Das sind die größten Mythen
Erektionsstörungen sind ein Thema, über das viele Männer nicht gerne offen sprechen, aus Angst vor Stigmatisierung. Dabei sind in Deutschland schätzungsweise 6–8 Millionen Männer von der Erkrankung betroffen.[1] Wie bei vielen Tabuthemen ranken sich auch um Erektionsstörungen zahlreiche Mythen im Internet, weshalb es schwerfallen kann, zwischen Mythos und wissenschaftlich belegtem Fakt zu unterscheiden. Eine wirksame Behandlung von Erektionsstörungen bei Männern lässt sich nur durch ein realistisches Verständnis der Ursachen, des Verlaufs und der Auswirkungen dieser Erkrankung erreichen.
Mythos 1: Enge Unterhosen führen zu Erektionsstörungen
Fakt: Forschungsstudien der Harvard T.H. Chan School of Public Health haben einen Zusammenhang zwischen enger Kleidung und einer geringeren Spermienzahl gezeigt. Dies ist vermutlich auf die erhöhte Temperatur der Hoden bei engem Anliegen am Körper zurückzuführen. Ein wissenschaftlicher Beleg für einen Zusammenhang zwischen enger Unterwäsche und Erektionsstörungen liegt bislang jedoch nicht vor.[2]
Mythos 2: Radfahren macht impotent
Fakt: Die Vorstellung, dass Radfahren generell impotent macht, hält sich hartnäckig, ist aber differenzierter zu betrachten als oft dargestellt. Eine aktuelle Metaanalyse aus dem Jahr 2026, die Daten von rund 4.700 Radfahrern und knapp 2.900 Nicht-Radfahrern zusammenfasste, fand keinen statistisch signifikanten Unterschied in der Häufigkeit von Erektionsstörungen zwischen beiden Gruppen.[3]
Ein systematisches Review aus dem Jahr 2021 weist allerdings darauf hin, dass anhaltender Druck des Fahrradsattels im Dammbereich zu Taubheitsgefühlen führen kann, was bei intensivem oder falsch eingestelltem Fahrradfahren mit einem erhöhten Risiko für vorübergehende Erektionsprobleme in Verbindung gebracht wurde.[4]
Ein breiter, gut gepolsterter Sattel sowie regelmäßige Fahrpausen können das Risiko für Druckbeschwerden im Dammbereich reduzieren.
Mythos 3: Erektile Dysfunktion ist kein „richtiges" Gesundheitsproblem
Fakt: Erektionsstörungen sind eine anerkannte Erkrankung, die die Lebensqualität und das emotionale Wohlbefinden eines Mannes erheblich beeinträchtigen kann. In einigen Fällen tritt ED sekundär zu einer kardiometabolischen Grunderkrankung wie Diabetes, Gefäßstörungen, Bluthochdruck oder Dyslipidämie auf.[5] Diese Erkrankungen können den Blutfluss und die Nervenfunktion beeinträchtigen, die beide für eine normale Erektionsfähigkeit entscheidend sind. Fachliteratur ordnet Erektionsstörungen daher zunehmend auch als möglichen Frühindikator für zugrundeliegende Herz-Kreislauf-Probleme ein. Das ist ein zusätzlicher Grund, das Symptom ärztlich abklären zu lassen, statt es zu ignorieren.
Mythos 4: Erektionsstörungen sind rein psychisch bedingt

Fakt: Früher wurde häufig zwischen rein „körperlich" oder rein „psychisch" bedingter erektiler Dysfunktion unterschieden. Die deutsche Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Libido- und Erektionsstörungen weist jedoch darauf hin, dass diese strikt trennende Einteilung der komplexen Realität nicht gerecht wird. Körperliche und psychische Faktoren wirken bei vielen Betroffenen zusammen. [6] Auch bei jüngeren Männern, bei denen psychische Ursachen wie Stress, Ängste oder Depressionen häufiger eine Rolle spielen, liegt Studien zufolge bei einem relevanten Anteil zusätzlich eine körperliche Komponente vor.[7] Ein Selbsttest für Erektionsstörungen kann ein erster Schritt sein, um die tatsächlichen Ursachen einzugrenzen.
