Die männliche Potenz entsteht durch das Zusammenspiel körperlicher und psychischer Prozesse. Eine gute Durchblutung, ein ausgeglichener Hormonhaushalt und die Verarbeitung emotionaler Reize greifen dabei ineinander. Veränderungen dieser körperlichen und psychischen Faktoren können die sexuelle Funktion beeinflussen.
Hinzu kommen äußere Einflüsse, Lebensgewohnheiten und verschiedene Ursachen, die sich schleichend entwickeln. Viele Vorstellungen über die männliche Sexualität vereinfachen diese Zusammenhänge, obwohl sie in Wirklichkeit komplexer sind.
Rauchen als Potenzkiller
Rauchen zählt zu den größten Feinden der männlichen Sexualfunktion. Eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse mehrerer Beobachtungsstudien zeigt, dass aktive Raucher ein um rund 51 % erhöhtes Risiko für Erektionsstörungen aufweisen im Vergleich zu Nichtrauchern. Selbst ehemalige Raucher hatten noch ein um 29 % erhöhtes Risiko. [1]
Wie Rauchen die Blutgefäße und Erektionsfähigkeit beeinflusst
Tabakrauch beeinträchtigt die Gefäßgesundheit über mehrere Mechanismen. Dazu gehören oxidativer Stress, eine gestörte Endothelfunktion und eine verminderte Verfügbarkeit von Stickstoffmonoxid (NO), das für die Erweiterung der Blutgefäße und damit für eine Erektion wichtig ist. Nikotin kann zusätzlich eine vorübergehende Gefäßverengung fördern.
Häufige Auswirkungen in diesem Zusammenhang sind:
- verminderte Durchblutung der Schwellkörper
- eingeschränkte Sauerstoffversorgung des Gewebes
- zunehmende Gefäßsteifigkeit und Gefäßschädigung
- erhöhtes Risiko für Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose)
- ungünstige Wechselwirkungen mit bestehenden Krankheiten
Je stärker die Gefäßfunktion eingeschränkt ist, desto schwieriger wird es, eine stabile Erektion aufzubauen und aufrechtzuerhalten.
Zusammenhang zwischen Rauchen und erektiler Dysfunktion
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen einen Zusammenhang zwischen Tabakkonsum und einer Erektionsstörung. Je länger und intensiver geraucht wird, desto höher fällt das Risiko aus.
Eine Metaanalyse mit mehr als 50.000 Männern zeigte einen dosisabhängigen Zusammenhang: Mit jeweils 10 zusätzlichen Zigaretten pro Tag stieg das Risiko für Erektionsstörungen um etwa 14 %, mit jeweils 10 zusätzlichen Raucherjahren um etwa 15 %. [3]
Innerhalb eines Jahres nach dem Rauchstopp berichteten 25 % der ehemaligen Raucher von einer deutlichen Verbesserung ihrer Erektionsfähigkeit, während sich bei keinem der weiterhin rauchenden Vergleichsteilnehmer eine Besserung zeigte. Eine randomisierte Studie fand bereits nach sechs Monaten eine Verbesserung bei 53,8 % der Personen, die das Rauchen aufgegeben hatten, gegenüber 28,1 % bei jenen, die weiterrauchten. [2]
Alkohol – Potenzkiller: Warum weniger oft mehr ist

Alkohol kann die sexuelle Funktion beeinflussen. Akute und langfristige Effekte müssen dabei unterschieden werden, und der Zusammenhang zwischen konsumierter Menge und Erektionsfähigkeit ist komplex.
Kurzfristige Wirkung: Enthemmung vs. tatsächliche Erektionsfähigkeit
Akuter Alkoholkonsum kann die sexuelle Reaktion beeinträchtigen, insbesondere bei größeren Mengen: Koordination, Nervenfunktion und die Fähigkeit, eine Erektion aufrechtzuerhalten, können vorübergehend nachlassen.
