Sexualität

PDE-5-Hemmer: Wirkung, Anwendung und Unterschiede im Überblick

Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil oder Avanafil – PDE-5-Hemmer verfolgen dasselbe Ziel, unterscheiden sich aber bei Wirkungseintritt und Wirkdauer. Erfahren Sie, wie die Potenzmittel wirken, wie sie richtig angewendet werden und welche Unterschiede bei der Wahl eine Rolle spielen.

Tristan Auer, deutscher Autor für medizinische Inhalte

Autor Tristan Auer

Geprüft von Dr.med. Walter Brinker

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Frau, die ihrem Partner eine blaue Pille anbietet

Was sind PDE-5-Hemmer?

PDE-5-Hemmer (auch PDE-5-Inhibitoren oder Phosphodiesterase-5-Hemmer) sind Medikamente, die ein einzelnes Enzym im Körper blockieren: die Phosphodiesterase 5. Dieses Enzym kommt vor allem in der glatten Muskulatur der Schwellkörper des Penis vor, außerdem in den Blutgefäßen der Lunge. Genau diese Verteilung erklärt die beiden wichtigsten Anwendungsgebiete: Erektionsstörungen und die pulmonale arterielle Hypertonie, also Bluthochdruck im Lungenkreislauf. [2]

Rund jeder zweite Mann über 40 kennt Erektionsstörungen zumindest phasenweise aus eigener Erfahrung. [1]

Seit 1998 steht dagegen eine Wirkstoffklasse bereit, die die Behandlung der erektilen Dysfunktion grundlegend verändert hat: die PDE-5-Hemmer. 

Vier Substanzen sind heute in Deutschland zugelassen, und sie unterscheiden sich stärker, als viele annehmen. Wer weiß, worin die Unterschiede liegen, trifft gemeinsam mit dem Arzt/der Ärztin die passendere Wahl. Um zu verstehen, wie die Wirkung zustande kommt, lohnt ein Blick auf die Abläufe bei einer Erektion.

Wie wirken PDE-5-Hemmer im Körper?

Eine Erektion beginnt im Kopf, nicht in der Tablette. Bei sexueller Erregung setzen Nervenenden im Penis den Botenstoff Stickstoffmonoxid (NO) frei. Dieser aktiviert ein Enzym, das zyklisches Guanosinmonophosphat (cGMP) bildet. Steigt der cGMP-Spiegel, entspannt sich die glatte Muskulatur in den Schwellkörpern (Relaxation). Die Blutgefäße weiten sich, die Durchblutung nimmt zu, der Penis füllt sich mit Blut und versteift. 

Die Phosphodiesterase 5 ist der natürliche Gegenspieler in diesem System. Sie baut cGMP wieder ab und beendet damit die Erektion. Bei Männern mit Erektionsstörungen kippt dieses Gleichgewicht: Es wird zu wenig cGMP gebildet oder zu schnell abgebaut.

Hier greifen die Inhibitoren ein. Sie besetzen das Enzym und bremsen den Abbau von cGMP. Der Botenstoff bleibt länger in den Gefäßen des Schwellkörpers aktiv, die Relaxation hält an, die Erektion wird stabiler und dauerhafter. Der Wirkungsmechanismus erklärt auch eine häufig unterschätzte Eigenschaft: Ohne sexuelle Stimulation wird kein Stickstoffmonoxid freigesetzt, also entsteht auch kein cGMP, das geschützt werden könnte. PDE-5-Hemmer lösen keine Erektion aus, sie verstärken eine körpereigene Reaktion. 

Warum der Ansatz bei so vielen Männern funktioniert, hat mit den Ursachen der erektilen Dysfunktion zu tun. Ob Gefäßverkalkung, Diabetes, Nervenschäden nach Prostataoperationen oder psychischer Druck: In den meisten Fällen ist der cGMP-Signalweg zwar geschwächt, aber nicht vollständig ausgefallen. 

Genau dort setzt die Therapie an, sofern die typischen Symptome einer erektilen Dysfunktion über mehrere Monate bestehen und nicht nur gelegentlich auftreten. 

Welche PDE-5-Inhibitoren gibt es?

Essensplatte und blaue Pillen auf dem Tisch

Vier Wirkstoffe aus dieser Gruppe sind in Deutschland zur Behandlung von Erektionsstörungen zugelassen. Alle nutzen denselben Wirkungsmechanismus, unterscheiden sich aber in Molekülstruktur, Wirkeintritt und Wirkdauer.

