Wie Tadalafil den Blutdruck beeinflusst
Tadalafil ist ein Wirkstoff aus der Wirkstoffgruppe der PDE-5-Hemmer. Bekannt ist er vor allem aus der Behandlung der erektilen Dysfunktion, er kann aber auch bei gutartiger Prostatavergrößerung und pulmonal arterieller Hypertonie eingesetzt werden [1, 2]. Da die Wirkung von Tadalafil bis zu 36 Stunden anhält, wird das Potenzmittel auch als Wochenend-Pille bezeichnet. Dabei kann Tadalafil auch den Blutdruck beeinflussen.
Bei sexueller Erregung setzt der Körper in den Schwellkörpern des Penis Stickstoffmonoxid frei. Dieses regt die Bildung von cGMP an, das die glatte Muskulatur an den Gefäßwänden entspannt. Dadurch weiten sich die Gefäße, mehr Blut strömt ein und eine Erektion entsteht. Das Enzym Phosphodiesterase-5 (PDE-5) baut cGMP nach einiger Zeit wieder ab und trägt damit zum Abklingen der Erektion bei [1].
Tadalafil hemmt dieses Enzym, wodurch cGMP länger aktiv bleibt und die Gefäße erweitert. Dadurch kann eine Erektion bei sexueller Stimulation leichter entstehen oder aufrechterhalten werden [1].
PDE-5 kommt jedoch nicht nur im Penis vor, sondern auch in anderen Körperregionen. Tadalafil kann daher auch an anderen Gefäßen eine leichte Gefäßerweiterung bewirken, wodurch der Blutdruck etwas sinken kann [1]. Bei der Behandlung der erektilen Dysfunktion ist eine solche Blutdrucksenkung eine mögliche pharmakologische Wirkung, die bei manchen Patienten klinisch relevant werden kann. Allerdings kann dieser Effekt auch für die Behandlung von Bluthochdruck in der Lunge eingesetzt werden [2].
Tadalafil bei Bluthochdruck in der Lunge (pulmonale Hypertonie)
Im Zusammenhang mit Bluthochdruck ist Tadalafil für genau einen Zweck zugelassen: Die pulmonal arterielle Hypertonie (PAH) [2]. Das ist eine seltene Form von Lungenhochdruck [3]. Diese Zulassung betrifft ausschließlich den Bluthochdruck in den Lungengefäßen und nicht den systemischen Blutdruck des Körpers. Tadalafil wird nicht als Standardmedikament gegen normalen Bluthochdruck eingesetzt und ist kein Ersatz für einen Blutdrucksenker. Auch unter den verschiedenen Formen des Lungenhochdrucks ist Tadalafil nur für die Behandlung von PAH zugelassen.
Bei PAH sind die Arterien der Lunge verengt und ihre Wände verdickt. Das Herz muss dadurch mehr Kraft aufwenden, um Blut durch die Lunge zu pumpen. Auf Dauer ist das eine große Belastung für das Herz. Die Auswirkungen merken Patienten oft erst spät in Form von Atemnot, Erschöpfung oder nachlassender Leistungsfähigkeit [3].
In den Blutgefäßen der Lunge kommt nun reichlich PDE-5 vor. Indem Tadalafil dieses Enzym hemmt, entspannen sich die Lungengefäße, der Blutfluss durch die Lungenarterien verbessert sich und der Druck in der Lunge sinkt [2].
Dabei unterscheidet sich die Behandlung der PAH deutlich von der Behandlung von Erektionsstörungen. Bei Potenzproblemen erfolgt die Einnahme meist nach Bedarf, mindestens 30 Minuten vor der sexuellen Aktivität. Die empfohlene Dosis für erektile Dysfunktion beträgt 10 mg [1].
Bei PAH nehmen die Patienten dagegen einmal täglich 40 mg ein, was ein Vielfaches der üblichen Dosis bei Erektionsstörungen ist [1, 2].
