Vorbeugung wiederholter Blasenentzündungen bei Frauen

Ein bis fünf Prozent aller Frauen leiden unter häufig wiederkehrenden Blasenentzündungen. Wenn mindestens drei Infektionen pro Jahr oder zwei pro Halbjahr auftreten, spricht man von chronisch-rezidivierenden Harnwegsinfektionen. In solchen Fällen ist eine sorgfältige urologische Abklärung zum Ausschluss einer organischen Ursache notwendig. Wird jedoch keine zugrundeliegende behandlungsbedürftige Störung gefunden, so sind vorbeugende Maßnahmen von entscheidender Bedeutung. Alleine durch die Beachtung der im Folgenden beschriebenen Verhaltensempfehlungen und durch einfache medizinische Maßnahmen kann ein Drittel der betroffenen Frauen dauerhaft Infektionen vermeiden.

Was kann man am Trinkverhalten verbessern?

Die Trinkmenge sollte so dosiert werden, dass eine Urinausscheidung von 1,5 Liter pro Tag resultiert. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, sollte man mal über einige Tage seine Urinausscheidung mit einem Messbecher kontrollieren und protokollieren. Wer zu viel trinkt, kann sogar schützende Substanzen im Urin zu sehr verdünnen.

Welche Hygienetipps gibt es?

Die Überraschung gleich vorneweg: Es ist vorwiegend eine übertriebene Intimhygiene, die das schützende Milieu der Scheide stört und damit Blasenentzündungen Vorschub leistet. In der Regel reicht eine Reinigung mit klarem Wasser völlig aus. Duschgels und Intimsprays sollten keinesfalls in der Scheide angewendet werden. Allgemeine Hygienemaßnahmen wie Händewaschen vor dem Toilettenbesuch und eine Abwischtechnik von vorne nach hinten werden empfohlen.

Viele Frauen sind anfällig für Kälte und Nässe

Es ist nicht ganz geklärt, warum viele Frauen durch kalte Füße häufiger Blasenentzündungen bekommen, aber ein Zusammenhang ist bewiesen. Die Theorie dahinter: Bei Kälte zentriert der Körper die Temperatur auf den Körperkern, damit die wichtigen Organe versorgt bleiben. Nicht nur an den Händen und Füßen ziehen sich dann die kleinen Blutgefäße zusammen, auch die Schleimhäute werden schlechter durchblutet. Dadurch kann die Immunabwehr der Blase und Scheide gestört werden.

Welche Rolle spielt Geschlechtsverkehr?

Insbesondere jüngere Frauen klagen häufig über nach dem Geschlechtsverkehr auftretende Blasenentzündungen, insbesondere bei neuen Partnerschaften. Die Empfehlung zur Abstinenz als Vorbeugemaßnahme findet aber in der Regel keine hohe Akzeptanz. Auf Verhütungsmittel mit spermienabtötenden Substanzen (Scheidenzäpfchen, Diaphragma, beschichtete Kondome) sollte verzichtet werden. Auch eine Spirale geht mit erhöhten Infektionsraten einher. Es wird eine Blasenentleerung und eine Reinigung des Genitalbereiches unmittelbar nach dem Koitus empfohlen.

Welche Rolle spielt ein Hormonmangel?

Frauen nach den Wechseljahren erleiden häufiger Blasenentzündungen, weil durch den Hormonmangel die Scheidenschleimhaut schlechter versorgt wird und so die Abwehrmechanismen gegen Bakterien schwächer werden. Außerdem kann in der Blase verbleibender Restharn Infektionen begünstigen. Es ist nachgewiesen, dass durch die Gabe von hormonhaltigen Scheidenzäpfchen etwa zweimal pro Woche die Rate an Harnwegsinfektionen gesenkt werden kann. Relevante Nebenwirkungen und insbesondere ein erhöhtes Brustkrebsrisiko treten dabei nicht auf. Eine regelmäßige frauenärztliche Kontrolle wird ohnehin angeraten.

Wie sieht es mit Ernährung aus?

Man weiß, dass Übergewicht mit einem erhöhten Risiko für Harnwegsinfektionen einhergeht. Gewichtsregulation ist also sinnvoll. Spezielle Nahrungsmittel zum Schutz vor Blasenentzündungen gibt es nicht, allerdings sind Milchprodukte mit probiotischen Bakterien zu empfehlen. Auch eine orale Gabe von Laktobazillen als Probiotika wird empfohlen. An der Scheide sorgen diese Laktobakterien für eine Normalisierung des pH-Wertes und verhindern so die Ansiedlung der für die Blasenentzündung ursächlichen Bakterien.

Gibt es pflanzliche Mittel?

Der regelmäßige Genuss von Fruchtsäften, insbesondere aus Beeren, senkt die Infektionsrate. Weiterhin wird eine Vielzahl pflanzlicher Präparate in unterschiedlichen Zusammensetzungen und Wirkkonzentrationen angeboten. Die Studienlage ist allerdings sehr uneinheitlich. Positive Effekte wurden nachgewiesen für Bärentraubenblätter und Löwenzahnwurzel, Kapuzinerkresse mit Meerrettich sowie die Kombination aus Tausendgüldenkraut, Liebstöckel und Rosmarin. Auch pflanzliche Mittel wie Bärentraubenblätter können im Langzeiteinsatz Nebenwirkungen wie beispielsweise Leberschäden verursachen.

Und was ist mit Cranberry?

Cranberry-Saft kann durch einen hohen Gehalt an sogenannten Proanthocyanidinen und Fruktose die Bindungsfähigkeit der E. coli-Bakterien an der Blasenschleimhaut vermindern. Wenn die Bakterien sich nicht festhalten können, werden sie ausgespült. Es gibt Cranberry auch als Extrakte in Kapseln oder als Granulat. Ein ähnliches Wirkprinzip hat der natürliche Zuckerstoff D-Mannose. Er besetzt die Bindungsstellen der Bakterien, so dass diese nicht mehr an den Schleimhautzellen der Blase andocken können und dann ausgeschwemmt werden. Es wird eine Dosierung von zwei Gramm täglich empfohlen.

Kann man mit Antibiotika vorbeugen?

Ja! Die Antibiotikaprophylaxe gilt als die effektivste Methode zur Vermeidung wiederholter Harnwegsinfekte. Mit einer niedrig dosierten Dauertherapie oder einer Einmalgabe nach dem Geschlechtsverkehr kann die Infektrate um bis zu 95 Prozent gesenkt werden. Empfohlene Wirkstoffe sind Nitrofurantoin, Trimethoprim, Cotrimoxazol und Fosfomycin. Cephalosporine oder Fluorchinolone sollten nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden. Einschränkungen gibt es durch mögliche Unverträglichkeiten und Nebenwirkungen sowie eine zunehmende Resistenzentwicklung der Bakterien.

Kann man gegen Blasenentzündungen impfen?

Ja! Es gibt eine Schluckimpfung gegen Zellwandbestandteile der Bakterien. Diese ist unter dem Handelsnamen Uro-Vaxom® erhältlich. Damit wird das Immunsystem gegen die 18 häufigsten Stämme des Bakteriums Escherichia coli aktiviert. Die Wirksamkeit ist in Studien bestätigt. Innerhalb von sechs bis zwölf Monaten kann so die durchschnittliche Anzahl an Rückfällen um knapp 40 Prozent reduziert werden. Bereits während der akuten Infektphase kann die Impfung begonnen werden und sollte auch bei Auftreten einer Blasenentzündung während der Therapue nicht unterbrochen werden. Die Basisbehandlung dauert 3 Monate. Nach einem halben Jahr Pause wird dann an drei aufeinanderfolgenden Monaten eine Auffrischung für jeweils zehn Tage empfohlen, die bei weiteren Infekten jeweils nach dreimonatigem therapiefreiem Intervall wiederholt werden kann.

Weiterhin gibt es noch einen Impfstoff als Spritze, der 109 inaktivierte Erreger von Blasenentzündungen enthält und unter dem Handelsnamen Strovac® erhältlich ist. Er wird dreimal in ein- bis zweiwöchentlichen Abständen in den Muskel am Oberarm verabreicht. Nach einem Jahr kann eine Auffrischungsimpfung erfolgen. Die Erfolgsrate ist laut Studien mindestens genauso hoch wie bei Uro-Vaxom®. Es treten allerdings etwas häufiger Nebenwirkungen wie Immunreaktionen oder Reizungen an der Einstichstelle auf.

Und wenn das alles nicht hilft?

Letztlich kann die Blasenschleimhaut auch durch Blasenspülungen aufgebaut werden. Schützende Stoffe wie Hyaluronsäure und Chondroitinsulfat werden dabei über einen Katheter direkt in die Blase gegeben, wo sie mindestens 30 Minuten verbleiben sollten. In der Regel wird die Instillation durch den Arzt vorgenommen. Patienten, die Erfahrung in der Selbstkatheterisierung haben, können die Anwendung auch selbstständig zu Hause durchführen.

Quellen:

  • Vahlensieck W, Bauer H, Piechota H, Ludwig M, Wagenlehner F: Rezidivierende Harnwegsinfektionen: Wie vermeiden und behandeln? Dtsch Arztebl 2015; 112(37): [16]
  • Grabe M, Bartoletti R, Bjerklund-Johansen TE, Cek HM, Pickard RS, Tenke P, Wagenlehner F, Wullt B: Guidelines on Urological Infections. EAU Guidelines 2014.
  • Ludwig M, Hoyme UB, Weidner W: Rezidivierende Harnwegsinfektionen der Frau - Antibiotische Langzeitprophylaxe. Urologe 2006; 45: 436-42
  • Piechota H: Rezidivierende Harnwegsinfektionen der Frau. Der Allgemeinarzt 2013; 35: 13-8.
  • Vahlensieck W jr.: Prophylaxemaßnahmen bei rezidivierenden Harnwegsinfektionen. In: Hofstetter A (Hrsg.) Urogenitale Infektionen. Springer Berlin Heidelberg New York 1999: 215-39
  • Vahlensieck W, Bauer H-W: Vorbeugende Therapie chronisch rezidivierender Harnwegsinfektionen (rHWI). Med Welt 2012; 63: 185-90.

Medizinisch geprüft von:

Dr. Christoph Pies

Dr. med. Christoph Pies, Jahrgang 1970, studierte Medizin in Bochum und Düsseldorf, bevor er in einer Kölner Klinik seine Berufung zum Urologen fand. Auslandsaufenthalte führten ihn in Kliniken in der Schweiz und den USA (Houston, New York, Los Angeles). Nach seiner Facharztausbildung und Oberarzttätigkeit wurde er 2004 niedergelassener Urologe in der Nähe von Aachen. Er verfügt über die Zusatzbezeichnungen Andrologie und Medikamentöse Tumortherapie. Dr. Christoph Pies ist seit 2020 bei Apomeds dabei.

Letzte Aktualisierung am: 04.12.2020


visa'mastercard'maestrotrustly'bank wire