Sexualität

Ursachen für Erektionsstörungen: körperlich, psychisch und lebensstilbedingt

Erektionsstörungen können körperliche, psychische oder lebensstilbedingte Ursachen haben – und die Auslöser unterscheiden sich oft zwischen jungen und älteren Männern. Erfahren Sie, welche Ursachen dahinterstecken, welche Symptome typisch sind und wie ein Arzt/eine Ärztin gezielt helfen kann.

Tristan Auer, deutscher Autor für medizinische Inhalte

Autor Tristan Auer

Geprüft von Dr.med. Walter Brinker

Veröffentlicht am:

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Ein Mann im Bett, der unter Erektionsproblemen leidet

Symptome einer Erektionsstörung

Von einer erektilen Dysfunktion (ED) spricht man, wenn wiederholt keine für eine zufriedenstellende sexuelle Aktivität ausreichende Erektion erreicht oder aufrechterhalten werden kann. [1] Typische Symptome sind:

  • Schwierigkeiten, überhaupt eine Erektion zu bekommen
  • Die Erektion lässt vor oder während des Geschlechtsverkehrs nach
  • Nachlassende nächtliche oder morgendliche Erektionen
  • Vermindertes sexuelles Verlangen (Libido)

Einzelne, gelegentliche Aussetzer sind normal und noch kein Grund zur Sorge. Treten die Symptome jedoch wiederholt und über mehrere Monate auf, lohnt sich eine ärztliche Abklärung. Eine ausführliche Übersicht zu Symptomen und Behandlungsmöglichkeiten der erektilen Dysfunktion finden Sie in unserem Hauptartikel zum Thema.

Erektionsstörungen können zwar viele verschiedene Ursachen haben und sind oft das Ergebnis einer Kombination mehrerer Faktoren, doch im Wesentlichen lassen sich die Gründe für Impotenz in drei übergreifende Kategorien einteilen: körperliche Ursachen wie Durchblutungsstörungen oder hormonelle Probleme, psychische Auslöser wie Stress, Leistungsdruck oder Depressionen und Lebensstilfaktoren wie Rauchen, Alkohol, Bewegungsmangel oder ungesunde Ernährung. Ein besseres Verständnis dieser Ursachen von Potenzstörungen ist entscheidend für eine gezielte Behandlung.

Körperliche Ursachen der erektilen Dysfunktion

Körperliche Ursachen von Erektionsstörungen betreffen vor allem Männer ab dem mittleren Alter, insbesondere wenn chronische Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Gefäßverkalkung vorliegen. PDE-5-Hemmer wie Sildenafiloder Tadalafil gehören zu den medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten der ersten Wahl bei erektiler Dysfunktion.

Vaskuläre Ursachen von Erektionsstörungen

Starke Erektionen brauchen einen starken Blutfluss – so einfach ist das. Bei der überwiegenden Zahl der Männer mit organisch bedingten Erektionsschwierigkeiten liegt das Problem genau daran: an ihren Blutgefäßen. [3]

Arteriosklerose als Potenzkiller

Die Arteriosklerose – umgangssprachlich auch „Arterienverkalkung" genannt – ist eine der häufigsten Ursachen der erektilen Dysfunktion und gilt daher als einer der wichtigsten körperlichen Potenzkiller. Bei einer Arteriosklerose verengen sich und verhärten sich allmählich die arteriellen Blutgefäße im Körper. Das betrifft auch die feinen Arterien des Penis. Bilden sich dort Ablagerungen, gelangt weniger Blut zum Schwellkörper, was Erektionen schwächt oder verhindert.

Was viele Männer nicht wissen: Erektionsprobleme sind oft ein Frühwarnsystem für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zeigen sich Erektionsschwierigkeiten, könnten die Herzkranzgefäße ebenfalls betroffen sein – nur merkt man das dort erst später. Daher gilt: Wer unter Erektionsschwierigkeiten leidet, sollte grundsätzlich auch sein Herz-Kreislauf-System untersuchen lassen. [1]

Bluthochdruck – eine häufig vernachlässigte Ursache von Erektionsstörungen

Bei Bluthochdruck und Erektionsstörungen (Hypertonie) können Erregungsstörungen beim Mann gleich aus zwei Gründen auftreten:

  • Der erhöhte Blutdruck schädigt die Blutgefäße und beeinträchtigt deren Fähigkeit, sich zu weiten. [3]
  • Viele Blutdruckmedikamente verursachen häufig als Nebenwirkung Erektionsstörungen. [5]

Ein Teufelskreis entsteht: Der hohe Blutdruck gefährdet die Erektion und Blutdruckmedikamente können die Potenzprobleme noch verstärken.

