Erektile Dysfunktion: Symptome im Überblick
Wenn eine Erektion gelegentlich ausbleibt oder früher nachlässt, bedeutet das noch nicht automatisch eine erektile Dysfunktion. Treten solche Probleme jedoch wiederholt auf, lohnt es sich, genauer hinzusehen. Erektionsstörungen sind dabei keine Seltenheit: In der Kölner Männerstudie waren 19,2 % der untersuchten Männer zwischen 30 und 80 Jahren betroffen. [1]
Die drei Kernsymptome einer erektilen Dysfunktion sind Schwierigkeiten, eine Erektion zu bekommen, sie aufrechtzuerhalten oder eine ausreichende Festigkeit zu erreichen [2]. Hinzu kommen häufig Begleitsymptome wie nachlassende Lust oder Versagensangst.
Die Abkürzung ED stammt vom englischen Begriff „erectile dysfunction“. Die Häufigkeit steigt mit dem Alter deutlich an. In der Kölner Studie reichte sie von 2,3 % in der jüngsten bis 53,4 % in der ältesten Altersgruppe [1]. Die Begleitsymptome betreffen nicht das Glied selbst, treten aber häufig gemeinsam mit einer Erektionsstörung auf.
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Symptom |
Wie es sich äußert |
Mögliche Bedeutung |
|---|---|---|
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Keine Erektion trotz Erregung |
Der Penis wird trotz sexueller Lust nicht oder kaum steif |
Kernsymptom; körperliche und psychische Ursachen möglich |
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Erektion lässt vorzeitig nach |
Das Glied erschlafft, bevor die sexuelle Aktivität beendet ist |
Kernsymptom |
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Unzureichende Festigkeit |
Die Erektion ist vorhanden, reicht aber nicht für eine Penetration |
Kernsymptom; kann mit vermindertem Blutfluss zusammenhängen [3] |
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Seltener Morgenerektionen |
Nächtliche oder morgendliche Erektionen werden seltener oder schwächer |
Kann ein Hinweis auf körperliche Ursachen sein [4] |
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Weniger sexuelle Lust |
Nachlassendes sexuelles Verlangen |
Begleitsymptom; unter anderem Hormone, Stress oder Partnerschaft können eine Rolle spielen |
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Versagensangst und Rückzug |
Sorge vor dem nächsten Versuch, Vermeiden von Intimität |
Begleitsymptom, kann die Beschwerden verstärken |
Ab wann spricht man medizinisch von einer erektilen Dysfunktion?
Dass eine Erektion gelegentlich ausbleibt oder früher nachlässt, ist noch keine erektile Dysfunktion. Entscheidend ist, ob die Schwierigkeiten wiederholt auftreten und das Sexualleben beeinträchtigen.
Die Europäische Gesellschaft für Urologie (EAU) definiert ED als anhaltende Unfähigkeit, eine für eine zufriedenstellende sexuelle Aktivität ausreichende Erektion zu erreichen und aufrechtzuerhalten. [5] Das psychiatrische Klassifikationssystem DSM-5 verwendet strengere diagnostische Kriterien: Die Beschwerden müssen dort in der Regel seit etwa sechs Monaten bestehen, bei den meisten sexuellen Aktivitäten auftreten und für die betroffene Person belastend sein.[2]
Diese Zeitangabe bedeutet jedoch nicht, dass Sie sechs Monate warten sollten, bevor Sie ärztlichen Rat suchen. Wenn sich Ihre Erektionsfähigkeit deutlich verändert, die Beschwerden wiederholt auftreten oder Sie belasten, können Sie sie jederzeit ärztlich ansprechen.
Primäre und sekundäre Erektionsstörung
Bei einer primären (lebenslangen) Erektionsstörung bestehen die Probleme seit Beginn der sexuellen Aktivität. Eine sekundäre (erworbene) Erektionsstörung entwickelt sich erst im Laufe des Lebens, nachdem die Erektionsfähigkeit zuvor unauffällig war [2]. Die meisten Patienten, die ärztliche Hilfe suchen, berichten von einer erworbenen Form.