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Anwendungsbereiche von Tadalafil und die jeweils richtige Tadalafil-Dosierung [1, 2]:
|
Anwendungsgebiet |
Übliche Dosis |
Einnahme |
Behandlungsziel |
|
Erektile Dysfunktion (bei Bedarf) |
10 mg, 20 mg |
Mindestens 30 Minuten vor der sexuellen Aktivität, höchstens einmal täglich |
Erektion bei sexueller Stimulation ermöglichen |
|
Erektile Dysfunktion (täglich) |
5 mg, 2,5 mg |
Einmal täglich, etwa zur gleichen Uhrzeit |
Kontinuierliche Wirkstoff Wirkung, unabhängig vom Zeitpunkt der sexuellen Aktivität |
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Pulmonal arterielle Hypertonie |
40 mg |
Einmal täglich, als Langzeittherapie |
Druck in der Lunge senken, körperliche Belastbarkeit verbessern |
|
Gutartige Prostatavergrößerung |
5 mg |
Einmal täglich |
Beschwerden beim Wasserlassen lindern |
Senkt Tadalafil auch den normalen (systemischen) Blutdruck?
Ja, Tadalafil kann auch den Blutdruck im ganzen Körper senken und in manchen Fällen eine Hypotonie verursachen, also einen zu niedrigen Blutdruck. Wie stark dieser Effekt ist, wurde in Studien zum Originalpräparat Cialis untersucht. Gesunde Probanden erhielten dabei die höchste Dosis bei Erektionsstörungen, 20 mg Tadalafil. Im Vergleich zu einem Placebo sank der systolische Blutdruckwert im Liegen durchschnittlich um 1,6 mmHg und der diastolische Blutdruck um 0,8 mmHg. Damit waren die Unterschiede nicht signifikant und auch die Herzfrequenz veränderte sich kaum [1].
Die Blutdrucksenkung durch Tadalafil ist im Alltag meist kaum spürbar, da die Schwankungen durch Tadalafil innerhalb des Bereichs der natürlichen Schwankungen liegen, die etwa beim Aufstehen, bei Bewegung oder unter Stress entstehen [1]. Zudem regelt der Körper den Blutdruck ständig und passt sich an Veränderungen an [5]. Bei gesunden Menschen ist diese Blutdrucksenkung in der Regel gering und durch andere Mechanismen weitgehend kompensiert.
Häufig kommt die umgekehrte Frage auf: Erhöht Tadalafil den Blutdruck? In der Regel nicht, denn der Wirkstoff erweitert die Gefäße [1]. Da sexuelle Aktivität das Herz-Kreislauf-System belastet, ist das meistens der Grund für einen höheren Puls oder Blutdruck [4].
Deutlicher kann sich die Gefäßerweiterung in anderen Nebenwirkungen ausdrücken. Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten Nebenwirkungen und treten bei 1 von 10 bis 100 Patienten auf [1]. Sie entstehen unter anderem dadurch, dass sich Blutgefäße im Kopf weiten.
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Liegt bereits niedriger Blutdruck bzw. eine Hypotonie vor, muss der Einsatz von Tadalafil besonders bewertet werden. Ist der Blutdruck bereits gering, kann er durch Tadalafil so stark absinken, dass Gehirn und Organe vorübergehend nicht mehr ausreichend durchblutet werden. Deshalb gilt eine Hypotonie mit Werten unter 90/50 mmHg als Gegenanzeige [1]. In diesem Fall kommt eine Behandlung gegen Erektionsprobleme mit Tadalafil nicht mehr infrage.
Ist der Blutdruck zwar niedrig, aber oberhalb dieses Grenzwerts, wird Tadalafil nicht automatisch ausgeschlossen. Hier muss der behandelnde Arzt besonders abschätzen, welche Risiken und Nutzen mit Tadalafil einhergehen. Entscheidend sind dabei vor allem die Ursachen. Besteht etwa ein niedriger Blutdruck durch Herzerkrankungen oder Medikamente wie Blutdrucksenker, kann der Arzt die Therapie als kritisch einstufen [1].
Fällt der Blutdruck zu stark ab, zeigt sich das typischerweise durch Nebenwirkungen wie Schwindel, Benommenheit, Herzklopfen oder Übelkeit. In ungünstigen Fällen kann es zu einer kurzen Ohnmacht kommen [1].