Für den langfristigen Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und erektiler Dysfunktion ist die Datenlage komplexer. Eine Metaanalyse von 24 Beobachtungsstudien mit mehr als 150.000 Teilnehmern zeigte keinen einfachen linearen Zusammenhang zwischen konsumierter Alkoholmenge und ED-Risiko. Deshalb lässt sich keine feste Alkoholmenge angeben, ab der Potenzprobleme zwangsläufig auftreten. [4]
Langfristige Folgen von regelmäßigem Alkoholkonsum auf Libido
Langfristig kann insbesondere ein hoher oder chronischer Alkoholkonsum die sexuelle Gesundheit (Erektion, Libido, Lust) über mehrere Wege beeinträchtigen, etwa durch Lebererkrankungen, neurologische Veränderungen, psychische Belastungen und hormonelle Störungen. Ein pauschaler Zusammenhang zwischen jeder Form von regelmäßigem Alkoholkonsum und einem niedrigen Testosteronspiegel lässt sich jedoch nicht ableiten.
Bei Symptomen eines möglichen Testosteronmangels – etwa deutlich verminderter Libido, ausgeprägter Müdigkeit oder weiteren typischen Beschwerden – kann eine ärztliche Abklärung sinnvoll sein.
Die schlimmsten Potenzkiller: Übergewicht und ungesunde Ernährung
Der Zusammenhang zwischen Übergewicht und Erektionsstörung lässt sich durch mehrere Faktoren erklären: Ein hohes Körpergewicht kann mit Gefäßfunktionsstörungen, Insulinresistenz, chronischen Entzündungsprozessen und hormonellen Veränderungen einhergehen, die wiederum die Erektionsfähigkeit beeinträchtigen können.
Eine Metaanalyse mit mehr als 42.000 Männern zeigte einen deutlichen Zusammenhang zwischen Körpergewicht und erektiler Dysfunktion. Im Vergleich zu normalgewichtigen Männern war die Wahrscheinlichkeit für ED bei Übergewicht um etwa 31 % und bei Adipositas um etwa 60 % höher. Randomisierte Studien zeigen zudem, dass eine Gewichtsabnahme bei Männern mit Übergewicht oder Adipositas die erektile Funktion verbessern kann. [5]
Mögliche Zusammenhänge bestehen unter anderem über Gefäßgesundheit, Insulinresistenz, Entzündungsprozesse und hormonelle Veränderungen. Umgekehrt zeigen randomisierte Studien, dass eine Gewichtsreduktion bei Männern mit Übergewicht oder Adipositas die erektile Funktion verbessern kann
Wie Übergewicht Testosteronspiegel und Durchblutung beeinflusst
Übergewicht kann den Hormonhaushalt auf mehreren Wegen beeinflussen und mit einer verminderten Produktion von Testosteron einhergehen, insbesondere bei Adipositas. Dabei spielen mehrere Mechanismen eine Rolle. Unter anderem kann eine erhöhte Aromataseaktivität im Fettgewebe den Hormonstoffwechsel beeinflussen; hinzu kommen metabolische und regulatorische Veränderungen der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse.
Übergewicht und insbesondere Adipositas können über Gefäß- und Stoffwechselveränderungen die Durchblutung beeinträchtigen, wodurch die Versorgung der Schwellkörper mit sauerstoffreichem Blut erschwert werden kann.
Wie Ernährung die Gefäßgesundheit beeinflusst
Für die Gefäßgesundheit ist weniger der Fettgehalt einzelner Mahlzeiten als das langfristige Ernährungsmuster entscheidend. Eine Ernährung mit viel Gemüse, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen, Fisch und überwiegend ungesättigten Fetten unterstützt die kardiometabolische Gesundheit, die wiederum eng mit der Erektionsfähigkeit verbunden ist.