Cholesterin – eine stille Ursache der erektilen Dysfunktion

Cholesterin und Potenz hängen zusammen: Erhöhte Cholesterinwerte – besonders das "schlechte" LDL-Cholesterin – führen zu Ablagerungen in Blutgefäßen. Diese Ablagerungen behindern den Blutfluss zum Penis und können so zu Erektionsstörung führen. Männer mit erhöhten Cholesterinwerten haben ein höheres Risiko einer erektilen Dysfunktion als Männer mit normalen Werten. [3]

Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)

Bei der pAVK, auch "Schaufensterkrankheit" genannt, sind die Arterien der Beine verengt. Da diese Erkrankung nicht nur die Beingefäße, sondern auch andere Arterien – einschließlich der des kleinen Beckens und des Penis – betrifft, leiden Männer mit einer pAVK überdurchschnittlich häufig an Erektionsschwierigkeiten. [3]

Diabetes mellitus – ein komplexer Grund für eine erektile Dysfunktion

Der Zusammenhang zwischen Diabetes und erektiler Dysfunktion ist gut belegt: Diabetes schädigt sowohl die Blutgefäße als auch die Nerven und ist daher eine gefährliche Kombination für die männliche Potenz. Bei Diabetikern treten Erektionsschwierigkeiten typischerweise in schwererer Form, oft früher im Leben und deutlich häufiger auf als bei gesunden Männern. [1] Je länger der Diabetes besteht und je schlechter er eingestellt ist, desto höher ist das Risiko für Erektionsschwierigkeiten. Männer mit Diabetes sollten daher besonders auf ihre Blutzuckerwerte achten.

Neurologische Ursachen von Erektionsstörungen

Unser Gehirn ist unser wichtigstes Sexualorgan – es steuert die komplexen Nervenverbindungen, die eine Erektion überhaupt erst möglich machen. Schäden an diesem fein abgestimmten Nervensystem können die Potenz empfindlich stören. [1]

Multiple Sklerose: „Wenn sich das Nervensystem selbst angreift."

Multiple Sklerose (MS) steht zwar nicht ganz oben auf der Liste der Ursachen für Erektionsstörungen, ist aber bei Betroffenen dennoch ein häufiger Grund für Erektionsstörungen. Bei einer Multiplen Sklerose werden die schützenden Hüllen der Nervenzellen durch fehlgeleitete Immunreaktionen angegriffen. Betrifft dieser Prozess die Nerven, die sexuelle Funktionen steuern, kann es zu einer Erektionsstörung bei einem Mann kommen. Eine Metaanalyse zeigt: Etwa 63% der Männer mit MS kämpfen mit Erektionsschwierigkeiten – oft auch schon in frühen Krankheitsstadien. [6]

Parkinson: „Mehr als nur das Zittern"

Eine weitere, seltenere neurologische Ursache für Impotenz ist die Parkinson-Krankheit. Sie wird oft mit Zittern und Bewegungsstörungen in Verbindung gebracht. Doch das Leiden umfasst häufig mehr: Durch Dopaminmangel im Gehirn können auch sexuelle Funktionen beeinträchtigt werden, und viele männliche Parkinson-Patienten berichten über Erektionsschwierigkeiten. [1]

Nach dem Schlaganfall

Ein Schlaganfall kann je nach betroffenem Hirnareal verschiedene Körperfunktionen stören – auch die Sexualität. Neben den direkten neurologischen Ursachen für Erektionsstörungen, die durch den Schlaganfall ausgelöst werden, spielen psychologische Faktoren wie Depressionen und Angstzustände häufig eine verstärkende Rolle. Hinzu kommt: Wer einen Schlaganfall erlitten hat, leidet häufig auch an Gefäßproblemen, die zusätzlich die Potenz beeinträchtigen können. [1]