Da Tadalafil eine sehr lange Wirkdauer hat, können die Beschwerden erst Stunden nach der Einnahme auftreten [1]. Insbesondere beim schnellen Aufstehen nach dem Geschlechtsverkehr können Nebenwirkungen wie Schwindel vorkommen. Wer solche Nebenwirkungen bemerkt, sollte sich hinsetzen oder hinlegen und langsam wieder aufstehen. Bei Ohnmacht, Brustschmerzen oder anhaltenden Beschwerden ist sofort ärztliche Hilfe nötig. Da das Nebenwirkungsprofil auch von der Dosierung abhängt, sollten Patienten ihre Dosis nicht eigenständig anpassen.
Tadalafil bei unkontrolliertem oder hohem Blutdruck
Ein erhöhter Blutdruck schließt eine Behandlung mit Tadalafil gegen Potenzprobleme nicht aus. Viele Männer mit Potenzproblemen haben Bluthochdruck, denn er schädigt die Blutgefäße und zählt zu den häufigsten Ursachen von Erektionsstörungen [4]. Ist der Blutdruck mit Medikamenten gut eingestellt, kann Tadalafil nach ärztlicher Prüfung verschrieben werden. Anders ist es bei einem unkontrollierten Bluthochdruck. Dieser gilt als absolute Gegenanzeige, in diesem Fall darf Tadalafil nicht eingesetzt werden [1].
Der Bluthochdruck gilt als unkontrolliert, wenn die Werte trotz Behandlung dauerhaft deutlich über den Zielwerten liegen oder ein stark erhöhter Blutdruck bislang gar nicht behandelt wurde [5]. Einen festen Grenzwert gibt es nicht, diese Einschätzung trifft der Arzt.
Warum unkontrollierte Hypertonie eine Gegenanzeige ist
Bei unkontrolliertem Bluthochdruck besteht ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko, das vor einer Behandlung der erektilen Dysfunktion ärztlich beurteilt werden sollte. Da sexuelle Aktivität das Herz-Kreislauf-System belastet, muss dabei auch das individuelle Risiko für sexuelle Aktivität berücksichtigt werden [4].
Hinzu kommt, dass ein unkontrollierter Bluthochdruck häufig mit unerkannten Schäden an Herz und Gefäßen einhergeht [5]. Bevor Potenzprobleme behandelt werden, sollte der behandelnde Arzt daher abklären, welche Ursachen zugrundeliegen [4]. In diesem Fall sollte die Ursache des Bluthochdrucks abgeklärt und der Bluthochdruck eingestellt werden.
Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall durch Blutdruckschwankungen
Dauerhaft hoher Blutdruck macht die Gefäßwände steifer und fördert Ablagerungen in den Arterien. Solche vorgeschädigten Gefäße vertragen schnelle Blutdruckänderungen schlechter. Daher fallen die Schwankungen, die durch Geschlechtsverkehr entstehen, bei unkontrolliertem Bluthochdruck stärker aus [5].
Die möglichen Folgen sind Durchblutungsstörungen am Herzen mit dem Risiko eines Herzinfarkts oder Durchblutungsstörungen im Gehirn mit dem Risiko eines Schlaganfalls [5]. Schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall sind als seltene Nebenwirkungen von Tadalafil aufgeführt [1].
Warnzeichen wie Brustschmerzen, Atemnot, plötzliche Lähmungen, Sprachstörungen oder sehr starke Kopfschmerzen erfordern sofortige medizinische Hilfe. Zögern Sie nicht, den Notruf zu wählen und unbedingt zu erwähnen, dass Sie Tadalafil eingenommen haben [1]. Legen Sie am besten direkt Ihre Vorerkrankungen und jegliche Begleitmedikation dar.
Gefährliche Wechselwirkungen: Tadalafil und blutdrucksenkende Mittel
Besonders gefährliche Wechselwirkungen können auftreten, wenn Tadalafil mit anderen Medikamenten eingenommen wird, die den Blutdruck senken. Dann können sich die Effekte gegenseitig verstärken und der Blutdruck deutlich abfallen. Daher muss die Einnahme jeglicher Medikamente vor der Verschreibung mit dem behandelnden Arzt abgeklärt werden. Die gefährlichste Kombination sind Nitrate: Tadalafil darf niemals zusammen mit Nitraten eingenommen werden [1].