Bewegungsmangel – und zu intensiver Sport
Regelmäßige Bewegung unterstützt Herz, Gefäße und Stoffwechsel. Fehlt sie über längere Zeit oder wird der Körper durch exzessives Training überlastet, kann sich das auf die sexuelle Gesundheit auswirken. Beide Extreme gelten als mögliche Potenzkiller und rufen Erektionsstörungen bei jungen Männern genauso wie bei älteren hervor.
Warum Bewegungsmangel die Erektionsfähigkeit beeinträchtigen kann
Regelmäßige körperliche Aktivität unterstützt die Gefäßfunktion, den Stoffwechsel und das Körpergewicht – Faktoren, die für eine normale Erektionsfähigkeit wichtig sind. Bewegungsmangel erhöht dagegen das Risiko für Adipositas, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die wiederum eng mit erektiler Dysfunktion verbunden sind. Auch der Hormonhaushalt kann durch körperliche Inaktivität und damit verbundene Stoffwechselveränderungen beeinflusst werden.
Positive Effekte regelmäßiger Bewegung sind:
- Förderung der Durchblutung
- Unterstützung eines gesunden Stoffwechsels und hormoneller Regulation
- Verbesserung der Herz-Kreislauf-Funktion
- Stabilisierung des Körpergewichts
- Unterstützung einer normalen Erektion
Wichtig: Regelmäßige Aktivität kann helfen, den Körper in Balance zu halten.
Wenn Extremsport dem Körper mehr schadet als nützt
Intensives Training ohne ausreichende Regeneration kann jedoch den Organismus stark belasten. Übertraining und eine dauerhaft zu hohe Trainingsbelastung bei unzureichender Regeneration können zu Überlastungszuständen führen und sich unter Umständen auch auf die sexuelle Funktion auswirken. Somit können diese Lebensgewohnheiten bei manchen Männern mit einer verminderten Libido einhergehen.
In einer Querschnittsstudie mit 1.077 Männern waren kürzere Trainingsdauer und geringere Trainingsintensität mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für eine normale oder hohe Libido verbunden als sehr lange bzw. intensive Ausdauerbelastungen. Da die Studie nur einen Zusammenhang untersuchte, lässt sich daraus nicht ableiten, dass intensives Training direkt eine verminderte Libido verursacht. [6]
Stress als unterschätzter Potenzkiller

Anhaltender Stress beeinflusst mehrere Körperfunktionen. Konzentration, Schlaf und hormonelle Abläufe geraten aus dem Gleichgewicht. Diese Veränderungen können sich auch auf die sexuelle Funktion auswirken.
Wie Stress die Erektionsfähigkeit beeinflussen kann
Chronischer Stress kann verschiedene neuroendokrine Prozesse beeinflussen, darunter die Regulation von Cortisol und Prolaktin. Veränderungen dieser Prozesse können mit sexuellen Funktionsstörungen zusammenhängen. Studien zeigen beispielsweise einen Zusammenhang zwischen psychosozialem Stress, erhöhten Prolaktinwerten und erektiler Funktion. Auf diese Weise fällt es schwerer, eine stabile sexuelle Reaktion aufzubauen. [7]
Der Teufelskreis aus Leistungsdruck und Versagensangst
Stress, Versagensangst und depressive oder ängstliche Symptome können die sexuelle Erregung beeinträchtigen und die Aktivität des sympathischen Nervensystems erhöhen. Dadurch kann es schwieriger werden, eine Erektion zu erreichen oder aufrechtzuerhalten.
Häufig entsteht ein Kreislauf: Eine einzelne negative Erfahrung erhöht den Leistungsdruck bei der nächsten sexuellen Situation und kann die Beschwerden dadurch verstärken. Leistungsdruck im Bett kann dazu führen, dass Männer ihre eigene Erektionsfähigkeit besonders aufmerksam beobachten, wodurch Nervosität und Versagensangst zusätzlich verstärkt werden können. Anhaltender Stress kann nicht nur die Erektionsfähigkeit beeinträchtigen, sondern auch die Lust auf Sex verringern und damit die sexuelle Reaktion zusätzlich erschweren.