Mythos 5: Nur ältere Männer sind von Erektionsstörungen betroffen
Fakt: Es stimmt, dass ältere Männer häufiger an Erektionsstörungen leiden, es handelt sich jedoch um ein Symptom, das Männer jeden Alters betreffen kann. Schätzungen zufolge sind 10 bis 15 % der Männer unter 40 Jahren betroffen.[1] Studien deuten darauf hin, dass bei mindestens 15–20 % der jüngeren Betroffenen eine körperliche Ursache vorliegt.[7]
Mythos 6: Männer mit Erektionsstörungen haben kein sexuelles Verlangen
Fakt: Sexuelles Verlangen und Erektionsfähigkeit sind nicht dasselbe. Ein Mann kann Lust auf Sex haben und trotzdem Schwierigkeiten haben, eine ausreichende Erektion zu bekommen oder aufrechtzuerhalten. Umgekehrt können Erkrankungen oder psychische Faktoren, die mit Erektionsstörungen zusammenhängen, gleichzeitig die Libido beeinflussen. Dazu gehören beispielsweise ein Testosteronmangel, Diabetes oder Depressionen. [8,9]
Mythos 7: Erektionsstörungen beheben ist unmöglich

Fakt: Erektile Dysfunktion ist heutzutage in vielen Fällen gut behandelbar. Entscheidend ist, die zugrundeliegende Ursache zu erkennen. In Studien zeigten sich PDE-5-Hemmer bei etwa 70 % der behandelten Männer wirksam.[10] Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind unter anderem mechanische Hilfen wie eine Vakuumpumpe, Psychotherapie oder eine nachhaltige Veränderung des Lebensstils, etwa durch regelmäßige körperliche Aktivität, die den Blutfluss in den Schwellkörper begünstigen kann. Sollten konservative Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg zeigen, kann in bestimmten Fällen auch ein chirurgischer Eingriff eine Option sein, zum Beispiel die Implantation einer Penisprothese. Welche Behandlung im Einzelfall geeignet ist, entscheidet immer der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin nach individueller Untersuchung.
Behandlungsoptionen im Überblick
|
Behandlung |
Ansatzpunkt |
Für wen typischerweise geeignet |
|---|---|---|
|
PDE-5-Hemmer (z. B. Sildenafil, Tadalafil) |
Verbessert die Durchblutung des Penis bei sexueller Stimulation |
Erste Wahl bei den meisten Formen der ED, rezeptpflichtig |
|
Vakuumpumpe |
Erzeugt mechanisch eine Erektion durch Unterdruck |
Männer, bei denen Medikamente nicht infrage kommen oder nicht wirken |
|
Psychotherapie / Sexualberatung |
Bearbeitet psychische Auslöser wie Stress, Angst oder Beziehungsprobleme |
Fälle mit überwiegend psychogener Ursache |
|
Lebensstiländerung |
Verbessert Gefäßgesundheit und Durchblutung langfristig |
Begleitend bei nahezu allen Formen der ED |
|
Penisprothese (chirurgisch) |
Ermöglicht mechanisch eine Erektion |
Nur bei ausbleibendem Erfolg konservativer Maßnahmen |
Welche Option im Einzelfall infrage kommt, klärt ausschließlich eine ärztliche Untersuchung.
Suchanfragen für Viagra nach Region in Deutschland (2020–2024)
Der Apomeds-Experte Dr. Marcus Horstmann kommentiert:
„Die hohen Suchanfragen nach Viagra, unter anderem im einwohnerstärksten Bundesland Nordrhein-Westfalen, zeigen ein großes Bewusstsein für Erektionsstörungen. Allerdings zögern viele Männer, professionelle Hilfe zu suchen, was entsprechend zu einem Anstieg von Internet-Recherchen führt. Dies zeigte sich auch in unserer Online-Umfrage: Unter denjenigen, die bereits einmal von Erektionsstörungen betroffen waren, kauften 39 Prozent rezeptfreie Potenzmittel im Internet. Der Gang zum Arzt oder zur Ärztin ist heutzutage leider immer noch ein schwieriges Thema."
Fazit
Um Erektionsstörungen kursieren viele hartnäckige Mythen, von der engen Unterhose bis zum Fahrrad im Keller. Was die meisten Irrtümer gemeinsam haben: Sie lenken davon ab, dass ED ein ernstzunehmendes, weit verbreitetes und in vielen Fällen gut behandelbares Gesundheitsthema ist, das Männer jeden Alters betreffen kann. Wer Symptome bei sich bemerkt, profitiert in der Regel davon, sie ärztlich abklären zu lassen, nicht zuletzt, weil Erektionsstörungen mitunter auf andere gesundheitliche Zusammenhänge hinweisen können.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter treten Erektionsstörungen häufiger auf?