Nitrate: absolute Kontraindikation wegen Blutdruckabfall
Nitrate werden vor allem bei koronarer Herzkrankheit und Angina pectoris eingesetzt. Sie kommen typischerweise als Nitrosprays oder als Tabletten mit Wirkstoffen wie Isosorbiddinitrat vor [4]. Sie erhöhen die Konzentration von cGMP. Tadalafil verhindert gleichzeitig den Abbau von cGMP. Beide Mechanismen können sich also stark verstärken, wodurch ein schwerer, unter Umständen lebensbedrohlicher Blutdruckabfall eintreten kann [1].
Daher dürfen Nitrate niemals gemeinsam mit Tadalafil angewendet werden. Wegen des langsamen Abbaus von Tadalafil hält diese Wechselwirkung lange an [1].
Alphablocker (z. B. Doxazosin): Risiko für plötzlichen Druckabfall
Alphablocker entspannen die Muskulatur in Gefäßen und Prostata. Sie werden daher gegen Bluthochdruck und gegen die Beschwerden einer gutartigen Prostatavergrößerung eingesetzt [5]. Da viele Männer mit Prostatabeschwerden auch Erektionsprobleme haben, kommt diese Kombination in der Praxis häufig vor [1].
Bei gleichzeitiger Einnahme von Tadalafil und Alphablockern kann eine Hypotonie auftreten. Besonders gut untersucht ist die Kombination von Tadalafil und Doxazosin. In Studien senkte die Kombination den Blutdruck zusätzlich und bei einigen kam es sogar zur Ohnmacht. Andere Alphablocker wie Tamsulosin wirken gezielter auf die Prostata und beeinflussen den Blutdruck in Studien weniger stark [1].
In jedem Fall sollte daher die Kombination von Alphablockern und Tadalafil ärztlich abgeklärt werden. Der behandelnde Arzt kann einschätzen, ob die konkreten Präparate miteinander vereinbar sind oder nicht [4].
Riociguat: verstärkte blutdrucksenkende Wirkung
Riociguat ist ein Wirkstoff zur Behandlung von Lungenhochdruck und wird auch bei pulmonal arterieller Hypertonie verschrieben [3]. Es stimuliert direkt das Enzym, welches cGMP bildet. Tadalafil hemmt jedoch den Abbau von cGMP. In Kombination können sie zu einer verstärkten Gefäßerweiterung führen, welche eine symptomatische Hypotonie auslösen kann [1].
Deshalb ist die gleichzeitige Einnahme von Tadalafil und Riociguat kontraindiziert, die beiden Präparate dürfen nicht kombiniert werden [1].
Betablocker, ACE-Hemmer und Diuretika: meist unkritische Kombination
Viele gängige Blutdrucksenker lassen sich mit Tadalafil kombinieren. Dazu gehören etwa Betablocker wie Metoprolol, ACE-Hemmer wie Enalapril oder Diuretika. Die zusätzliche Blutdrucksenkung wurde als klinisch nicht relevant eingestuft [1].
Dennoch muss die Einnahme all dieser Medikamente mit dem behandelnden Arzt abgeklärt werden. Nur so ist eine sichere Therapie möglich.
Einnahme von Tadalafil mit anderen Blutdrucksenkern – was zu beachten ist
In vielen Fällen ist eine Therapie mit Tadalafil trotz der Einnahme von Blutdrucksenkern möglich [1]. Wichtig ist, dass Ihr Arzt vor der Verordnung alle Medikamente kennt. Dazu gehören auch rezeptfreie Präparate, Nitrosprays für den Notfall und Substanzen wie Poppers [4]. Wie stark die Wechselwirkungen ausfallen können, hängt maßgeblich davon ab, welches Medikament eingesetzt wird.
Nehmen Sie eigenständig keine Therapieänderungen vor. Jegliche Anpassungen Ihrer Therapie sollte Ihr Arzt veranlassen.
Zudem sollten Sie im Notfall den Rettungsdienst über die Einnahme von Tadalafil informieren.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Tadalafil
Tadalafil sollte niemals ohne ärztliche Abklärung bei bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingenommen werden [1]. Informieren Sie Ihren Arzt daher über alle Vorerkrankungen, auch wenn diese schon länger zurückliegen oder aktuell keine Beschwerden verursachen.