Schlafmangel und gestörter Hormonhaushalt
Erholsamer Schlaf ist eine wichtige Voraussetzung für viele Regenerationsprozesse im Körper. Während der Nacht werden Hormone ausgeschüttet, Gewebe regeneriert und Energiereserven aufgefüllt.
Schlafmangel kann zu Müdigkeit und körperlicher Erschöpfung führen und dadurch das sexuelle Verlangen und die sexuelle Leistungsfähigkeit vermindern.
Schlafstörungen sind mit sexuellen Funktionsproblemen assoziiert. Beobachtungsstudien zeigen beispielsweise eine höhere Häufigkeit von Erektionsstörungen bei Männern mit Insomnie oder obstruktiver Schlafapnoe. Dabei können verschiedene Faktoren zusammenspielen, darunter Müdigkeit, psychische Belastung, Stoffwechsel- und Gefäßveränderungen sowie in bestimmten Situationen hormonelle Veränderungen.
Medikamente, die die Potenz beeinträchtigen können
Bestimmte Arzneimittel können als Nebenwirkung die sexuelle Funktion beeinflussen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Einnahme eigenständig beendet werden sollte. Wenn man Veränderungen bemerkt, sollte man mögliche Zusammenhänge ärztlich abklären und gegebenenfalls nach alternativen Mitteln fragen.
Blutdrucksenker und Betablocker
Blutdrucksenker und Betablocker gehören zu den Medikamenten, bei denen sexuelle Nebenwirkungen beschrieben wurden. Je nach Wirkstoff können diese unterschiedliche Mechanismen beeinflussen, die auch an der Erektionsfunktion beteiligt sind.
Sexuelle Nebenwirkungen können unter einigen blutdrucksenkenden Medikamenten auftreten, unterscheiden sich jedoch je nach Wirkstoff. Auch innerhalb der Betablocker gibt es Unterschiede. Für Nebivolol zeigen Vergleichsstudien ein günstigeres Profil hinsichtlich der erektilen Funktion als beispielsweise für Metoprolol, möglicherweise aufgrund seiner Stickstoffmonoxid-vermittelten gefäßerweiternden Wirkung. Eine bestehende Blutdrucktherapie sollte wegen Erektionsproblemen jedoch niemals eigenständig verändert oder abgesetzt werden. [8, 9]
Gleichzeitig bleibt die Behandlung von Bluthochdruck wichtig, da unbehandelte Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Potenz ebenfalls beeinträchtigen können. Eine Anpassung der Therapie sollte ausschließlich in ärztlicher Absprache erfolgen.
Cholesterinsenker (Statine)
Statine gelten nicht generell als „Potenzkiller“. Statine senken erhöhte Cholesterinwerte und tragen zum Schutz der Blutgefäße bei. Anders als oft angenommen, zeigte eine Meta-Analyse randomisierter Studien tendenziell eine leichte Verbesserung der Erektionsfunktion unter einer Statintherapie. Als möglicher Mechanismus wird unter anderem eine Verbesserung der Gefäßfunktion diskutiert.
Insgesamt sprechen die verfügbaren Daten daher nicht dafür, Statine pauschal als Ursache von Erektionsstörungen einzustufen. Treten sexuelle Beschwerden zeitlich im Zusammenhang mit einer Behandlung auf, sollte dies individuell ärztlich abgeklärt werden. [10]
Antidepressiva und andere Psychopharmaka
Antidepressiva, insbesondere SSRI, können verschiedene sexuelle Funktionsstörungen verursachen: Neben vermindertem sexuellem Verlangen können Schwierigkeiten auftreten, einen Orgasmus zu erreichen.