Sildenafil

Sildenafil ist der Pionier der Medikamentenklasse. Ursprünglich als Mittel gegen Angina pectoris erforscht, fiel in den Studien der 1990er Jahre eine unerwartete Nebenwirkung auf: verbesserte Erektionen. Die Wirkung setzt etwa 30 bis 60 Minuten nach der Einnahme ein und hält 4 bis 6 Stunden an. Verfügbar sind Dosierungen von 25 mg, 50 mg und 100 mg. Seit Ablauf des Patents bieten viele Hersteller das Potenzmittel Sildenafil als Generikum an, mit identischem Wirkstoff und deutlich geringerem Preis.

Tadalafil

Tadalafil (Cialis) ist der Langstreckenläufer unter den PDE-5-Hemmern. Der Wirkeintritt liegt ebenfalls bei 30 bis 60 Minuten, die Wirkdauer reicht jedoch bis zu 36 Stunden. Dieses Zeitfenster hat dem Präparat den Beinamen Wochenend-Pille eingebracht. Es gibt Tadalafil in 2,5 mg, 5 mg, 10 mg und 20 mg. Die niedrigen Dosierungen sind für die tägliche Anwendung gedacht. Zusätzlich ist Tadalafil zur Behandlung von Beschwerden bei gutartiger Prostatavergrößerung zugelassen.

Vardenafil

Vardenafil (Levitra) ähnelt Sildenafil in Struktur und Profil. Die Wirkung beginnt nach 25 bis 60 Minuten, bei manchen Männern laut Studien schon nach 10 bis 15 Minuten, und hält üblicherweise 4 bis 6 Stunden an. Klinische Daten zeigen, dass der Effekt bei einigen Anwendern 8 bis 12 Stunden bestehen bleibt. 

Erhältlich ist Vardenafil in 5 mg, 10 mg und 20 mg, auch als Schmelztablette, die ohne Wasser im Mund zergeht.

Avanafil

Avanafil (Spedra) ist der jüngste Vertreter und seit 2013 in der EU zugelassen. Sein Vorteil liegt im schnellen Wirkeintritt: Bereits 15 bis 30 Minuten nach der Einnahme kann die Wirkung einsetzen, die Wirkdauer beträgt 4 bis 6 Stunden. Das Molekül bindet außerdem selektiver an die Phosphodiesterase 5 als ältere Wirkstoffe, wodurch bestimmte Nebenwirkungen wie Sehstörungen seltener auftreten. [3]

Unterschiede zwischen den einzelnen PDE-5-Hemmern

Im direkten PDE-5-Hemmer-Vergleich fallen zwei Größen besonders ins Gewicht: wie schnell ein Wirkstoff anflutet und wie lange er im Körper aktiv bleibt. Beides ergibt sich aus der Halbwertszeit der Substanz.


Wirkungseintritt

Wirkdauer

Sildenafil (Viagra)

30 bis 60 Min.

4 bis 6 Std.

Tadalafil (Cialis)

30 bis 60 Min.

bis zu 36 Std.

Vardenafil (Levitra)

25 bis 60 Min.*

4 bis 6 Std.**

Avanafil (Spedra)

15 bis 30 Min.

4 bis 6 Std.

*Studien zeigen, dass Vardenafil bei manchen Männern bereits nach 10 bis 15 Minuten zu wirken beginnt. [12]
* * Klinische Studien zeigen jedoch, dass Vardenafil bei manchen Männern bis 8 Stunden lang wirksam bleiben kann. [13]

Ein weiterer Punkt: Die Selektivität unterscheidet sich. Sildenafil und Vardenafil hemmen in geringem Maß auch die PDE-6 in der Netzhaut, was die typische Blaufärbung des Sehens erklärt. Tadalafil bindet zusätzlich an die PDE-11 in Muskulatur und Hoden, vermutlich die Ursache für gelegentliche Rückenschmerzen. [4] Die Unterschiede der PDE-5-Hemmer betreffen also nicht nur die Uhr, sondern auch das Nebenwirkungsprofil.

Welcher PDE-5-Hemmer ist der richtige?

