Sexualität

Wechselwirkungen von Viagra mit anderen Medikamenten

Viagra kann mit verschiedenen Medikamenten interagieren, darunter bestimmte Herz-Kreislauf-Medikamente und andere Arzneimittel. Erfahren Sie mehr über wichtige Viagra-Wechselwirkungen, mögliche Risiken und welche Kombinationen vermieden oder ärztlich abgeklärt werden sollten.

Henrik Aulbach, Deutscher Medizintexter

Autor Henrik Aulbach

Geprüft von Dr. Dora Matis

Veröffentlicht am:

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Himbeeren mit verschiedenen Schokoladenüberzügen und Toppings liegen auf einem Teller.

Viagra und Nitrate – die gefährlichste Wechselwirkung

Von allen Viagra Wechselwirkungen ist die mit Nitraten die gefährlichste. Nitrate sind gefäßerweiternde Mittel, die im Körper Stickstoffmonoxid (NO) freisetzen und dadurch die Blutgefäße erweitern [1]. Nitrathaltige Medikamente werden unter anderem bei Angina pectoris und in bestimmten akuten kardiovaskulären Situationen eingesetzt, etwa bei einem akuten Herzinfarkt oder einer akuten Linksherzinsuffizienz.

Warum die Kombination lebensbedrohlich sein kann

Zwei Punkte sorgen dafür, dass die Kombination von Viagra und Nitraten lebensbedrohlich sein kann. Zum einen greifen beide Wirkstoffgruppen in denselben Mechanismus ein [1]. Hinzu kommt, dass sich die Ursachen für die Erektionsstörungen und die Nitrateinnahme bei vielen Patienten überschneiden [3].

Zum Mechanismus: Nitrate und Sildenafil setzen an unterschiedlichen Stellen desselben Signalwegs an. Nitrate setzen NO frei, was die Bildung des Botenstoffs cGMP ankurbelt. Dieses cGMP entspannt die glatte Muskulatur der Gefäßwände, sodass sich die Blutgefäße erweitern. Sildenafil setzt am Gegenspieler an. Das Enzym PDE-5 baut cGMP normalerweise wieder ab. Viagra blockiert genau dieses Enzym, sodass cGMP langsamer abgebaut wird und die Gefäße länger erweitert bleiben [2].

Die Wechselwirkung ergibt sich daraus, wie Viagra wirkt in Kombination mit Nitraten. Nitrat sorgt nun dafür, dass cGMP verstärkt produziert wird. PDE-5-Hemmer sorgen dafür, dass sich der Abbau von cGMP verlangsamt. Dadurch potenzieren sich beide Effekte, verstärken sich also gegenseitig. Die Kombination kann zu einem ausgeprägten und potenziell lebensbedrohlichen Blutdruckabfall führen, der Schwindel, Ohnmacht oder einen Kreislaufkollaps verursachen kann [1]. Ein starker Blutdruckabfall kann die Durchblutung lebenswichtiger Organe einschränken und bei gefährdeten Patienten zu schwerwiegenden kardiovaskulären Komplikationen führen..

Hinzu kommt, dass Erektionsstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen dieselben Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und Übergewicht aufweisen [3]. Deshalb ist es wichtig, vor der Einnahme von Viagra alle eingenommenen Medikamente ärztlich oder pharmazeutisch prüfen zu lassen. 

Betroffene Wirkstoffe (z. B. Nitroglycerin, Isosorbiddinitrat, Isosorbidmononitrat, Molsidomin)

Die Kombination von Nitroglycerin und Viagra ist der bekannteste Fall. Darüber hinaus gibt es weitere relevante Substanzen wie Isosorbiddinitrat (ISDN) und Isosorbidmononitrat (ISMN), die hauptsächlich zur Dauertherapie bei Angina pectoris eingesetzt werden. Hinzu kommt Molsidomin, das kein klassisches Nitrat, sondern ein NO-Donator ist [1].