Eine aktuelle Metaanalyse zeigte, dass Orgasmusstörungen unter SSRI häufiger auftraten als unter Placebo (33,5 % vs. 10,1 %). Diese Zahlen beziehen sich auf Orgasmusstörungen und nicht speziell auf erektile Dysfunktion. Auch vermindertes sexuelles Verlangen und andere sexuelle Funktionsstörungen können auftreten. [11]
Grunderkrankungen als Potenzkiller
Hinter nachlassender Potenz steckt nicht immer der Lebensstil. Verschiedene chronische Erkrankungen beeinträchtigen Blutgefäße, Nerven oder den Hormonhaushalt und können so die sexuelle Funktion einschränken. In manchen Fällen treten Potenzprobleme sogar früher auf als andere Beschwerden.
Diabetes mellitus und Gefäßschäden
Erektile Dysfunktion ist bei Diabetes besonders häufig. Eine Metaanalyse von 145 Studien kam zu dem Ergebnis, dass mehr als die Hälfte der Männer mit Diabetes betroffen ist; im Vergleich zu Männern ohne Diabetes war die Wahrscheinlichkeit einer erektilen Dysfunktion etwa 3,6-mal höher. Chronisch erhöhte Blutzuckerwerte können sowohl kleine Blutgefäße als auch Nerven schädigen und damit mehrere für die Erektion wichtige Mechanismen beeinträchtigen. [12] Zusätzlich können Veränderungen des Testosteronspiegels die sexuelle Funktion negativ beeinflussen.
Eine ausgewogene Ernährung mit frischen Lebensmitteln statt Fast Food unterstützt gemeinsam mit einer guten Blutzuckereinstellung die allgemeine Gesundheit.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck
Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck beeinträchtigen die Funktion der Blutgefäße. Da eine ausreichende Durchblutung Voraussetzung für eine Erektion ist, können diese Erkrankungen die sexuelle Leistungsfähigkeit einschränken.
Erektionsprobleme als mögliches Frühwarnzeichen
Probleme mit der Erektion können in manchen Fällen auf eine beeinträchtigte Gefäßgesundheit hinweisen, insbesondere wenn sie neu auftreten, regelmäßig vorkommen oder über längere Zeit bestehen.
Eine mögliche Erklärung ist die sogenannte Artery-Size-Hypothese: Da die Penisarterien einen kleineren Durchmesser als beispielsweise die Koronararterien haben, können sich Folgen einer endothelialen Dysfunktion oder Arteriosklerose dort unter Umständen früher bemerkbar machen.
Aktuelle urologische Leitlinien empfehlen deshalb, bei Männern mit neu aufgetretener oder anhaltender ED auch kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Blutdruck, Blutzucker, Blutfette, Rauchen und Körpergewicht zu berücksichtigen. [13]
Psychische Faktoren und Beziehungsprobleme

Die sexuelle Gesundheit eines Mannes wird auch von emotionalen und zwischenmenschlichen Einflüssen geprägt. Innere Anspannung, Beziehungskonflikte oder unrealistische Erwartungen können die natürliche Erregung und erektile Funktion stören. Solche Belastungen können unbemerkt bleiben und sich dennoch auf die sexuelle Funktion auswirken.
Exzessiver Pornokonsum und unrealistische Erwartungen
Ob und wie stark Pornokonsum die Erektionsfähigkeit tatsächlich beeinträchtigt, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Die häufig diskutierte Annahme, dass intensiver Pornografiekonsum über neurobiologische Veränderungen ("Dopamin-Desensibilisierung") zu einer Abhängigkeit und in der Folge zu Erektionsproblemen führt, ist wissenschaftlich nicht ausreichend belegt. Studien haben bislang keinen eindeutigen kausalen Zusammenhang zwischen Pornografiekonsum und erektiler Dysfunktion gezeigt.