Es gibt keinen objektiv besten Wirkstoff, sondern nur den passenden für eine bestimmte Lebenssituation. Die Frage nach dem besten Potenzmittel lässt sich deshalb erst beantworten, wenn klar ist, wie und wie oft die Sexualität im Alltag stattfindet.

Für spontane sexuelle Aktivität

Wer ungeplanten Geschlechtsverkehr bevorzugt, profitiert vom schnellen Wirkeintritt von Avanafil. 15 bis 30 Minuten Vorlauf sind im Alltag leichter unterzubringen als eine Stunde. Auch Vardenafil als Schmelztablette wird von manchen Männern aus diesem Grund gewählt.

Für eine längere Wirkungsdauer

Tadalafil deckt mit bis zu 36 Stunden ein ganzes Wochenende ab. Das nimmt den Zeitdruck aus der Einnahme und wird in Befragungen oft als Grund genannt, warum Männer von Sildenafil wechseln. 

Für Paare, die nicht planen möchten, wann genau es zum Sex kommt, ist das der wichtigste Unterschied.

Für die tägliche Einnahme

Wer mehr als zweimal pro Woche sexuell aktiv ist, für den kann Tadalafil zur täglichen Einnahme in 2,5-mg- oder 5-mg-Dosierungen die bessere Lösung sein. Der Wirkstoffspiegel bleibt konstant, die Erektionsfähigkeit ist jederzeit verfügbar, und die Tablette wird nicht mehr mit dem Sex selbst verknüpft. Viele Männer empfinden das als Entlastung.

Welche Faktoren sollten bei der Auswahl berücksichtigt werden?

Neben dem Lebensstil fließen medizinische Aspekte in die Entscheidung ein:

  • Begleiterkrankungen: Bei gutartiger Prostatavergrößerung bietet sich Tadalafil an, da es beide Beschwerden behandelt.
  • Andere Medikamente: Bestimmte Wechselwirkungen schließen einzelne Wirkstoffe aus.
  • Verträglichkeit: Wer unter Sildenafil Sehstörungen bemerkt, kommt mit Avanafil oder Tadalafil häufig besser zurecht.
  • Kosten: Generika von Sildenafil und Tadalafil sind deutlich günstiger als Originalpräparate.

Ein Arzt/eine Ärztin wägt diese Punkte im Gespräch ab. Ohne diese Einschätzung bleibt die Auswahl ein Ratespiel.

Wie werden PDE-5-Hemmer eingenommen?

Ein Mann im Gespräch mit einem Apotheker

Die Anwendung ist unkompliziert, aber ein paar Regeln entscheiden darüber, ob die Wirkung voll zur Geltung kommt.

Einnahme vor dem Geschlechtsverkehr

Die Tablette wird mit einem Glas Wasser geschluckt, je nach Wirkstoff 15 bis 60 Minuten vor dem geplanten Geschlechtsverkehr. Bei Sildenafil und Vardenafil empfiehlt sich ein leerer oder nur leicht gefüllter Magen. Pro Tag ist maximal eine Einnahme erlaubt, unabhängig davon, ob die Wirkung eingetreten ist oder nicht.

Tägliche Einnahme bestimmter Wirkstoffe

Für die Dauertherapie ist ausschließlich Tadalafil in 2,5 mg oder 5 mg zugelassen. Die Tablette wird jeden Tag etwa zur gleichen Uhrzeit eingenommen. Nach rund fünf Tagen hat sich ein stabiler Wirkstoffspiegel aufgebaut. Die anderen drei Präparate eignen sich nicht für diese Form der Anwendung.

Richtige Dosierung und Anwendungshinweise

Die Startdosis hängt vom Wirkstoff, vom Alter und von Begleiterkrankungen ab. Üblich sind 50 mg Sildenafil, 10 mg Tadalafil, 10 mg Vardenafil oder 100 mg Avanafil. Bei Leber- oder Nierenschwäche sowie ab etwa 65 Jahren wird oft niedriger begonnen. 

Eine Dosissteigerung gehört in ärztliche Hände, ebenso der Wechsel zwischen den Wirkstoffen. Was sich dagegen nicht lohnt: die Dosis eigenmächtig zu verdoppeln, wenn die erste Tablette nicht gewirkt hat. Das erhöht vor allem das Risiko für Nebenwirkungen.

Wie wirksam sind PDE-5-Hemmer?