Nitrate und Viagra dürfen in keiner Darreichungsform kombiniert werden, also weder als Spray oder Zerbeißkapsel noch als Tablette oder Pflaster. Auch beim Notfallspray gilt diese Regel ohne Ausnahme [2]. 

Weniger bekannt ist, dass Salben gegen chronische Analfissuren Nitroglycerin enthalten können. Auch diese Salben sind absolut kontraindiziert [1]. Legen Sie Ihrem behandelnden Arzt also unbedingt jegliche Begleitmedikation dar, wenn Sie Viagra online als Behandlung Ihrer Erektionsstörungen in Erwägung ziehen. 

Warum auch Poppers wie Nitrate wirken und tabu sind

Poppers sind flüssige Alkylnitrite, die aus kleinen Fläschchen inhaliert werden und offiziell als Raumduft oder Lederreiniger im Handel sind. Konsumiert werden sie in der Regel beim Sex, weil sie einen kurzen Rausch auslösen und die glatte Muskulatur entspannen. Pharmakologisch sind sie einfach schnell wirkende NO-Donatoren und setzen im Körper dasselbe Stickstoffmonoxid frei wie ein Nitratspray. Daher muss die Kombination von Viagra und Poppers strikt vermieden werden, da sie zu einem starken und potenziell lebensbedrohlichen Blutdruckabfall führen kann [1]. Schwere Kreislaufreaktionen wurden im Zusammenhang mit dieser Kombination beschrieben. Wer Poppers konsumiert, sollte das im Arztgespräch unbedingt offen ansprechen.

Verträgt sich Viagra mit Blutverdünnern?

Blutverdünner werden meist bei Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems verordnet, etwa nach einem Herzinfarkt, bei Vorhofflimmern oder nach einer Thrombose. Da sich Erektionsstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen großteils dieselben Risikofaktoren teilen, ist also die Frage, ob sich Blutverdünner und Viagra überhaupt vertragen, von hoher Bedeutung [3]. Das Wichtigste vorweg: Die Kombination von Blutverdünnern und Viagra ist in der Regel unbedenklich. Trotzdem ist Vorsicht angebracht [1].

Was als „Blutverdünner" gilt 

Blutverdünner reduzieren die Blutgerinnung und verhindern Embolien. Mediziner unterteilen Blutverdünner hauptsächlich in zwei Wirkstoffgruppen.

Die erste Gruppe sind die Gerinnungshemmer bzw. Antikoagulanzien. Sie werden vor allem zur Prävention von Thrombosen und Schlaganfällen eingesetzt. Dazu zählen:

  • Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon (Marcumar, Falithrom) und Warfarin
  • direkte orale Antikoagulanzien (DOAK) wie Apixaban (Eliquis), Rivaroxaban (Xarelto) und Dabigatran.
  • Heparine, die meist als Spritze zur Vorbeugung von Thrombosen verabreicht werden

Thrombozytenaggregationshemmer verhindern, dass Blutplättchen verklumpen. Der bekannteste Stoff dieser Gruppe ist Acetylsalicylsäure (ASS) in niedriger Dosierung. Hinzu kommen Clopidogrel, Ticagrelor und Prasugrel.

Aktueller Kenntnisstand zur gleichzeitigen Einnahme

Eine direkte Wechselwirkung zwischen Sildenafil und vielen Blutverdünnern ist nicht bekannt. Sildenafil hemmt PDE-5 im Schwellkörper des Penis und greift gar nicht in die Gerinnungskaskade ein. Für bestimmte Blutverdünner wurden keine klinisch relevanten Wechselwirkungen mit Sildenafil festgestellt; eine generelle Aussage für alle Blutverdünner lässt sich daraus jedoch nicht ableiten [1].

Ein Sonderfall betrifft Patienten mit pulmonaler arterieller Hypertonie unter Vitamin-K-Antagonisten. Hier beschreibt die Fachinformation häufigeres Nasenbluten, was ärztlich abgeklärt werden sollte [2]. Deutlich wichtiger als die Blutverdünner ist daher die übrige Medikation, denn Herzpatienten erhalten oft zusätzlich Nitrate oder Mittel gegen Bluthochdruck [1]. 

Blutverdünner sollten niemals eigenmächtig abgesetzt werden.

Viagra und Blutdrucksenker im Überblick

Blutdrucksenker sollen den Blutdruck herabsetzen. PDE-5-Hemmer wirken gefäßerweiternd und senken den Blutdruck. Dadurch addieren sich die Effekte von Blutdrucksenkern und Viagra. Viele Patienten fragen sich daher: Vertragen sich Blutdrucksenker und Viagra überhaupt? Die kurze Antwort: Ja. Anders als bei Nitraten besteht keine Lebensgefahr, denn der zusätzliche Blutdruckabfall bleibt meist gering [1]. Dennoch muss der behandelnde Arzt den individuellen Fall sorgfältig abwägen, da es Unterschiede zwischen den Alpha- und Betablockern gibt. 

Alphablocker (Tamsulosin, Doxazosin, Silodosin & Co.) und das Risiko eines Blutdruckabfalls

Alphablocker entspannen die glatte Muskulatur der Gefäßwände. Sie werden zur Blutdrucksenkung und bei einer gutartig vergrößerten Prostata verschrieben, um die Beschwerden beim Wasserlassen zu lindern. Viele Männer nehmen aufgrund dieser Beschwerden Alpha-Blocker ein [3].

Durch die Kombination von Alphablockern mit Viagra kann es zu einem zusätzlichen Blutdruckabfall kommen, insbesondere bei schnellem Aufstehen. Symptome sind Schwindel, Benommenheit und im Extremfall, Ohnmacht [1]

Eine Therapie mit Viagra wird also nicht ausgeschlossen, verlangt aber eine sorgfältige ärztliche Abwägung. Es wird empfohlen, dass Patienten zuerst stabil auf den Alphablocker eingestellt sind, bevor Sildenafil hinzukommt. Zudem sollte eine Therapie mit Sildenafil zunächst in der niedrigsten Dosierung begonnen werden [2]. Eventuell ergibt sich dann im Verlauf eine andere, richtige Viagra-Dosierung

Betablocker (Metoprolol, Bisoprolol, Propranolol) – was Studien zu Nebenwirkungen zeigen

Betablocker wie Metoprolol, Bisoprolol oder Propranolol senken den Blutdruck über einen anderen Mechanismus als Alphablocker. Sie dämpfen die Wirkung von Stresshormonen auf das Herz und verlangsamen den Puls. Eine gefäßerweiternde Komponente fehlt ihnen [3]. Dementsprechend unauffällig ist die Datenlage zur Kombination von Betablockern und Viagra. In Absprache mit dem behandelnden Arzt können daher in der Regel Betablocker im Rahmen einer Therapie mit Viagra verwendet werden [1].

Viagra und Betablocker – worauf bei Nebenwirkungen zu achten ist

Viele Anwender stellen sich die Frage: Kann man Antibiotika und Viagra zusammen nehmen? Sildenafil beeinflusst die Wirkung der meisten Antibiotika nicht; bestimmte Antibiotika können jedoch den Abbau von Sildenafil hemmen und dadurch dessen Konzentration im Blut erhöhen [1].

Betablocker senken den Blutdruck, indem sie den Puls verlangsamen und die Auswurfleistung des Herzens verringern. Sildenafil senkt den Blutdruck über die Erweiterung der Blutgefäße. In Summe kann der Blutdruck also etwas stärker abfallen als bei einem Präparat allein. In klinischen Untersuchungen blieb dieser Blutdruckabfall allerdings so gering, dass er klinisch nicht relevant war [1].

Spürbar kann die Verbindung beider Arzneimittel über die Nebenwirkungen von Viagra werden. Dazu zählen Kopfschmerzen, Schwindel, Benommenheit, Wärmegefühl im Gesicht und Müdigkeit [2]. Alkohol, Hitze oder körperliche Anstrengung können diese Nebenwirkungen verstärken.

Vor der ersten Anwendung von Viagra sollten Sie Ihrem Arzt deshalb Ihre vollständige Medikation offenlegen. Insbesondere wenn neben Betablockern weitere Herzmedikamente eingesetzt werden, können relevante Wechselwirkungen auftreten, die unbedingt ärztlich abgeklärt werden müssen [1]. 

Viagra und Antibiotika sowie Antimykotika

Viele Anwender stellen sich die Frage: Kann man Antibiotika und Viagra zusammen nehmen? Grundsätzlich beeinflusst Viagra die Wirkung von Antibiotika nicht. Allerdings können bestimmte Antibiotika und Antimykotika den Sildenafilspiegel im Blut anheben [1].

Der Grund liegt im Abbau des Wirkstoffs. Sildenafil wird in der Leber über das Enzym CYP3A4 verstoffwechselt. Bestimmte Antibiotika können dieses Enzym blockieren und somit den Abbau von Sildenafil hemmen. Der Wirkstoff bleibt dann länger im Körper und behält eine höhere Konzentration. Dadurch steigt das Risiko für Nebenwirkungen wie Gesichtsrötung, Kopfschmerzen, verstopfte Nase oder Sehstörungen [2]. Zu diesen Antibiotika gehören [1]:

  • Clarithromycin
  • Erythromycin
  • Telithromycin

Für andere Antibiotika wie Amoxicillin, Cephalosporine oder Doxycyclin gilt das nicht. 

Bei den Antimykotika ist der Effekt teilweise noch ausgeprägter. Das gilt insbesondere für Antimykotika wie [1]:

  • Ketoconazol
  • Itraconazol
  • Fluconazol
  • Voriconazol

Sprechen Sie daher die Kombination vor der Einnahme mit Ihrem behandelnden Arzt ab. Zudem lassen sich mögliche Wechselwirkungen im Beipackzettel beider Medikamente nachlesen. 

Viagra und Antidepressiva

 Schachtel mit verschiedenen Schokoladentafeln und Pralinen auf einer hellen Tischfläche.  

Antidepressiva und Viagra werden häufiger gemeinsam eingenommen, als viele vermuten. Depressionen und Erektionsstörungen treten oft zusammen auf [3]. Eine mit Nitraten vergleichbare absolute Kontraindikation besteht bei Antidepressiva nicht. Relevant ist stattdessen, dass manche Antidepressiva den Sildenafilspiegel im Blut verändern können und dass die Antidepressiva selbst das Sexualleben beeinträchtigen können. Bei antidepressiv bedingten sexuellen Funktionsstörungen kann ein PDE-5-Hemmer wie Sildenafil gezielt zur Behandlung einer Erektionsstörung eingesetzt werden.

Warum manche Antidepressiva den Wirkstoffspiegel beeinflussen

Sildenafil wird in der Leber über das Enzym CYP3A4 abgebaut. Einige Antidepressiva hemmen dieses Enzym, sodass der Wirkstoff langsamer abgebaut wird und länger in höherer Konzentration im Körper bleibt [1].

Einzelne Präparate können dieses Enzym stärker hemmen, für andere Antidepressiva wie Sertralin, Citalopram, Escitalopram oder Venlafaxin ist eine klinisch relevante Erhöhung der Sildenafil-Konzentration nicht in gleicher Weise zu erwarten. 

Ein höherer Sildenafilspiegel im Blut erhöht das Risiko für Nebenwirkungen. Die Erektion selbst bleibt unverändert und an sexuelle Erregung gebunden [2]. In der Praxis ist die Kombination von Antidepressiva und Viagra daher kein Ausschlusskriterium. Häufig genügen kleine Therapieanpassungen wie eine geringere Sildenafil-Dosis.

Warum Ärzte Viagra teils gezielt bei sexuellen Nebenwirkungen von Antidepressiva einsetzen

Antidepressiva, insbesondere SSRIs und SNRIs, verursachen bei einem Teil der Anwender sexuelle Funktionsstörungen. Dazu zählen ein vermindertes sexuelles Verlangen, ein verzögerter Orgasmus und Erektionsstörungen [3]. 

Deshalb kann Viagra verordnet werden, um die negativen Auswirkungen von Antidepressiva auf das Sexualleben auszugleichen. In solchen Fällen kann ein Arzt Viagra unterstützend einsetzen, um sexuelle Nebenwirkungen von Antidepressiva auszugleichen [3].

Dabei gilt: Setzen Sie Ihr Antidepressivum niemals eigenmächtig ab und sprechen Sie sexuelle Nebenwirkungen offen im Arztgespräch an. 

Viagra und Schmerzmittel

Die Frage, ob man Viagra und Schmerzmittel zusammen einnehmen kann, beschäftigt viele Patienten. Viele Schmerzmittel wie Kopfschmerztabletten stammen aus der Hausapotheke und werden nicht ärztlich verordnet.

Vorneweg eine Entwarnung: Schmerzmittel und Viagra gelten in Kombination als unproblematisch. Gängige Schmerzmittel greifen nicht in den Abbau von Sildenafil ein und Sildenafil beeinflusst nicht die schmerzstillende Wirkung [1]. 

Ibuprofen und andere NSAR – aktueller Kenntnisstand

Zu den nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) zählen Mittel wie Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen und Etoricoxib. Ihr Wirkmechanismus beeinflusst nicht die Wirkung von Sildenafil. Zudem wird der Abbau von Sildenafil über das Enzym CYP3A4 nicht von den NSAR nennenswert beeinflusst. NSAR haben deshalb keine bekannten Wechselwirkungen mit Viagra [1].

Anders sieht es bei starken Schmerzmitteln aus. Bei Opioiden wie Tramadol, Tilidin oder Oxycodon wird teils angenommen, dass sie die Wirkung von Viagra verstärken können. Belastbar ist die Datenlage dazu nicht. Umgekehrt kann eine längere Opioidtherapie allerdings den Testosteronspiegel senken und somit Erektionsstörungen begünstigen. Hinzu kommt, dass Opioide ähnliche Nebenwirkungen wie Sildenafil haben können, sodass Nebenwirkungen wie Schwindel oder Benommenheit vermehrt auftreten können. Eine Dauertherapie mit Opioiden muss deshalb in jedem Fall ärztlich abgeklärt werden, bevor Viagra eingenommen wird. 

Aspirin/ASS als Schmerzmittel und gleichzeitig als Blutverdünner

Acetylsalicylsäure nimmt eine Sonderstellung ein, weil derselbe Wirkstoff zwei Rollen einnimmt. In hoher Dosierung wird er gegen Schmerzen und Fieber eingesetzt. In niedriger Dosierung dient er dauerhaft als Blutverdünner zur Hemmung der Blutplättchen. Für die Kombination mit Potenzmitteln ist das allerdings nicht weiter interessant, da Acetylsalicylsäure keine Wechselwirkungen mit Viagra aufweist [1]. 

Wann Kopfschmerzen unter Viagra ein Warnsignal sind

Kopfschmerzen sind die häufigste Nebenwirkung von Sildenafil. Sie entstehen durch die Erweiterung der Blutgefäße im Kopfbereich. Oft treten sie innerhalb der ersten Stunden nach der Anwendung auf und klingen von selbst wieder ab [1]. 

Hier liegt allerdings eine potenzielle Falle. Wer seine Kopfschmerzen mit einer Tablette bekämpft, behandelt ein Symptom, ohne die Ursache zu erkennen. Bei gelegentlichen leichten Kopfschmerzen ist die Einnahme eines geeigneten Schmerzmittels nicht grundsätzlich ausgeschlossen; bei ungewöhnlich starken, anhaltenden oder mit weiteren Symptomen verbundenen Kopfschmerzen sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Ihr Arzt gibt Ihnen Hinweise, wann es sich um eine normale Nebenwirkung handeln könnte und wann Sie tätig werden sollten.

Sie sollten sofort ärztliche Hilfe aufsuchen, wenn plötzlich sehr starke Kopfschmerzen auftreten oder die Kopfschmerzen zusammen mit Sehstörungen, Sprachstörungen, Taubheitsgefühl oder Lähmungserscheinungen auftreten. Auch bei zusätzlichen Brustschmerzen, Atemnot oder Ohnmacht ist sofort ein Arzt aufzusuchen [2]. Diese Nebenwirkungen sind ernsthaft und können ohne sofortige ärztliche Unterstützung schwerwiegende Komplikationen nach sich ziehen. 

Weitere Medikamente mit relevanter Wechselwirkung

 Ein Mann, der sich ein ärztliches Rezept ausstellen lässt  

Neben den bereits besprochenen Wirkstoffgruppen gibt es zwei weitere, die bei einer Therapie mit Viagra eine besondere ärztliche Abwägung erfordern. Zum einen zählen dazu bestimmte HIV-Medikamente, die den Sildenafilspiegel im Blut sehr stark anheben können. Zum anderen gehören hierzu andere PDE-5-Hemmer, die zwar dasselbe Ziel verfolgen, in Kombination aber keinen zusätzlichen Nutzen bringen [1]. 

HIV-Medikamente (z. B. Ritonavir, Saquinavir)

HIV-Protease-Hemmer greifen besonders stark in den Abbau von Sildenafil ein, sodass die Wirkstoffkonzentration von Sildenafil im Blut stark erhöht ausfallen kann. In der Praxis bedeutet das, dass der Sildenafilspiegel stark erhöht ist und die Fachinformation bei gleichzeitiger Einnahme höchstens 25 mg Sildenafil innerhalb von 48 Stunden empfiehlt.

Dementsprechend steigt das Risiko für Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen oder Sehstörungen. Daher müssen Medikamente wie Ritonavir oder Saquinavir besonders ärztlich abgewogen werden [1].

In die andere Richtung gilt Entwarnung. Sildenafil beeinflusst nicht, wie HIV-Medikamente wie Ritonavir oder Saquinavir im Körper wirken [2]. 

Andere PDE-5-Hemmer wie Cialis oder Levitra – warum eine Kombination tabu ist

Neben Sildenafil gibt es weitere Wirkstoffe aus derselben Gruppe. Dazu gehören Tadalafil (Cialis), Vardenafil (Levitra) und Avanafil (Spedra). Sie blockieren dasselbe Enzym und wirken über denselben Signalweg. In Kombination können sich daher die Nebenwirkungen der PDE-5-Hemmer verstärken, ohne dass eine bessere Wirkung zu erwarten ist. Daher dürfen keine anderen PDE-5-Hemmer zusammen mit Sildenafil eingenommen werden [3]. Alternativen zu Viagra sind immer als Ersatz zu verstehen, nie als Ergänzung. 

Eine besondere Bedeutung kommt dem Cialis Potenzmittel zu, da es eine viel längere Wirkdauer als die anderen PDE-5-Hemmer hat. 

Viagra und Alkohol sowie Genussmittel

Nicht nur Arzneimittel können mit Sildenafil wechselwirken. Zwei Lebensmittel verdienen besondere Aufmerksamkeit: Alkohol und Grapefruitsaft. Beide können die Wirkung von Viagra verändern [1].

Wie Alkohol die Wirkung von Sildenafil abschwächen und Nebenwirkungen verstärken kann

Viagra und Alkohol schließen sich nicht grundsätzlich aus. Ein Glas Wein oder ein Bier zum Essen ist in Kombination mit Viagra meistens unproblematisch. Zwischen Sildenafil und Alkohol ist keine direkte chemische Wechselwirkung bekannt [1]. Relevant ist allerdings die Alkoholmenge. Größere Mengen Alkohol können die Erektionsfähigkeit beeinträchtigen und dadurch die Wirkung von Sildenafil weniger deutlich erscheinen lassen. Wer zu viel getrunken hat, kann deshalb trotz Tablette möglicherweise keine ausreichende Erektion erreichen. Alkohol ist damit ein häufiger Grund,wenn Viagra nicht die gewünschte Wirkung auf die Erektion erzielt [3].

Hinzu kommt, dass Alkohol den Kreislauf belasten kann. Er erweitert die Blutgefäße, weshalb in Kombination mit Viagra eine stärkere Blutdrucksenkung möglich ist. Dadurch können Nebenwirkungen wie Schwindel und Benommenheit zunehmen [2].

Als Faustregel gilt daher: Moderater Alkoholkonsum ist in der Regel kein Problem. Größere Mengen können die Wirkung von Viagra jedoch einschränken.

Grapefruit – veralteter Warnhinweis oder reales Risiko?

Grapefruit und Grapefruitsaft können das Enzymsystem blockieren, über das Sildenafil abgebaut wird. Dadurch kann der Sildenafilspiegel im Blut steigen. Spürbar wird das vor allem durch verstärkte Nebenwirkungen [1].

Wenn Sie also gerne Grapefruit essen oder Grapefruitsaft trinken, sollten Sie das gesondert bei Ihrem Arzt ansprechen.

Häufig gestellte Fragen 

Zum Abschluss haben wir die Fragen zusammengefasst, die zu Viagra Wechselwirkungen am häufigsten gestellt werden.

Kann man Blutverdünner und Viagra zusammen nehmen?

Ja, die Kombination von Blutverdünnern und Viagra ist in der Regel unbedenklich. Sildenafil greift nicht in die Blutgerinnung ein. Wichtiger als die Blutverdünner sind deshalb die zugrundeliegende Erkrankung und die entsprechende Begleitmedikation. Erhalten Herzpatienten etwa Nitrate, kann es zu lebensgefährlichen Wechselwirkungen mit Sildenafil kommen [1]. Dennoch müssen Sie vor einer Therapie mit Viagra jegliche Medikation offen Ihrem Arzt darlegen, inklusive Blutverdünner.

Verträgt sich Viagra mit Blutdrucksenkern?

In der Regel verträgt sich Viagra mit Blutdrucksenkern. Da allerdings beide Medikamente den Blutdruck senken, können sich die Effekte addieren, sodass ein stärkerer Blutdruckabfall eintritt. Anders als bei Nitraten besteht dabei keine Lebensgefahr, da der zusätzliche Abfall meist gering ist [1]. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Ihr Arzt die Kombination kennt und die Anwendung freigibt. 

Darf man Antibiotika und Viagra gleichzeitig einnehmen?

Meistens ja. Viagra beeinflusst die Wirkung von Antibiotika nicht. Umgekehrt können bestimmte Antibiotika den Abbau von Sildenafil hemmen und dadurch Nebenwirkungen verstärken [1]. Ihr Apotheker oder behandelnder Arzt kann Ihnen dazu genauere Informationen geben.

Kann man Viagra und Blutdruckmedikamente ohne Bedenken kombinieren?

Absprache. Blutdrucksenker und Viagra vertragen sich in der Regel, die Kombination muss aber vom Arzt freigegeben werden. Ausgenommen sind Nitrate, die niemals mit Viagra kombiniert werden dürfen.

Kann man Alkohol mit Viagra einnehmen?

Ein Glas Wein oder Bier ist in der Regel unproblematisch. Größere Mengen können die Wirkung von Viagra jedoch abschwächen und die sexuelle Erregbarkeit beeinflussen [1]. Daher gilt als Faustregel, dass vor der Anwendung von Viagra Alkohol nur in moderaten Mengen konsumiert werden sollte. 

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