Ein aktueller Fachartikel weist darauf hin, dass psychische Faktoren wie Versagensangst und Leistungsdruck bei Erektionsproblemen eine wichtige Rolle spielen können und dass ‚Reboot‘- oder NoFap-Ansätze zur Behandlung einer vermeintlichen Pornografieabhängigkeit wissenschaftlich nicht ausreichend belegt sind. Insbesondere Jugendliche und junge Männer können durch unrealistische Darstellungen von Sexualität falsche Vorstellungen über Erektion, Ausdauer und sexuelle Leistungsfähigkeit entwickeln; daraus entstehender Leistungsdruck kann das sexuelle Erleben beeinträchtigen.
Wer bei sich selbst einen belastenden Zusammenhang zwischen Pornokonsum und sexueller Funktion vermutet, sollte das am besten mit einem Arzt oder einer Sexualtherapeutin/einem Sexualtherapeuten besprechen, statt sich auf unbelegte Selbstdiagnosen zu verlassen. [14, 15]
Kommunikationsprobleme und emotionale Distanz in der Partnerschaft
Offene Kommunikation über sexuelle Wünsche, Unsicherheiten und Erwartungen kann sowohl Männern als auch Frauen helfen, Missverständnisse und unnötigen Leistungsdruck in der Partnerschaft zu reduzieren. Beziehungskonflikte, Unsicherheit und mangelnde Kommunikation können psychischen Druck erhöhen und dadurch bei manchen Männern Erektionsprobleme verstärken.
Neue Partnerin und Leistungsdruck
Eine neue Beziehung kann mit Aufregung, Unsicherheit und/oder erhöhten Erwartungen verbunden sein. Leistungsdruck und Unsicherheit können den natürlichen Ablauf sexueller Reaktionen beeinflussen. Weder der Testosteronspiegel noch Lebensmittel allein bestimmen die sexuelle Leistungsfähigkeit – auch die mentale Verfassung spielt dabei eine wichtige Rolle.
Was kann man gegen vermeidbare Potenzkiller tun?
Einige Risikofaktoren für erektile Dysfunktion lassen sich beeinflussen. Dazu gehören insbesondere Rauchen, Bewegungsmangel, Übergewicht sowie schlecht eingestellter Bluthochdruck oder Diabetes. Studien zeigen, dass ein Rauchstopp, regelmäßige körperliche Aktivität und bei Übergewicht eine Gewichtsreduktion die erektile Funktion verbessern können.
Nicht jeder Auslöser lässt sich jedoch durch Lebensstiländerungen beheben. Bei wiederkehrenden Erektionsproblemen sollte deshalb medizinisch geklärt werden, ob Gefäßerkrankungen, Diabetes, hormonelle Faktoren, Medikamente oder psychische Belastungen beteiligt sind. Je nach Ursache kommen Lebensstilmaßnahmen, psychologische bzw. sexualtherapeutische Unterstützung oder medikamentöse Behandlungen wie PDE-5-Hemmer infrage.
Häufige Fragen zur Impotenz
Nicht alle Menschen reagieren gleich auf Faktoren wie Stress, Alkohol, Schlafmangel oder Medikamente – auch deren Auswirkungen auf die sexuelle Funktion können individuell sehr unterschiedlich ausfallen.
Wann sollte man wegen Erektionsproblemen zum Arzt?
Treten Erektionsprobleme über mehrere Wochen hinweg wiederholt auf, empfiehlt sich eine ärztliche Abklärung. Dahinter können körperliche oder psychische Ursachen stehen, die behandelt werden sollten. Besonders bei Männern mit weiteren Beschwerden oder bestehenden Risikofaktoren ist eine frühzeitige Untersuchung sinnvoll.
Sind pflanzliche Potenzmittel eine sinnvolle Lösung gegen Erektionsprobleme bei Männern?
Pflanzliche Präparate werden häufig als natürliche Unterstützung beworben. Ihre Wirkung ist jedoch wissenschaftlich unterschiedlich gut belegt. Vor der Einnahme sollte geprüft werden, ob mögliche Potenzkiller wie Rauchen, Bewegungsmangel oder chronischer Stress die eigentliche Ursache darstellen.