Für die Ursachenklärung ist außerdem wichtig, seit wann und in welchen Situationen die Beschwerden auftreten. Manche Männer haben seit Beginn ihres Sexuallebens Schwierigkeiten, andere erst später. Bei manchen treten die Probleme nur in bestimmten Situationen auf, bei anderen unabhängig von der Situation oder dem/der Partner:in.
Situativ oder generalisiert
Treten die Symptome nur in bestimmten Situationen oder mit bestimmten Partnern auf, spricht man von einer situativen Form. Bei einer generalisierten Form bestehen sie unabhängig von der Situation [2]. Diese Unterscheidung liefert dem Arzt wichtige Hinweise auf mögliche Ursachen.
Die typischen Symptome einer erektilen Dysfunktion
Eine Erektion entsteht, wenn Nerven Erregungssignale übertragen, Blut in die Schwellkörper des Penis strömt und Hormone wie Testosteron diesen Vorgang unterstützen. Ist eines dieser Systeme gestört, können typische Symptome auftreten [3].
Frühwarnzeichen einer erektilen Dysfunktion
Eine erworbene Erektionsstörung entwickelt sich oft schleichend. Frühe Anzeichen sind häufig unauffälliger als ein vollständiges Ausbleiben der Erektion:
- Die Erektion ist weniger fest als früher [2].
- Sie lässt gelegentlich vor dem Ende der sexuellen Aktivität nach [2].
- Nächtliche und morgendliche Erektionen werden seltener [4].
Einzelne Episoden sind kein Grund zur Sorge. Häufen sich diese Veränderungen über Wochen, lohnt es sich, sie zu beobachten und bei einem Arzt anzusprechen.
Keine Erektion trotz sexueller Erregung
Das bekannteste Symptom ist die Schwierigkeit, trotz sexueller Lust überhaupt eine Erektion zu bekommen [2]. Das kann beim Vorspiel, beim Geschlechtsverkehr oder bei der Selbstbefriedigung auftreten. Entscheidend ist, ob die Probleme wiederholt und über längere Zeit bestehen.
Die Erektion lässt vorzeitig nach
Manche Männer bekommen zunächst eine ausreichende Erektion, die jedoch vor dem Ende der sexuellen Aktivität nachlässt [2].
Das kann verunsichern, besonders wenn die Erektion zunächst problemlos entsteht und dann unerwartet nachlässt. Ein einzelnes Erlebnis sagt jedoch wenig aus. Relevant wird die Veränderung vor allem, wenn sie sich wiederholt.
Unzureichende Festigkeit
In anderen Fällen entsteht zwar eine Erektion, sie ist aber nicht fest genug für eine Penetration. Die verminderte Festigkeit gehört zu den drei Kernsymptomen [2]. Sie kann unter anderem mit einem eingeschränkten Blutfluss in das Schwellkörpergewebe zusammenhängen [3].
Weniger nächtliche und morgendliche Erektionen
Im Schlaf und beim Aufwachen kommt es normalerweise zu unwillkürlichen Erektionen. Sind diese weiterhin vorhanden, spricht das eher für eine psychische Komponente der Beschwerden, beweist sie aber nicht [4]. Werden Morgenerektionen deutlich seltener, kann das auf körperliche Ursachen hindeuten. Diese Beobachtung ist für das ärztliche Gespräch hilfreich.
Begleitsymptome: Lust, Versagensangst und Rückzug
Neben den Kernsymptomen berichten viele Betroffene von nachlassender Lust, Versagensangst oder Rückzug aus der Intimität. Diese Begleitsymptome betreffen das Erleben von Sexualität insgesamt und können die Erektionsprobleme zusätzlich verstärken.
Weniger sexuelle Lust
Eine verminderte Libido ist kein Kernsymptom der ED, tritt aber häufig gemeinsam mit ihr auf. Nachlassende Lust kann unter anderem mit Veränderungen bei den Hormonen zusammenhängen. Sie ist daher ein Grund, auch den Hormonstatus ärztlich prüfen zu lassen [6].