Rückenmarksverletzungen – eine rein neurologische Ursache der Impotenz

Bei Erektionsstörungen durch Rückenmarksverletzungen entscheidet die Höhe und Vollständigkeit der Schädigung über die Auswirkungen auf die Erektionen. Besonders problematisch sind Verletzungen im unteren Rückenbereich (S2-S4), wo wichtige Nervenbahnen für die Sexualfunktion verlaufen. Männer mit solchen Verletzungen leiden deutlich häufiger unter Erektionsschwierigkeiten als Männer ohne neurologische Beeinträchtigungen. [1]

Periphere Neuropathie (PNP): „Wenn die Nervenenden leiden"

Bei peripheren Nervenschädigungen, wie sie besonders häufig durch Diabetes auftreten, wird die Signalübertragung zwischen Gehirn und Penis gestört. Die Nervenschäden entwickeln sich schleichend über Jahre und beeinträchtigen sowohl die Wahrnehmung sexueller Reize als auch die Fähigkeit, darauf mit einer Erektion zu reagieren. Eine PNP ist somit eine mögliche Ursache für Erektionsstörungen. [1]

Hormonelle Ursachen von Erektionsstörungen

 Ein Arzt händigt einem Mann ein Rezept aus  

Hormone sind die chemischen Dirigenten unseres Körpers – geraten sie aus dem Takt, kann das Auswirkungen auf die männliche Potenz haben.

Testosteronmangel: „Wenn der Treibstoff fehlt"

Eine der wesentlichen Ursachen für ED kann ein Testosteronmangel oder Hypogonadismus sein. [4] Testosteron ist das wichtigste männliche Geschlechtshormon und steuert nicht nur die Libido (=Lust), sondern auch die Erektionsfähigkeit. Bei Testosteronmangel oder auch Hypogonadismus leiden Männer oft unter nachlassendem sexuellen Interesse, schwächeren und selteneren Erektionen sowie Müdigkeit und Antriebslosigkeit. Mit zunehmendem Alter sinkt der Testosteronspiegel natürlich – bei manchen Männern jedoch so stark, dass Erektionsschwierigkeiten entstehen.

Prolaktin: „Zu viel des Guten schadet"

Erhöhte Werte des Hormons Prolaktin (Hyperprolaktinämie) können Ursache für Erregungsstörungen des Mannes sein. Bei besonders stark erhöhten Werten, wie sie bei Tumoren der Hirnanhangsdrüse vorkommen, wird die Testosteronproduktion gehemmt. Das Ergebnis: Eine nachlassende Libido und Erektionsprobleme. [4]

Schilddrüsenstörungen: „Zu schnell oder zu langsam"

Sowohl eine Schilddrüsenüberfunktion mit einem Überangebot an Schilddrüsenhormonen als auch eine Schilddrüsenunterfunktion mit zu wenig Schilddrüsenhormonen können die männliche Sexualität beeinträchtigen und als Ursache für eine Erektionsstörung beim Mann in Frage kommen. Bei einer Überfunktion (Hyperthyreose) steigt das Risiko eines vorzeitigen Samenergusses und einer Erregungsstörung beim Mann. Bei einer Unterfunktion (Hypothyreose) wird häufig das sexuelle Verlangen gedämpft und der Ejakulationsreflex gestört. [4]

Cushing-Syndrom: „Impotenz durch Stress"

Auch wenn das Cushing-Syndrom nicht bei allen Männern eine Ursache für Impotenz ist, können bei einigen Betroffenen sexuelle Probleme auftreten. Beim Cushing-Syndrom produziert der Körper zu viel Cortisol. Dieses "Stresshormon" senkt langfristig den Testosteronspiegel und kann so zu einer Erektionsstörung bei einem Mann führen. [4]

Metabolisches Syndrom: „Der gefährliche Viererpack"

Das metabolische Syndrom – eine Kombination aus Übergewicht, Bluthochdruck, gestörtem Fettstoffwechsel und Insulinresistenz – ist ein bekannter Risikofaktor und Grund für Erektionsstörungen. Das metabolische Syndrom beeinträchtigt sowohl die Blutgefäße als auch den Hormonhaushalt und erhöht so das Risiko für Erektionsschwierigkeiten deutlich. [4]

Welche Medikamente können Ursachen für Impotenz sein?