Nahrungsergänzungsmittel ersetzen keine medizinische Abklärung. Für zugelassene PDE-5-Hemmer wie Sildenafil und Tadalafil liegt eine deutlich umfangreichere Evidenz zur Behandlung der erektilen Dysfunktion vor.
Wie viel Alkohol gilt noch als unbedenklich für die Potenz?
Für die Erektionsfähigkeit lässt sich keine allgemeingültige risikofreie oder schädliche Grenzmenge festlegen. Insbesondere größere Alkoholmengen können die Erektionsfähigkeit akut beeinträchtigen; für langfristigen Konsum zeigen Beobachtungsstudien dagegen einen komplexen, nicht einfach linearen Zusammenhang. Unabhängig davon weist die WHO darauf hin, dass es aus allgemeiner gesundheitlicher Sicht keine vollständig risikofreie Alkoholmenge gibt. [16]
Ab welchem Alter lässt bei Männern die Potenz natürlicherweise nach?
Erektionsprobleme werden ab etwa 50 Jahren deutlich häufiger. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Potenz ab diesem Alter automatisch nachlässt. Vielmehr nehmen mit dem Alter Risikofaktoren wie Gefäßveränderungen, Diabetes, Bluthochdruck oder bestimmte Medikamenteneinnahmen zu. Auch hormonelle Veränderungen können eine Rolle spielen. Anhaltende Erektionsprobleme sind daher keine normale oder unvermeidliche Folge des Älterwerdens und sollten ärztlich abgeklärt werden.
Wir empfehlen Ihnen, Ihren Hausarzt aufzusuchen. Dieser wird Sie an den richtigen Spezialisten überweisen und berät Sie, was tun bei schwachen Erektionen.
Können Erektionsprobleme von selbst wieder verschwinden?
Ja, vorübergehende Erektionsprobleme können sich wieder legen, wenn Auslöser wie Stress, Schlafmangel oder eine belastete Psyche nachlassen. Halten die Beschwerden jedoch über einen längeren Zeitraum an oder treten regelmäßig auf, sollte die Ursache medizinisch abgeklärt werden.
Heutzutage gibt es viele Behandlungsmöglichkeiten bei Erektionsstörungen. Wichtig ist vor allem, rechtzeitig den richtigen Spezialisten zu kontaktieren.
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doi: 10.1038/s41443-018-0022-x[5] Li H, Xu W, Wang T, Wang S, Liu J, Jiang H. Effect of weight loss on erectile function in men with overweight or obesity: A meta-analysis of randomised controlled trials. Andrologia. 2022;54(1):e14250.
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[12] Kouidrat Y, Pizzol D, Cosco T, et al. High prevalence of erectile dysfunction in diabetes: a systematic review and meta-analysis of 145 studies. Diabet Med. 2017;34(9):1185-1192. doi: 10.1111/dme.13403
[13] European Association of Urology. EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health: Summary of Changes 2025. https://uroweb.org/guidelines/sexual-and-reproductive-health/summary-of-changes/2025
[14] Landripet I, Štulhofer A. Is Pornography Use Related to Erectile Functioning? Results From Cross-Sectional and Latent Growth Curve Analyses. J Sex Med. 2019;16(1):151-161. doi: 10.1016/j.jsxm.2018.11.014
[15] Prause N. Disinformation on pornography effects on erectile function led to iatrogenic Reboot/NoFap "treatment." J Sex Med. 2023;20(Suppl 1):qdad060.023. doi: 10.1093/jsxmed/qdad060.023
[16] Weltgesundheitsorganisation. Beim Alkoholkonsum gibt es keine gesundheitlich unbedenkliche Menge. https://www.who.int/europe/de/news/item/28-12-2022-no-level-of-alcohol-consumption-is-safe-for-our-health