Erektionsstörungen können grundsätzlich in jedem Alter auftreten, die Häufigkeit nimmt jedoch mit steigendem Alter zu. Bereits bei Männern unter 40 Jahren sind Schätzungen zufolge 10 bis 15 % betroffen.[1]
Wann sollte ich wegen Erektionsstörungen zum Arzt oder zur Ärztin?
Halten Erektionsprobleme wiederholt oder über mehrere Wochen an, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll, insbesondere da Erektionsstörungen mitunter mit anderen gesundheitlichen Themen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes zusammenhängen können.[5]
Verschwinden Erektionsstörungen von selbst wieder?
Das ist unterschiedlich und hängt von der Ursache ab. Bei vorübergehenden, stressbedingten Episoden kann sich die Situation von selbst verbessern, bei anhaltenden Beschwerden ist jedoch eine ärztliche Abklärung ratsam, um die Ursache zu bestimmen und passende Behandlungsoptionen zu besprechen.
Ist Viagra in Deutschland rezeptpflichtig?
Ja, Viagra sowie andere PDE-5-Hemmer wie Cialis oder Sildenafil sind in Deutschland verschreibungspflichtig. Über Apomeds kann nach einer ärztlichen Konsultation ein Rezept ausgestellt werden, sofern die Einnahme medizinisch geeignet ist.
Kann Radfahren dauerhaft zu Erektionsstörungen führen?
Aktuelle Metaanalysen finden insgesamt keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Radfahren und dem Auftreten von Erektionsstörungen.[3] Bei sehr intensivem oder langem Radfahren mit ungünstiger Sattelposition wurden jedoch vorübergehende Taubheitsgefühle und in einigen Studien ein erhöhtes ED-Risiko beobachtet.[4]
-
-
Braun M, Wassmer G, Klotz T, Reifenrath B, Mathers M, Engelmann U. Epidemiology of erectile dysfunction: results of the „Cologne Male Survey". Int J Impot Res. 2000;12(6):305–311. doi: 10.1038/sj.ijir.3900622.
-
Mínguez-Alarcón L, Gaskins AJ, Chiu YH, et al. Type of underwear worn and markers of testicular function among men attending a fertility center. Hum Reprod. 2018;33(9):1749-1756. doi:10.1093/humrep/dey259.
-
Cheng S, Dai B, Li B. Cycling and Erectile Dysfunction: A Systematic Review and Meta-Analysis of Observational Studies. Int J Phys Act Health. 2026;5(1), Art. 221. doi:10.18122/ijpah.5.1.221.boisestate.
-
Litwinowicz K, Choroszy M, Wróbel A. Strategies for Reducing the Impact of Cycling on the Perineum in Healthy Males: Systematic Review and Meta-analysis. Sports Med. 2021;51(2):275-287. doi:10.1007/s40279-020-01363-z.
-
Yafi FA, Jenkins L, Albersen M, et al. Erectile dysfunction. Nat Rev Dis Primers. 2016;2:16003. doi:10.1038/nrdp.2016.3
-
Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU). Diagnostik und Therapie von Libido- und Erektionsstörungen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 043/031.
-
Papagiannopoulos D, Khare N, Nehra A. Evaluation of young men with organic erectile dysfunction. Asian J Androl. 2015;17(1):11-16. doi:10.4103/1008-682X.139253.
-
Nakanishi S, Yamane K, Kamei N, Okubo M, Kohno N. Erectile dysfunction is strongly linked with decreased libido in diabetic men. Aging Male. 2004;7(2):113-119. doi:10.1080/13685530412331284713.
-
Rizk PJ, Kohn TP, Pastuszak AW, Khera M. Testosterone therapy improves erectile function and libido in hypogonadal men. Curr Opin Urol. 2017;27(6):511-515. doi:10.1097/MOU.0000000000000442.
-
Park NC, Kim TN, Park HJ. Treatment Strategy for Non-Responders to PDE5 Inhibitors. World J Mens Health. 2013;31(1):31-35. doi:10.5534/wjmh.2013.31.1.31.
-