 Ein Haufen verschiedener Tabletten auf dem Tisch  

Die Nebenwirkungen vieler Arzneimittel können Gründe für Impotenz sein.

Antidepressiva

Im Rahmen der medikamentösen Ursachen der erektilen Dysfunktion sind insbesondere selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) für ihre Auswirkungen auf die Sexualität berüchtigt. Ein bedeutender Anteil der Patienten berichtet unter SSRI-Therapie über sexuelle Funktionsstörungen, darunter auch Erektionsschwierigkeiten. [5]

Blutdrucksenker

Viele Blutdruckmedikamente, vor allem Beta-Blocker und Diuretika ("Wassertabletten"), können Ursachen für Potenzstörungen sein oder diese verstärken. Neuere Blutdrucksenker wie ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptorblocker beeinträchtigen die Potenz seltener. [5]

Andere Medikamente, die eine Ursache für Erektionsstörungen sein können

  • Antipsychotika (Neuroleptika)
  • Beruhigungsmittel (Sedativa)
  • Schmerzmittel wie Opioide
  • Krebsmedikamente (Chemotherapeutika)
  • Antiepileptika wie Gabapentin und Pregabalin [5]

Wichtig: Niemals eigenmächtig Medikamente absetzen! Bei Verdacht auf medikamentös bedingte Erektionsschwierigkeiten immer mit dem Arzt/der Ärztin sprechen.

Welche anatomischen Faktoren können bei einem Mann eine Erektionsstörung verursachen?

Die physische anatomische Struktur des Penis spielt eine entscheidende Rolle für eine funktionierende Erektion. Veränderungen der Strukturen führen oft zu einer anhaltenden Erektionsstörung bei einem Mann.

Peyronie-Krankheit oder Induratio Penis Plastica (IPP)

Bei der Peyronie-Krankheit entstehen fibrotische Plaques in der Bindegewebshülle der Schwellkörper (Tunica albuginea). Dadurch kann sich der Penis bei der Erektion verkrümmen; zusätzlich können Schmerzen oder Erektionsprobleme auftreten. Diese Veränderung verursacht oft Schmerzen bei der Erektion und erschwert oder verhindert häufig aufgrund der Verkrümmungen und/oder einer plaquebedingten Erektionsschwäche die Penetration. [1]

Penisverletzungen

Traumatische Verletzungen des Penis – ob durch Unfälle, Sport oder zu intensive sexuelle Aktivität – können die Blutgefäße und Gewebe schädigen, die für eine Erektion unerlässlich sind. Besonders gefährlich ist der sogenannte "Penisbruch", eine Verletzung der Schwellkörper, die unbehandelt eine Ursache für dauerhafte Potenzprobleme sein kann.

Infolge einer OP

Bestimmte Operationen im Beckenbereich bergen Risiken für die Erektionsfähigkeit und können die Ursache für Impotenz sein:

  • Prostata-OP: Bei einer radikalen Prostatektomie, einer kompletten Entfernung der Prostata bei Prostatakrebs, werden häufig Nerven verletzt, die für die Erektion wichtig sind
  • Darmoperationen können Nerven schädigen, die den Penis versorgen
  • Eingriffe an der Wirbelsäule können je nach Höhe der Operation an den Wirbelkörpern Nervenbahnen betreffen, die für die Sexualfunktion relevant sind

Altersbedingte Ursachen der Erektionsstörungen

Warum nehmen Potenzprobleme mit dem Alter zu? Das Älterwerden bringt natürliche Veränderungen mit sich, die die Erektionsfähigkeit beeinträchtigen. Meist gibt es bei älteren Männern gleich mehrere Ursachen für Potenzprobleme.