Die Wirksamkeit der PDE-5-Inhibitoren ist gut belegt. Es berichteten je nach Wirkstoff und Dosis 60 bis 70 Prozent der Männer über verbesserte Erektionen, verglichen mit etwa 25 bis 30 Prozent unter Placebo. [2]  Der Anteil erfolgreicher Versuche, also tatsächlich vollzogener Geschlechtsverkehr, lag in diesen Studien bei rund zwei Dritteln. [5]

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens: Die Erfolgsquote sinkt bei schweren Grunderkrankungen. Nach radikaler Prostatektomie oder bei langjährigem Diabetes sprechen deutlich weniger Männer auf die Therapie an.

Zweitens: Im direkten Vergleich der vier Wirkstoffe untereinander wurden keine starken Unterschiede in der Wirksamkeit ermittelt, wohl aber in Verträglichkeit und Patientenpräferenz. [6]

Wer also mit einem Präparat nicht zufrieden ist, sollte eher an der Dosis, dem Timing oder der Wahl des Wirkstoffs ansetzen als an der Medikamentenklasse zweifeln.

Nebenwirkungen von PDE-5-Hemmern

Die PDE-5-Hemmer-Nebenwirkungen erklären sich fast vollständig aus dem Wirkungsmechanismus: Wo Blutgefäße sich weiten, wird mehr durchblutet, auch außerhalb des Penis.

Häufige Nebenwirkungen

In den Zulassungsstudien traten folgende Beschwerden am häufigsten auf, meist mild bis mäßig ausgeprägt und von selbst abklingend:

  • Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten Nebenwirkungen von PDE-5-Hemmern. Wie häufig sie auftreten, hängt unter anderem vom Wirkstoff und der Dosis ab.
  • Gesichtsrötung (Flush)
  • Verstopfte Nase
  • Sodbrennen und Verdauungsbeschwerden
  • Schwindel
  • Rückenschmerzen und Muskelschmerzen (vor allem bei Tadalafil)
  • Sehstörungen wie Blaustich oder Lichtempfindlichkeit (vor allem bei Sildenafil und Vardenafil) [7]

Alle diese Effekte sind dosisabhängig. Wer sie als störend empfindet, kommt mit einer niedrigeren Dosis oder einem Wechsel des Wirkstoffs oft besser zurecht.

Seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkungen

Selten, aber ernst zu nehmen sind drei Komplikationen. Eine Dauererektion über mehr als vier Stunden (Priapismus) ist ein Notfall, weil das Gewebe des Schwellkörpers Schaden nimmt. Ein plötzlicher Seh- oder Hörverlust auf einem Auge oder Ohr erfordert ebenfalls sofort ärztliche Hilfe. Ob ein ursächlicher Zusammenhang zwischen PDE-5-Hemmern und der Sehnervschädigung NAION besteht, ist nicht abschließend geklärt. Eine Studie deutet jedoch auf ein etwa verdoppeltes, aber insgesamt sehr seltenes Risiko hin. [8] Der dritte Punkt betrifft das Herz: Nicht die Tablette selbst, sondern die körperliche Anstrengung beim Sex kann bei instabiler Herzerkrankung zum Problem werden.

Wer sollte PDE-5-Hemmer nicht einnehmen?

Für eine Reihe von Männern kommen die PDE-5-Hemmer-Medikamente nicht infrage oder nur unter engmaschiger Kontrolle.

Gegenanzeigen

Die wichtigste Gegenanzeige ist die gleichzeitige Einnahme von Nitraten, etwa Nitroglycerin-Spray oder Molsidomin bei Angina pectoris. Beide Substanzen senken den Blutdruck, in Kombination kann er lebensbedrohlich abfallen. [9]

Dasselbe gilt für den Wirkstoff Riociguat gegen Lungenhochdruck. Ausgeschlossen sind außerdem Männer mit schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bei denen Sex grundsätzlich nicht empfohlen wird, etwa nach einem Herzinfarkt in den letzten 3 Monaten oder Schlaganfall in den letzten sechs Monaten, bei instabiler Angina pectoris oder schwerer Herzinsuffizienz.

Auch ein sehr niedriger oder unkontrolliert hoher Blutdruck, schwere Leberfunktionsstörungen und bestimmte erbliche Netzhauterkrankungen sprechen gegen die Anwendung.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Neben Nitraten sind vor allem zwei Gruppen von Bedeutung:

  • Alphablocker gegen Prostatabeschwerden oder Bluthochdruck (z. B. Tamsulosin, Doxazosin): Sie verstärken den blutdrucksenkenden Effekt. Ein zeitlicher Abstand und eine stabile Einstellung auf den Alphablocker sind Voraussetzung.
  • CYP3A4-Hemmer wie Ketoconazol, Ritonavir, Clarithromycin oder Erythromycin: Sie bremsen den Abbau der PDE-5-Inhibitoren in der Leber, der Wirkstoffspiegel steigt, die Dosis muss gesenkt werden. Auch Grapefruitsaft gehört zu dieser Gruppe.

Besondere Vorsichtsmaßnahmen

Männer mit Blutgerinnungsstörungen, aktiven Magengeschwüren oder anatomischen Veränderungen des Penis wie der Induratio penis plastica brauchen eine individuelle Einschätzung. Bei Sichelzellanämie, Leukämie oder multiplem Myelom ist das Risiko für einen Priapismus erhöht. Wer eine Nierenfunktionsstörung hat, startet mit niedriger Dosis.

PDE-5-Hemmer und Alkohol

Mann, der Whisky trinkt

Ein Glas Wein zum Abendessen ist für die meisten Männer kein Hindernis für die Einnahme. Die Frage ist eher, wo die Grenze liegt.

Ist Alkoholkonsum erlaubt?

In moderaten Mengen ja. Die Fachinformationen verbieten Alkohol nicht, sie warnen vor größeren Mengen. Beide Substanzen weiten die Blutgefäße, in Kombination kann der Blutdruck stärker abfallen, mit Schwindel und Herzklopfen als Folge. 

Kann Alkohol die Wirkung beeinflussen?

Ja, aber nicht über die Tablette, sondern über den Körper. Alkohol dämpft das Nervensystem und verringert die Freisetzung von Stickstoffmonoxid. Ab einer gewissen Menge fehlt damit genau der Startimpuls, den die PDE-5-Hemmer verstärken sollen. Das Ergebnis: Die Tablette wirkt, aber die Erektion bleibt aus. Wer Alkohol trinkt, sollte es bei ein bis zwei Gläsern belassen.

Kann man PDE-5-Inhibitoren rezeptfrei kaufen?

Nein. PDE-5-Hemmer sind in Deutschland verschreibungspflichtig, und daran wird sich auf absehbare Zeit nichts ändern. Ein Antrag, Sildenafil aus der Rezeptpflicht zu entlassen, wurde vom zuständigen Sachverständigenausschuss abgelehnt. [10]

Verschreibungspflicht in Deutschland

Der Grund liegt in den oben beschriebenen Gegenanzeigen. Ein Arzt/eine Ärztin muss ausschließen, dass Nitrate eingenommen werden oder eine Herzerkrankung vorliegt, bevor ein Rezept ausgestellt wird. Zudem sind Erektionsstörungen oft ein frühes Warnsignal für Gefäßerkrankungen. Eine Abklärung der Ursachen nützt dem Mann also über die Potenz hinaus. 

In Großbritannien ist Sildenafil seit 2018 nach einem Beratungsgespräch in der Apotheke ohne Rezept erhältlich, in Deutschland gibt es diese Option nicht.

Risiken beim Kauf ohne Rezept

Angebote für PDE-5-Hemmer rezeptfrei oder PDE-5-Hemmer ohne Rezept stammen fast immer aus illegalen Quellen. Analysen beschlagnahmter Potenzmittel zeigen, dass ein großer Teil gefälscht ist: mit zu wenig, zu viel oder gar keinem Wirkstoff, teils mit Verunreinigungen wie Druckerfarbe, Gips oder anderen Arzneistoffen. [11] Wer PDE-5-Hemmer rezeptfrei kaufen möchte, setzt sich damit einem doppelten Risiko aus: dem der Fälschung und dem der fehlenden medizinischen Prüfung.

Worauf beim Online-Kauf geachtet werden sollte

Wer PDE-5-Hemmer online kaufen möchte, hat in Deutschland einen legalen Weg: Online-Plattformen, die ein ärztliches Rezept über einen medizinischen Fragebogen ausstellen und die Medikamente über eine in der EU registrierte Apotheke versenden. Seriöse Anbieter erkennt man an folgenden Merkmalen:

  • Ein medizinischer Fragebogen wird vor der Bestellung ausgefüllt und von einem Arzt/einer Ärztin geprüft.
  • Das EU-Sicherheitslogo für den Versandhandel mit Arzneimitteln ist auf der Website verlinkt.
  • Der Preis liegt nicht auffällig unter dem Marktniveau.
  • Ein Impressum mit vollständiger Anschrift ist vorhanden.

Auf diesem Weg lässt sich etwa Viagra online kaufen, ohne die Wartezeit auf einen Praxistermin, aber mit ärztlicher Kontrolle.

Gibt es natürliche Alternativen zu PDE-5-Hemmern?

Die Suche nach einer PDE-5-Hemmer-Alternative ist verständlich, gerade wenn Gegenanzeigen bestehen. Die Evidenz ist allerdings deutlich dünner als bei den zugelassenen Wirkstoffen.

Natürliche PDE-5-Hemmer

Als natürliche PDE-5-Hemmer werden häufig Ginseng, Ginkgo und Epimedium (Horny Goat Weed) beworben. Für koreanischen roten Ginseng gibt es kleine kontrollierte Studien mit moderatem Effekt, die Datenlage reicht aber nicht für eine Empfehlung als Ersatz. 

Yohimbin aus der Rinde des Yohimbe-Baums war vor der Viagra-Ära ein gängiges Mittel, ist in Deutschland jedoch ebenfalls verschreibungspflichtig und wegen Nebenwirkungen wie Herzrasen und Angstzuständen in den Hintergrund getreten.

Nahrungsergänzungsmittel

Ein Tisch, auf dem Tabletten und Kräuter liegen

L-Arginin und L-Citrullin liefern dem Körper Bausteine für Stickstoffmonoxid. In einzelnen Studien verbesserte sich die Erektionshärte bei leichter erektiler Dysfunktion, vor allem in Kombination mit PDE-5-Hemmern in niedriger Dosis. 

Als alleinige Therapie bei mittelschwerer bis schwerer ED reichen sie nicht aus. Wer nach Alternativen zu Sildenafil sucht, landet medizinisch meist wieder bei einem anderen Wirkstoff derselben Klasse.

Erektionshilfen

Die Vakuumpumpe ist die am besten belegte nichtmedikamentöse Option. Sie erzeugt einen Unterdruck, der Blut in den Penis zieht; ein anschließend angelegter Penisring hält die Erektion. Die Methode funktioniert unabhängig von Nerven und Gefäßen, erfordert aber Übung und wird von vielen Paaren als wenig spontan empfunden. 

Für Männer, die PDE-5-Hemmer nicht einnehmen dürfen, ist sie neben Injektionstherapien die wichtigste Alternative, um die ED behandeln zu können.

Fazit

PDE-5-Hemmer sind seit über 25 Jahren der Standard in der Behandlung der erektilen Dysfunktion, weil sie einen körpereigenen Vorgang verstärken statt ihn zu ersetzen. Die Wahl zwischen Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil und Avanafil richtet sich nach Lebensstil, Begleiterkrankungen und Verträglichkeit, nicht nach einem Ranking.

Häufig gestellte Fragen

Die folgenden Antworten fassen die Punkte zusammen, die Männer vor der ersten Einnahme am häufigsten beschäftigen.

Was sind PDE-5-Hemmer?

PDE-5-Hemmer sind Medikamente, die das Enzym Phosphodiesterase 5 blockieren. Dadurch bleibt der Botenstoff cGMP länger aktiv, die Schwellkörper entspannen sich und die Durchblutung des Penis nimmt bei sexueller Erregung zu.

Welche PDE-5-Hemmer gibt es?

In Deutschland sind vier Wirkstoffe zugelassen: Sildenafil (Viagra), Tadalafil (Cialis), Vardenafil (Levitra) und Avanafil (Spedra). Alle sind auch als Generika erhältlich.

Welcher PDE-5-Hemmer wirkt am längsten?

Tadalafil mit einer Wirkdauer von bis zu 36 Stunden. Die anderen drei Wirkstoffe wirken 4 bis 6 Stunden, Vardenafil bei manchen Männern bis zu 12 Stunden.

Welcher PDE-5-Hemmer wirkt am schnellsten?

