ersten Wochen nach der letzten Dosis, mit einem deutlichen Anstieg im weiteren Verlauf des ersten Jahres nach Therapieende.

Nimmt jeder nach dem Absetzen wieder zu?

Nicht in gleichem Ausmaß. Studien zeigen zwar eine durchschnittliche Gewichtszunahme von bis zu zwei Dritteln des verlorenen Gewichts, ein Teil der Behandelten hält sein neues Gewicht jedoch deutlich stabiler, meist dank konsequenter Ernährungsumstellung und Bewegung.

Muss die Abnehmspritze wegen einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt werden?

Ja. GLP-1-Wirkstoffe wie Semaglutid oder Tirzepatid gelten in Schwangerschaft und Stillzeit als nicht geeignet und sollten laut behandelnder Ärztin oder Arzt rechtzeitig vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt werden, üblicherweise mehrere Wochen im Voraus.

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