Hormonelle Veränderungen im Alter

Eine der altersbedingten Ursachen für erektile Dysfunktion ist der Testosteronmangel. Ab dem 40. Lebensjahr sinkt der Testosteronspiegel bei Männern graduell ab. Diese Abnahme fällt zeitlich mit einem Anstieg der Häufigkeit von Erektionsschwierigkeiten zusammen. [4]

Altersbedingte körperliche Veränderungen

Neben Testosteronmangel als Ursache für Erektionsstörungen verändert sich der Körper im Laufe der Jahre auf verschiedenen Ebenen: Die Blutgefäße verlieren ihre Elastizität, die Nervenleitung verlangsamt sich, der Blutfluss zum Penis nimmt ab und die Muskeln des Beckenbodens werden schwächer. [2]

Chronische Erkrankungen häufen sich

Mit dem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit für verschiedene chronische Erkrankungen, die wiederum Ursachen für erektile Dysfunktion sein können: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus, Bluthochdruck und erhöhte Cholesterinwerte.

Welche weiteren Erkrankungen können Gründe einer Impotenz sein?

Neben den bereits genannten Faktoren gibt es weitere Erkrankungen, die die Erektionsfähigkeit beeinträchtigen können:

Nierenerkrankungen

Bei chronischen Nierenerkrankungen leidet ein erheblicher Teil der Patienten unter Erektionsschwierigkeiten. Daraus ergibt sich ein komplexes Bild: hormonelle Veränderungen, begleitende Gefäßprobleme, psychische Belastung durch die chronische Erkrankung und Medikamente zur Behandlung der Nierenerkrankung spielen alle eine Rolle. [1]

Lebererkrankungen

Chronische Lebererkrankungen sind zwar keine direkte Ursache für Impotenz, führen aber häufig zu Störungen des Stoffwechsels von Sexualhormonen, Glukose und Lipiden sowie zu geistigen und psychischen Erkrankungen, die allesamt erhebliche Risikofaktoren für Erektionsstörungen darstellen. [1]

Schlafapnoe – eine weniger erforschte Ursache der erektilen Dysfunktion

Männer mit obstruktiver Schlafapnoe leiden deutlich häufiger an Erektionsschwierigkeiten. Die nächtlichen Atemaussetzer führen zu Sauerstoffmangel, einer gestörten Testosteronproduktion und erhöhtem oxidativem Stress in den Blutgefäßen. [1]

Chronische Schmerzzustände

Langanhaltende Schmerzen beeinträchtigen nicht nur die Lebensqualität, sondern können auch die Hormonproduktion verändern, Depressionen und Angstzustände auslösen und zu einem erhöhten Verbrauch von Schmerzmitteln führen, die selbst wiederum eine Ursache für Impotenz sein können. [8]

Plötzliche Erektionsstörungen: Ursachen und Warnsignale

Nicht jede Erektionsstörung entwickelt sich schleichend über Monate oder Jahre. Tritt eine Erektionsstörung plötzlich auf, hilft der zeitliche Verlauf oft dabei, eine erste Einschätzung der möglichen Ursache zu treffen. [1]

Für psychische (psychogene) Ursachen spricht:

  • Plötzlicher, oft situationsabhängiger Beginn – etwa nach einem belastenden Ereignis oder mit einer neuen Partnerin/einem neuen Partner
  • Nächtliche und morgendliche Erektionen bleiben in der Regel erhalten
  • Die Erektionsfähigkeit variiert je nach Situation (z.B. bei Masturbation normal, beim Geschlechtsverkehr eingeschränkt)

Für körperliche (organische) Ursachen spricht:

  • Ein schleichender, sich langsam verschlechternder Verlauf über Wochen bis Monate
  • Die Probleme treten unabhängig von der Situation auf
  • Nächtliche und morgendliche Erektionen lassen ebenfalls nach

Wichtige Warnsignale, bei denen eine zeitnahe ärztliche Abklärung sinnvoll ist:

  • Die Erektionsstörung beginnt kurz nach dem Start eines neuen Medikaments
  • Sie tritt nach einer Verletzung, Operation oder einem Unfall im Becken- oder Genitalbereich auf
  • Sie geht mit Brustschmerzen, Kurzatmigkeit oder anderen Anzeichen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung einher
  • Sie hält trotz erhaltener sexueller Lust über mehrere Wochen unverändert an

Diese Einteilung ersetzt keine ärztliche Diagnose, kann aber helfen, das Gespräch mit dem Arzt/der Ärztin gezielter vorzubereiten.