Avanafil mit einem Wirkeintritt von 15 bis 30 Minuten. Vardenafil kann bei einigen Anwendern schon nach 10 bis 15 Minuten wirken, üblicherweise dauert es 25 bis 60 Minuten.

Kann man PDE-5-Hemmer ohne Rezept kaufen?

Nein, in Deutschland sind alle vier Wirkstoffe verschreibungspflichtig. Angebote für PDE-5-Hemmer ohne Rezept sind illegal und häufig Fälschungen. Legal ist der Weg über Online-Plattformen mit ärztlichem Fragebogen und Rezept.

Wie lange halten PDE-5-Hemmer an?

Je nach Wirkstoff 4 bis 6 Stunden (Sildenafil, Vardenafil, Avanafil) oder bis zu 36 Stunden (Tadalafil). Gemeint ist das Zeitfenster, in dem eine Erektion bei Stimulation leichter zustande kommt, nicht die Dauer der Erektion selbst.

Dürfen PDE-5-Hemmer zusammen mit Alkohol eingenommen werden?

Kleine Mengen sind unproblematisch. Größere Mengen senken den Blutdruck zusätzlich und hemmen die Erektion über das Nervensystem, sodass die Tablette ins Leere läuft.

Was passiert, wenn PDE-5-Hemmer nicht wirken?

Zuerst sollten Dosis, Timing und Mahlzeiten überprüft werden, bei Sildenafil etwa die Einnahme auf leeren Magen. Bleibt die Wirkung nach mehreren Versuchen aus, kommen ein Wechsel des Wirkstoffs, die tägliche Einnahme von Tadalafil oder andere Verfahren wie Vakuumpumpe oder Schwellkörperinjektion infrage. Die Entscheidung trifft der Arzt/die Ärztin nach Abklärung der Ursachen.

    1. Feldman HA, Goldstein I, Hatzichristou DG, Krane RJ, McKinlay JB. Impotence and its medical and psychosocial correlates: results of the Massachusetts Male Aging Study. J Urol. 1994;151(1):54-61. https://doi.org/10.1016/s0022-5347(17)34871-1
    2. Ferguson JE 3rd, Carson CC 3rd. Phosphodiesterase type 5 inhibitors as a treatment for erectile dysfunction: current information and new horizons. Arab J Urol. 2013;11(3):222-229. https://doi.org/10.1016/j.aju.2013.07.009
    3. Wang R, Burnett AL, Heller WH, et al. Selectivity of avanafil, a PDE5 inhibitor for the treatment of erectile dysfunction: implications for clinical safety and improved tolerability. J Sex Med. 2012;9(8):2122-2129. https://doi.org/10.1111/j.1743-6109.2012.02822.x
    4. Huang SA, Lie JD. Phosphodiesterase-5 (PDE5) inhibitors in the management of erectile dysfunction. P T. 2013;38(7):407-419. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3776492/
    5. Goldstein I, Lue TF, Padma-Nathan H, Rosen RC, Steers WD, Wicker PA. Oral sildenafil in the treatment of erectile dysfunction. N Engl J Med. 1998;338(20):1397-1404. https://doi.org/10.1056/NEJM199805143382001
    6. Chen L, Staubli SE, Schneider MP, et al. Phosphodiesterase 5 inhibitors for the treatment of erectile dysfunction: a trade-off network meta-analysis. Eur Urol. 2015;68(4):674-680. https://doi.org/10.1016/j.eururo.2015.03.031
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    10. Deutsches Ärzteblatt. Sildenafil bleibt verschreibungspflichtig. Deutsches Ärzteblatt. 11. Juli 2023. https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/144507/Sildenafil-bleibt-verschreibungspflichtig
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    12. Debruyne FM, Gittelman M, Sperling H, Börner M, Beneke M. Time to onset of action of vardenafil: a retrospective analysis of the pivotal trials for the orodispersible and film-coated tablet formulations. J Sex Med. 2011;8(10):2912-2923. doi: 10.1111/j.1743-6109.2011.02462.x
    13. Porst H, Sharlip ID, Hatzichristou D, et al. Extended duration of efficacy of vardenafil when taken 8 hours before intercourse: a randomized, double-blind, placebo-controlled study. Eur Urol. 2006;50(5):1086-1095.
      doi: 10.1016/j.eururo.2006.05.036

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