Erektionsprobleme und Herz-Kreislauf-Erkrankungen teilen sich oft dieselben Ursachen, etwa Arteriosklerose, Bluthochdruck, Diabetes, erhöhte Blutfettwerte oder Rauchen. Die feinen Blutgefäße im Penis reagieren auf Gefäßschäden oft früher als die größeren Gefäße. Erektionsstörungen können deshalb ein Frühwarnzeichen für eine noch unerkannte Herzerkrankung sein. Wer nur das Symptom behandelt, übersieht möglicherweise die zugrundeliegende Erkrankung. Vor einer Behandlung mit Tadalafil sollte der Arzt daher auch den Zustand von Herz und Kreislauf beurteilen [4].
Hinzu kommt die körperliche Belastung beim Sex, die ein bereits geschwächtes Herz-Kreislauf-System schnell überlasten kann [4].
Bei den folgenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen darf Tadalafil nicht angewendet werden [1]:
- Kürzlicher Herzinfarkt innerhalb der letzten 90 Tage
- Instabile Angina pectoris
- Herzinsuffizienz ab NYHA II innerhalb der letzten sechs Monate
- Unkontrollierte Herzrhythmusstörungen
- Kürzlicher Schlaganfall innerhalb der letzten sechs Monate
- Unkontrollierter Bluthochdruck
- Niedriger Blutdruck unter 90/50 mmHg
- Behandlung mit Nitraten
In den folgenden Fällen ist Tadalafil nicht grundsätzlich ausgeschlossen, der Arzt muss Nutzen und Risiken jedoch besonders sorgfältig abwägen [1, 4]:
- Stabile koronare Herzkrankheit
- Länger zurückliegender Herzinfarkt oder Schlaganfall
- Gut eingestellter Bluthochdruck
- Niedriger Blutdruck oberhalb von 90/50 mmHg
- Einnahme von Alphablockern
- Erkrankungen der Herzklappen oder des Herzmuskels
Alkohol, Tadalafil und Blutdruck
Alkohol erweitert die Blutgefäße und senkt dadurch den Blutdruck. Tadalafil kann den Blutdruck ebenfalls leicht senken. Werden beide zusammen eingenommen, kann der Kreislauf stärker gefordert werden als bei einer der beiden Substanzen allein. Dadurch kann es bei einigen Patienten zu Schwindel und einem Blutdruckabfall beim Aufstehen kommen [1]. Da Alkohol zudem die Koordination und Wahrnehmung einschränkt, steigt bei Schwindel das Risiko für Stürze.
Bei geringem bis moderatem Alkoholkonsum wurde keine klinisch relevante Wechselwirkung mit Tadalafil beobachtet [1]. Größere Mengen Alkohol können jedoch die Behandlung beeinträchtigen, da Alkohol selbst die Erektionsfähigkeit einschränkt und Nebenwirkungen wie Schwindel verstärken kann. Viel Alkohol ist daher auch ein möglicher Grund, wenn Tadalafil nicht wirkt.
Häufige Fragen
Rund um Tadalafil und Blutdruck tauchen immer wieder ähnliche Fragen auf, auch in echten Erfahrungsberichten zu Tadalafil. Die wichtigsten Antworten finden Sie hier kompakt zusammengefasst.
Kann ich Tadalafil bei niedrigem Blutdruck (z. B. 90/60) einnehmen?
Ein Blutdruck von 90/60 mmHg liegt über dem Grenzwert von 90/50 mmHg, ab dem Tadalafil nicht angewendet werden darf [1]. Eine Behandlung ist daher nicht automatisch ausgeschlossen. Ob eine Behandlung mit Tadalafil infrage kommt, hängt allerdings von mehreren Faktoren ab, wie der Ursache des niedrigen Blutdrucks, anderen Erkrankungen und der Begleitmedikation. Daher muss der Arzt in diesem Fall besonders sorgfältig abwägen, ob sich eine Therapie mit Tadalafil im individuellen Fall eignet.
Senkt Tadalafil den Blutdruck dauerhaft?
Nein. Die leichte Blutdrucksenkung hält nur so lange an, wie der Wirkstoff im Körper aktiv ist. Tadalafil hat eine Halbwertszeit von durchschnittlich 17,5 Stunden. Die Wirkung kann bis zu 36 Stunden lang anhalten [1]. Danach normalisiert sich der Blutdruck wieder. Auch bei täglicher Einnahme verändert Tadalafil den Blutdruck nicht nachhaltig. Tadalafil ist kein Ersatz für Blutdrucksenker.