Erektionsstörungen bei jungen Männern: Ursachen

Bei jüngeren Männern können Stress, Leistungsdruck, Angst oder partnerschaftliche Faktoren eine wichtige Rolle spielen. Erektionsstörungen in jungen Jahren sollten jedoch nicht automatisch als rein psychisch eingeordnet werden. Auch körperliche Ursachen und Risikofaktoren – etwa Stoffwechsel- oder Gefäßerkrankungen, hormonelle Störungen, Medikamente, Rauchen oder Drogenkonsum – können beteiligt sein.[7]

Wenn die Beschwerden wiederholt auftreten oder länger anhalten, ist deshalb auch bei jungen Männern eine ärztliche Abklärung sinnvoll.

Welche psychischen Ursachen kann eine erektile Dysfunktion haben?

 Ein gestresster Mann, der im Büro an einem Laptop arbeitet  

Die Psyche spielt eine entscheidende Rolle bei der männlichen Sexualfunktion. Nicht umsonst spricht man vom Gehirn als dem "wichtigsten Sexualorgan". Bei etwa 20% der Männer mit Erektionsproblemen sind psychische Faktoren die Hauptursache – Experten sprechen dann von psychischer Erektionsstörung. [1]

Depression: Der Stimmungskiller im Bett

Depression und psychische Impotenz gehen häufig Hand in Hand, wobei die Beziehung in beide Richtungen wirkt: Depressionen gehören zu den führenden psychischen Ursachen der erektilen Dysfunktion bei Männern, und Erektionsstörungen können umgekehrt zu depressiven Symptomen führen. Bei Depressionen sinkt nicht nur die Libido, sondern auch die Fähigkeit, eine Erektion zu bekommen und zu halten. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Antidepressiva als Nebenwirkung Erektionsschwierigkeiten verursachen können. [10]

Angst: Der heimliche Saboteur

Angststörungen sind eine weitere Gruppe von Ursachen für erektile Dysfunktion, die ihren Ursprung in der Psyche des Mannes haben. Besonders verbreitet ist die sogenannte "Versagensangst" oder „Leistungsangst": Der Mann fürchtet, keine ausreichende Erektion zu bekommen, diese Angst aktiviert das sympathische Nervensystem ("Kampf-oder-Flucht"), Stresshormone wie Adrenalin werden ausgeschüttet, diese verengen die Blutgefäße – auch im Penis – und am Ende tritt genau die befürchtete psychische Impotenz ein. So entsteht ein Teufelskreis, der sich mit jeder weiteren negativen Erfahrung verstärkt. [1]

Stress: Wenn der Alltag die Potenz raubt

In stressigen Zeiten setzt der Körper auf Überleben, nicht auf Fortpflanzung. Bei chronischem Stress steigt der Cortisolspiegel, sinkt der Testosteronspiegel, verengen sich die Blutgefäße und verringert sich die sexuelle Lust. Nicht ohne Grund zählt Impotenz durch Stress zu den häufigsten Formen psychisch bedingter Erektionsschwierigkeiten. [9]

Beziehungsprobleme

Sehr oft ist die Ursache von Erektionsstörungen keine medizinische, sondern eine soziale. Konflikte, mangelnde Kommunikation, fehlendes Vertrauen oder nachlassende Anziehung können direkte Auswirkungen auf die Erektionsfähigkeit haben. Besonders häufig tritt dies auch bei Erektionsproblemen in einer neuen Beziehung auf, wenn Unsicherheit und Versagensangst noch stärker ins Gewicht fallen. [1]

Traumatische Erfahrungen

Sexuelle Traumata oder andere einschneidende negative Erlebnisse können langfristige psychische Ursachen für Erektionsstörungen sein. Der Körper "erinnert" sich an das Trauma und reagiert mit Schutzmechanismen, die eine gesunde sexuelle Funktion blockieren können. [1]

Welche Rolle spielt der Lebensstil für eine Erektionsstörung bei einem Mann?

Unsere täglichen Gewohnheiten können die Erektionsfähigkeit stark beeinflussen – im Guten wie im Schlechten. [8]

Rauchen

Nikotin und andere Schadstoffe im Tabakrauch gelten mit als die häufigste Ursache für Potenzprobleme durch Rauchen, da sie die Blutgefäße schädigen und die Durchblutung – auch im Penis – beeinträchtigen. Raucher haben ein deutlich höheres Risiko einer erektilen Dysfunktion als Nichtraucher, und auch Passivrauch kann die Erektionsfähigkeit negativ beeinflussen. Die gute Nachricht: Nach dem Rauchstopp verbessert sich die Potenz bei vielen Männern deutlich. [8]

Alkohol

Alkohol als Ursache für Erektionsstörungen ist umstritten und hängt weitgehend von der Menge des Alkoholkonsums ab. Ein gelegentliches Glas Wein oder Bier schadet der Potenz nicht. Problematisch wird es bei regelmäßigem und übermäßigem Konsum: Akut wirkt Alkohol als Nervengift und beeinträchtigt die Signalübertragung zwischen Gehirn und Penis, chronisch schädigt er Leber, Nerven und Hormonhaushalt. Bei Alkoholabhängigkeit leidet ein großer Teil der Männer unter Erektionsschwierigkeiten. [8]

Drogen

Obwohl man glaubt, dass einige Substanzen zur Entspannung beitragen und den Sexualtrieb steigern können, dienen viele Drogen in Wirklichkeit als Ursache für erektile Dysfunktion, die die sexuelle Leistungsfähigkeit des Mannes beeinträchtigt: Kokain führt kurzfristig zu verstärkter Libido, langfristig jedoch zu Erektionsschwierigkeiten. Marihuana kann bei regelmäßigem Konsum den Testosteronspiegel senken. Heroin und andere Opiate senken das sexuelle Verlangen und die Erektionsfähigkeit. [8]

Übergewicht

Übergewicht und Erektionsstörungen hängen eng zusammen: Übergewicht erhöht das Risiko einer erektilen Dysfunktion bei Männern auf mehreren Ebenen: Es fördert Gefäßerkrankungen und Diabetes, senkt den Testosteronspiegel und begünstigt Depressionen und ein negatives Körperbild. Mit steigendem Body-Mass-Index (BMI) erhöht sich das Risiko für Potenzprobleme. [8]

Bewegungsmangel: „Stillstand im Bett"

Neben dem Übergewicht gibt es eine weitere Ursache für erektile Dysfunktion – den Mangel an körperlicher Aktivität. Regelmäßige körperliche Aktivität ist ein natürlicher Potenzverstärker: Sie verbessert die Durchblutung, senkt das Risiko für Gefäßerkrankungen, hebt die Stimmung, reduziert Stress und steigert den Testosteronspiegel. Körperliche Aktivität und normales Gewicht tragen wesentlich zur Erhaltung einer guten Erektionsfähigkeit bei. [8]

Fazit

Eine Erektionsstörung bei einem Mann kann durch viele und häufig eine Kombination verschiedener Faktoren verursacht werden. Ob die Ursachen körperlich, psychisch oder lebensstilbedingt sind, unterscheidet sich oft je nach Alter: Bei jungen Männern stehen psychische Auslöser im Vordergrund, bei älteren Männern häufiger körperliche Erkrankungen. Auch der zeitliche Verlauf – plötzlich oder schleichend – kann erste Hinweise liefern. Die meisten Ursachen der erektilen Dysfunktion lassen sich durch gezielte medizinische Behandlungen und Lebensstiländerungen positiv beeinflussen.

Betroffene sollten deshalb nicht zögern, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wenn Lebensstiländerungen allein nicht ausreichen, können Behandlungen wie Viagra oder Cialis nach ärztlicher Konsultation eine geeignete Option sein. Hören Sie bei Problemen auch auf Ihren Körper, denn Erektionsprobleme können wichtige Warnsignale für andere Gesundheitsprobleme sein und sollten daher nie einfach ignoriert werden.

Häufig gestellte Fragen

Ab wann spricht man von einer Erektionsstörung?

Mediziner/innen sprechen von einer erektilen Dysfunktion, wenn ein Mann über mindestens sechs Monate hinweg wiederholt keine für den Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion bekommen oder halten kann. [1] Ein einzelner Aussetzer ist normal und noch kein Anzeichen einer Erektionsstörung.

Sind Erektionsstörungen bei jungen Männern normal?

Gelegentliche Erektionsprobleme sind auch bei jungen Männern nicht ungewöhnlich, meist ausgelöst durch Stress, Versagensangst oder Unsicherheit. [7] Halten die Beschwerden jedoch über mehrere Monate an, sollte auch bei jungen Männern eine ärztliche Abklärung erfolgen, um körperliche Ursachen auszuschließen.

Können plötzliche Erektionsstörungen von selbst wieder verschwinden?

Wenn eine plötzliche Erektionsstörung durch eine vorübergehende psychische Belastung ausgelöst wurde, kann sie mit abklingendem Stress oder nach Bewältigung der Situation von selbst wieder verschwinden. [1] Hält sie über mehrere Wochen an oder tritt sie zusammen mit anderen Warnsignalen auf, sollte sie ärztlich abgeklärt werden.

Welche Symptome deuten auf eine körperliche statt psychische Ursache hin?

Ein wichtiger Hinweis ist das Ausbleiben nächtlicher und morgendlicher Erektionen, da diese bei rein psychischen Ursachen meist erhalten bleiben. [1] Ein schleichender, sich über Monate verschlechternder Verlauf spricht ebenfalls eher für eine körperliche Ursache.

    1. Leslie SW, Sooriyamoorthy T. Erectile Dysfunction. [Updated 2024 Jan 9]. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2025 Jan-. Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK562253/. 

    2. Panchatsharam PK, Durland J, Zito PM. Physiology, Erection. [Updated 2023 May 1]. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2025 Jan-. Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK513278/. Accessed September 23, 2026.

    3. Ma M, Yu B, Qin F, Yuan J. Current approaches to the diagnosis of vascular erectile dysfunction. Transl Androl Urol. 2020;9(2):709-721. doi: 10.21037/tau.2020.03.10.

    4. Maggi M, Buvat J, Corona G, Guay A, Torres LO. Hormonal causes of male sexual dysfunctions and their management (hyperprolactinemia, thyroid disorders, GH disorders, and DHEA). J Sex Med. 2013;10(3):661-677. doi: 10.1111/j.1743-6109.2012.02735.x.

    5. Kaplan-Marans E, Sandozi A, Martinez M, Lee J, Schulman A, Khurgin J. Medications Most Commonly Associated With Erectile Dysfunction: Evaluation of the Food and Drug Administration National Pharmacovigilance Database. Sex Med. 2022;10(5):100543. doi: 10.1016/j.esxm.2022.100543.

    6. Dastoorpoor M, Zamanian M, Moradzadeh R, Nabavi SM, Kousari R. Prevalence of sexual dysfunction in men with multiple sclerosis: a systematic review and meta-analysis. Syst Rev. 2021;10(1):10. Published 2021 Jan 6. doi: 10.1186/s13643-020-01560-x.

    7. Rastrelli G, Maggi M. Erectile dysfunction in fit and healthy young men: psychological or pathological?. Transl Androl Urol. 2017;6(1):79-90. doi: 10.21037/tau.2016.09.06.

    8. Maiorino MI, Bellastella G, Esposito K. Lifestyle modifications and erectile dysfunction: what can be expected?. Asian J Androl. 2015;17(1):5-10. doi: 10.4103/1008-682X.137687.

    9. Kalaitzidou I, Venetikou MS, Konstadinidis K, Artemiadis AK, Chrousos G, Darviri C. Stress management and erectile dysfunction: a pilot comparative study. Andrologia. 2014;46(6):698-702. doi: 10.1111/and.12129.

    10. Seidman SN. Exploring the relationship between depression and erectile dysfunction in aging men. J Clin Psychiatry. 2002;63 Suppl 5:5-25. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11964139/. Accessed September 23, 2026.

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