Versagensangst und psychische Belastung
Nach einer negativen Erfahrung entsteht bei manchen Männern die Sorge, dass es beim nächsten Mal wieder nicht klappt. Diese Anspannung kann die Erektion zusätzlich erschweren und einen Kreislauf in Gang setzen. In einer Metaanalyse war ED mit einem erhöhten Auftreten depressiver Symptome verbunden [7]. Psychische Gesundheit und Erektionsfähigkeit können sich also gegenseitig beeinflussen.
Rückzug aus der Intimität
Manche Betroffene vermeiden sexuelle Situationen, um einer erneuten Enttäuschung zu entgehen. Ein solcher Rückzug kann die Partnerschaft zusätzlich belasten. Vielen Menschen fällt es schwer, über Erektionsprobleme zu sprechen. Wenn eine Partnerschaft besteht, kann ein offenes Gespräch helfen, Missverständnisse und zusätzlichen Leistungsdruck zu vermeiden.
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Merkmale wie der Beginn der Beschwerden, ihre Abhängigkeit von bestimmten Situationen und das Vorhandensein von Morgenerektionen können Hinweise auf körperliche oder psychische Ursachen geben [4]. Häufig liegen jedoch mehrere Ursachen von Erektionsstörungen gleichzeitig vor [5].
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Merkmal |
Eher körperlich (organisch) |
Eher psychisch |
|---|---|---|
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Beginn |
Schleichend, über Monate zunehmend |
Oft plötzlich, eventuell nach belastenden Lebensereignissen |
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Situationen |
Unabhängig von Situation oder Partner |
Überwiegend in bestimmten Situationen |
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Morgen- und Nachterektionen |
Seltener oder schwächer |
Meist erhalten |
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Begleiterkrankungen |
Häufig vorhanden, z. B. Diabetes oder Bluthochdruck |
Nicht zwingend vorhanden |
Diese Tabelle dient nur zur Orientierung. Laut den aktuellen EAU-Leitlinien sprechen Fachleute deshalb von „primär organischer“ oder „primär psychogener“ ED [5]. Eine sichere Zuordnung ist nur durch eine ärztliche Untersuchung möglich.
Mögliche körperliche Hintergründe
Zu den bekannten Risikofaktoren gehören unter anderem folgende Erkrankungen und Einflüsse [1] [3] [8]:
- Gefäßbedingte Faktoren: Durchblutungsstörungen, erhöhter Blutdruck und erhöhte Cholesterin-Werte
- Stoffwechsel und Hormone: Diabetes mellitus und hormonelle Veränderungen
- Lebensstilfaktoren: Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel
- Nerven und Verletzungen: Schädigungen der Nerven, zum Beispiel durch Operationen oder Verletzungen im Beckenbereich
- Medikamente: Bestimmte Arzneimittel, bei denen Erektionsprobleme als Nebenwirkungen auftreten können
- Schlafapnoe: Eine systematische Übersichtsarbeit fand einen Zusammenhang zwischen obstruktiver Schlafapnoe und ED
Auch junge Männer können betroffen sein
ED wird oft als Problem älterer Männer gesehen. In einer italienischen Klinikstudie war jedoch etwa jeder vierte Mann, der erstmals wegen einer neu aufgetretenen ED ärztliche Hilfe suchte, jünger als 40 Jahre. Fast die Hälfte dieser jüngeren Patienten hatte eine schwere Ausprägung [9]. Auch bei jüngeren Männern sollten wiederkehrende Beschwerden nicht automatisch als rein psychisch abgetan werden.
Erektile Dysfunktion als Frühwarnzeichen für Herz und Gefäße
Eine erektile Dysfunktion kann ein Frühwarnzeichen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein. Studien zufolge kann sie im Durchschnitt zwei bis fünf Jahre vor einem Herz-Kreislauf-Ereignis auftreten und auf eine noch unbemerkte Gefäßerkrankung hinweisen [10].
Eine mögliche Erklärung ist, dass die Arterien im Penis kleiner sind als die Herzkranzgefäße. Gefäßveränderungen können sich dort daher früher bemerkbar machen. Besonders relevant ist dieser Zusammenhang bei Männern zwischen 30 und 60 Jahren sowie bei Diabetikern [10].
Das bedeutet nicht, dass hinter jeder Erektionsstörung eine Herzerkrankung steckt. Wiederkehrende oder neu aufgetretene Beschwerden sind jedoch ein guter Anlass, neben der sexuellen Gesundheit auch Faktoren wie Blutdruck, Blutzucker und Blutfette ärztlich beurteilen zu lassen.
ED kann außerdem ein Hinweis auf hormonelle Störungen oder einen gestörten Blutzuckerstoffwechsel sein [6]. Auch mit weiteren chronischen Krankheiten ist sie häufig verbunden [3]. Eine ärztliche Abklärung dient deshalb nicht nur der Sexualität. Sie kann auch dazu beitragen, Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder erhöhtes Cholesterin frühzeitig zu erkennen.
Wann sollten Sie ärztlichen Rat einholen?
Der ärztliche Rat bei Erektionsproblemen ist sinnvoll, wenn diese wiederholt über mehrere Wochen auftreten, plötzlich beginnen oder mit Schmerzen einhergehen. Eine Erektion, die länger als vier Stunden anhält, ist ein Notfall [12].
Ein Arztbesuch empfiehlt sich insbesondere in diesen Situationen:
- Die Erektionsprobleme bestehen über mehrere Wochen und belasten Sie oder Ihre Partnerschaft.
- Die Symptome treten plötzlich und ohne erkennbaren Anlass auf.
- Sie bemerken Schmerzen oder eine neu aufgetretene Verkrümmung des Penis. Nach den EAU-Leitlinien sollte bei ED auch an eine Induratio penis plastica (Peyronie-Krankheit) gedacht werden [5].
- Die Beschwerden treten nach einer Operation, Bestrahlung oder Verletzung im Beckenbereich auf.
- Bei Ihnen bestehen Risikofaktoren wie Diabetes, Bluthochdruck, erhöhte Cholesterin-Werte oder Rauchen.
- Die Probleme begannen, nachdem Sie ein neues Medikament eingenommen haben. Setzen Sie verordnete Medikamente jedoch nicht eigenständig ab.
Notfall: Eine Erektion, die länger als vier Stunden anhält, gilt als urologischer Notfall (Priapismus). Suchen Sie in diesem Fall umgehend ärztliche Hilfe auf [12].
Im ärztlichen Gespräch werden typischerweise folgende Punkte erfragt [4]:
- wann die Beschwerden begonnen haben und wie stark sie sind
- ob das Erreichen oder das Halten der Erektion betroffen ist
- ob die Probleme nur in bestimmten Situationen auftreten
- ob nächtliche oder morgendliche Erektionen vorhanden sind
Es hilft, sich vorab ein paar Notizen zu machen.
Diagnose und Behandlungsoptionen
Die Diagnose beruht auf einem ärztlichen Gespräch, einer körperlichen Untersuchung und bei Bedarf Blut- und Hormontests [4]. Die passende Behandlung richtet sich nach Ursache, Begleiterkrankungen und persönlichen Wünschen [5].
Bei den Blutuntersuchungen können je nach Situation zum Beispiel Blutzucker, Blutfette oder Testosteron bestimmt werden [4] [6].
Die EAU-Leitlinien empfehlen, Begleiterkrankungen und Lebensstilfaktoren gezielt anzugehen und die Behandlungsoptionen individuell zu wählen [5]. Dazu gehören zum Beispiel Rauchstopp, mehr Bewegung, Gewichtsreduktion und eine gute Blutzuckereinstellung. Solche Veränderungen können zu einer Verbesserung der Erektionsfähigkeit und der allgemeinen Gesundheit beitragen. Steht eine psychische Komponente im Vordergrund, kann eine psychotherapeutische oder sexualtherapeutische Unterstützung sinnvoll sein, allein oder ergänzend zu anderen Therapien [4].
Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt von den individuellen Risikofaktoren ab.
Häufig eingesetzt werden auch Medikamente aus der Gruppe der PDE-5-Hemmer, etwa Sildenafil, bekannt als Viagra, oder Tadalafil, bekannt als Cialis. Diese Wirkstoffe sind in Deutschland verschreibungspflichtig. Sie eignen sich nicht für jeden, zum Beispiel wegen möglicher Wechselwirkungen oder Vorerkrankungen. Ob ein solches Medikament für Sie infrage kommt und in welcher Dosierung, entscheidet ein Arzt nach individueller Prüfung.
Schweregrad einschätzen: der IIEF-5-Fragebogen
Der IIEF-5 ist ein validierter Fragebogen mit fünf Fragen, der Vorhandensein und Schweregrad einer erektilen Dysfunktion einschätzt. Eine Gesamtpunktzahl von 21 oder weniger spricht für eine ED [11].
Der IIEF-5 ist eine Kurzversion des International Index of Erectile Function, auch bekannt als SHIM (Sexual Health Inventory for Men). Die Fragen beziehen sich auf Erektionsfähigkeit und Zufriedenheit in den vergangenen sechs Monaten, und jede wird mit 1 bis 5 Punkten bewertet. In der Validierungsstudie ergab der Grenzwert von 21 Punkten eine ED mit einer Sensitivität von 0,98 und einer Spezifität von 0,88 [11].
|
IIEF-5-Punktzahl |
Einordnung |
|---|---|
|
22–25 |
Keine erektile Dysfunktion |
|
17–21 |
Leichte ED |
|
12–16 |
Leichte bis mittelgradige ED |
|
8–11 |
Mittelgradige ED |
|
5–7 |
Schwere ED |
Ein Selbsttest zur Erektionsstörung kann ein hilfreicher erster Schritt sein, um die eigene Situation einzuschätzen. Er ersetzt jedoch keine ärztliche Diagnose und keine Tests zur Ursachenklärung.
Abgrenzung: Erektile Dysfunktion, vorzeitige Ejakulation und Libidoverlust
Bei einer erektilen Dysfunktion ist die Erektion selbst beeinträchtigt. Davon zu unterscheiden sind die vorzeitige Ejakulation, bei der der Samenerguss zu früh eintritt, und der Libidoverlust, bei dem das sexuelle Verlangen fehlt.
- Vorzeitige Ejakulation: Die Erektion ist ausreichend, aber der Samenerguss tritt früher ein als gewünscht. Beide Störungen können gleichzeitig vorkommen.
- Libidoverlust: Hier steht der Verlust des sexuellen Verlangens im Vordergrund. Die Erektionsfähigkeit kann dabei grundsätzlich erhalten sein.
Fazit
Nicht jede ausbleibende oder nachlassende Erektion bedeutet eine erektile Dysfunktion. Entscheidend ist, ob Schwierigkeiten beim Erreichen oder Aufrechterhalten einer ausreichend festen Erektion wiederholt auftreten und das Sexualleben beeinträchtigen.
Auch Begleiterscheinungen wie Versagensangst, weniger sexuelle Lust oder der Rückzug aus intimen Situationen können vorkommen. Sie sagen jedoch allein noch nichts über die Ursache aus, denn körperliche und psychische Faktoren können zusammenwirken.
Wenn Sie eine deutliche Veränderung Ihrer Erektionsfähigkeit bemerken, müssen Sie nicht erst mehrere Monate abwarten. Eine ärztliche Abklärung kann helfen, die Ursache zu finden, mögliche gesundheitliche Risikofaktoren zu erkennen und eine passende Behandlung auszuwählen.
Häufige Fragen zu den Symptomen einer erektilen Dysfunktion
Hier finden Sie kurze Antworten auf häufige Fragen zu den Symptomen und Frühwarnzeichen einer erektilen Dysfunktion.
Kann man eine Erektionsstörung haben, obwohl man noch Erektionen bekommt?
Ja. Eine erektile Dysfunktion bedeutet nicht zwangsläufig, dass überhaupt keine Erektion mehr möglich ist. Manche Männer bekommen eine Erektion, können sie aber nicht ausreichend lange halten. Bei anderen wird der Penis nicht fest genug für die gewünschte sexuelle Aktivität. Entscheidend ist, ob solche Schwierigkeiten wiederholt auftreten und das Sexualleben beeinträchtigen. [5]
Warum bekomme ich eine Erektion, verliere sie aber beim Sex wieder?
Dass eine Erektion zunächst entsteht und während der sexuellen Aktivität wieder nachlässt, kann ein Symptom einer erektilen Dysfunktion sein. Dahinter können körperliche Faktoren wie Durchblutungsstörungen, aber auch Stress, Leistungsdruck oder eine Kombination verschiedener Ursachen stehen.[3, 5] Passiert dies nur gelegentlich, bedeutet es noch nicht automatisch, dass eine ED vorliegt.
Warum funktioniert die Erektion bei der Selbstbefriedigung, aber nicht beim Sex?
Wenn Erektionen bei der Masturbation möglich sind, beim Sex mit einer Partnerin oder einem Partner jedoch wiederholt Schwierigkeiten auftreten, können situative oder psychische Faktoren eine Rolle spielen. Dazu gehören beispielsweise Leistungsdruck, Versagensangst oder Belastungen in der Beziehung. Daraus lässt sich die Ursache jedoch nicht sicher ableiten, da psychische und körperliche Faktoren gleichzeitig vorhanden sein können.[4, 5]
Kann eine Erektionsstörung plötzlich auftreten?
Ja. Erektionsprobleme können sowohl schleichend als auch plötzlich beginnen. Ein plötzlicher und situationsabhängiger Beginn kann beispielsweise mit Stress, Angst oder anderen psychischen Belastungen zusammenhängen. Auch Medikamente, Erkrankungen, Operationen oder Verletzungen können eine Rolle spielen. Treten die Beschwerden plötzlich und wiederholt auf, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.[4, 5]
Sind Erektionsprobleme bei Stress normal?
Stress, Müdigkeit oder psychische Belastungen können vorübergehend dazu führen, dass eine Erektion schwerer entsteht oder früher nachlässt. Ein einzelner schlechter Tag ist deshalb noch kein Hinweis auf eine Erkrankung. Wiederholen sich die Probleme jedoch oder entsteht zunehmend Angst vor der nächsten sexuellen Situation, kann es sinnvoll sein, ärztlichen Rat einzuholen. [5]
Kann man trotz Erektionsstörung eine Morgenerektion haben?
Ja. Erhaltene Morgen- oder Nachterektionen schließen eine erektile Dysfunktion nicht aus. Sie können bei der ärztlichen Ursachenklärung zusätzliche Hinweise liefern, erlauben allein aber keine zuverlässige Unterscheidung zwischen körperlichen und psychischen Ursachen.[4, 5]
Ist weniger Lust ein Symptom einer erektilen Dysfunktion?
Eine verminderte Libido gehört nicht zu den eigentlichen Kernsymptomen einer ED. Sie kann jedoch gleichzeitig auftreten. Weniger sexuelles Verlangen kann beispielsweise mit psychischen Belastungen, bestimmten Medikamenten oder hormonellen Faktoren zusammenhängen. Bei der ärztlichen Abklärung ist es deshalb hilfreich, auch Veränderungen der Libido anzusprechen.[5, 6]
Können Erektionsprobleme von selbst wieder verschwinden?
Das ist möglich und hängt von der Ursache ab. Vorübergehende Erektionsprobleme, beispielsweise in einer stressigen oder belastenden Phase, können sich wieder normalisieren. Bestehen die Beschwerden jedoch wiederholt oder über längere Zeit, sollte die Ursache abgeklärt werden. Es ist nicht notwendig, mehrere Monate abzuwarten, wenn die Veränderung Sie belastet.
Welcher Arzt ist bei Erektionsproblemen der richtige Ansprechpartner?
Eine erste Abklärung kann in einer hausärztlichen oder urologischen Praxis erfolgen. Je nach vermuteter Ursache können weitere Fachrichtungen einbezogen werden, beispielsweise Andrologie, Kardiologie, Endokrinologie oder Psychotherapie beziehungsweise Sexualtherapie. Für das Gespräch hilft es, sich vorher zu notieren, seit wann die Beschwerden bestehen, in welchen Situationen sie auftreten und welche Medikamente Sie einnehmen.
Wie stellt ein Arzt eine erektile Dysfunktion fest?
Am Anfang steht in der Regel ein ausführliches Gespräch über die Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamente und mögliche psychische oder partnerschaftliche Faktoren. Hinzu kommt eine körperliche Untersuchung. Je nach Situation können Blutuntersuchungen, beispielsweise auf Blutzucker, Blutfette oder Testosteron, oder weitere diagnostische Verfahren sinnvoll sein.[4, 5] Fragebögen wie der IIEF-5 können zusätzlich helfen, die Beschwerden und ihren Schweregrad einzuschätzen. [11]
Kann eine erektile Dysfunktion wieder besser werden?
Ja. Wie gut sich die Erektionsfähigkeit verbessern lässt, hängt vor allem von der Ursache ab. Behandelbare Erkrankungen und Risikofaktoren, psychische Belastungen oder bestimmte Medikamente können eine Rolle spielen. Je nach Befund kommen Lebensstiländerungen, psychologische beziehungsweise sexualtherapeutische Unterstützung, PDE-5-Hemmer oder andere medizinische Behandlungen infrage. [5]
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[1] Braun M, Wassmer G, Klotz T, Reifenrath B, Mathers M, Engelmann U. Epidemiology of erectile dysfunction: results of the 'Cologne Male Survey'. Int J Impot Res. 2000;12(6):305-311. doi:10.1038/sj.ijir.3900622.
[2] IsHak WW, Tobia G. DSM-5 changes in diagnostic criteria of sexual dysfunctions. Reprod Syst Sex Disord. 2013;2:122. Accessed September 29, 2026.
[3] Yafi FA, Jenkins L, Albersen M, et al. Erectile dysfunction. Nat Rev Dis Primers. 2016;2:16003. doi:10.1038/nrdp.2016.3.
[4] Burnett AL, Nehra A, Breau RH, et al. Erectile dysfunction: AUA guideline. J Urol. 2018;200(3):633-641. doi:10.1016/j.juro.2018.05.004.
[5] European Association of Urology (EAU). EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health: Management of Erectile Dysfunction. Arnhem: EAU Guidelines Office; 2026.
[6] Mazzilli R, Zamponi V, Olana S, et al. Erectile dysfunction as a marker of endocrine and glycemic disorders. J Endocrinol Invest. 2022;45(8):1527-1534. doi:10.1007/s40618-022-01788-5.
[7] Liu Q, Zhang Y, Wang J, et al. Erectile dysfunction and depression: a systematic review and meta-analysis. J Sex Med. 2018;15(8):1073-1082. doi:10.1016/j.jsxm.2018.05.016.
[8] Kellesarian SV, Malignaggi VR, Feng C, Javed F. Association between obstructive sleep apnea and erectile dysfunction: a systematic review and meta-analysis. Int J Impot Res. 2018;30(3):129-140. doi:10.1038/s41443-018-0017-7.
[9] Capogrosso P, Colicchia M, Ventimiglia E, et al. One patient out of four with newly diagnosed erectile dysfunction is a young man—worrisome picture from the everyday clinical practice. J Sex Med. 2013;10(7):1833-1841. doi:10.1111/jsm.12179.
[10] Jackson G. Prediction of coronary artery disease by erectile function status: evidence-based data. Sex Med Rev. 2016.
[11] Rosen RC, Cappelleri JC, Smith MD, Lipsky J, Peña BM. Development and evaluation of an abridged, 5-item version of the International Index of Erectile Function (IIEF-5) as a diagnostic tool for erectile dysfunction. Int J Impot Res. 1999;11(6):319-326. Accessed September 29, 2026.
[12] Dauererektion. MSD Manual Ausgabe für Patienten.