Ist Tadalafil bei Bluthochdruck grundsätzlich verboten?
Nein. Nur ein unkontrollierter Bluthochdruck gilt als Gegenanzeige. Ist der Blutdruck mit Medikamenten gut eingestellt, kann Tadalafil nach ärztlicher Prüfung verordnet werden. Viele gängige Blutdrucksenker wie Betablocker, ACE-Hemmer oder Diuretika lassen sich in der Regel mit Tadalafil kombinieren. Nitrate und Riociguat dürfen allerdings nie gemeinsam mit Tadalafil eingenommen werden [1].
Was ist die häufigste Nebenwirkung von Tadalafil?
Am häufigsten sind Kopfschmerzen. Danach kommen Verdauungsbeschwerden, Muskelschmerzen, Gesichtsrötung, eine verstopfte Nase und Rückenschmerzen. Diese Nebenwirkungen sind meist leicht und klingen von selbst wieder ab [1].
Überempfindlichkeitsreaktionen treten gelegentlich auf, also bei mindestens 1 von 1000 bis weniger als 1 von100 Patienten. Seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkungen von Tadalafil sind ein plötzlicher Seh- oder Hörverlust. Auch Priapismus, also eine schmerzhafte Dauererektion, die länger als vier Stunden anhält, ist eine schwere Nebenwirkung von Tadalafil. In diesen Fällen sollten Sie Tadalafil nicht weiter einnehmen und sofort ärztliche Hilfe suchen [1].
Ist Tadalafil schädlich für das Herz?
Bei herzgesunden Männern gilt Tadalafil nicht als schädlich für das Herz. Schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall wurden nach der Einnahme von Tadalafil berichtet; ein direkter ursächlicher Zusammenhang mit Tadalafil, der sexuellen Aktivität oder den zugrunde liegenden kardiovaskulären Risikofaktoren lässt sich jedoch nicht eindeutig bestimmen [1]. Daher ist es wichtig, vor der Verordnung dem behandelnden Arzt jegliche Informationen über Vorerkrankungen, Begleitmedikation und die allgemeine gesundheitliche Lage mitzuteilen.
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[1] European Medicines Agency. (2026). Cialis: EPAR – Produktinformation (Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels). https://www.ema.europa.eu/de/documents/product-information/cialis-epar-product-information_de.pdf
[2] European Medicines Agency. (2026). Adcirca: EPAR – Produktinformation (Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels). https://www.ema.europa.eu/de/documents/product-information/adcirca-epar-product-information_de.pdf
[3] Humbert, M., Kovacs, G., Hoeper, M. M., Badagliacca, R., Berger, R. M. F., Brida, M., Carlsen, J., Coats, A. J. S., Escribano-Subias, P., Ferrari, P., Ferreira, D. S., Ghofrani, H. A., Giannakoulas, G., Kiely, D. G., Mayer, E., Meszaros, G., Nagavci, B., Olsson, K. M., Pepke-Zaba, J., … Rosenkranz, S. (2022). 2022 ESC/ERS Guidelines for the diagnosis and treatment of pulmonary hypertension. European Heart Journal, 43(38), 3618–3731. https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehac237
[4] Kloner, R. A., Burnett, A. L., Miner, M., Blaha, M. J., Ganz, P., Goldstein, I., Kim, N. N., Kohler, T., Lue, T., McVary, K. T., Mulhall, J. P., Parish, S. J., Sadeghi-Nejad, H., Sadovsky, R., Sharlip, I. D., & Rosen, R. C. (2024). Princeton IV consensus guidelines: PDE5 inhibitors and cardiac health. The Journal of Sexual Medicine, 21(2), 90–116. https://doi.org/10.1093/jsxmed/qdad163
[5] McEvoy, J. W., McCarthy, C. P., Bruno, R. M., Brouwers, S., Canavan, M. D., Ceconi, C., Christodorescu, R. M., Daskalopoulou, S. S., Ferro, C. J., Gerdts, E., Hanssen, H., Harris, J., Lauder, L., McManus, R. J., Molloy, G. J., Rahimi, K., Regitz-Zagrosek, V., Rossi, G. P., Sandset, E. C., … Touyz, R. M. (2024). 2024 ESC Guidelines for the management of elevated blood pressure and hypertension. European Heart Journal, 45(38), 3912–4018. https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehae178