Die gutartige Prostatavergrößerung

Was ist die Prostata?

Die Prostata gehört zu den inneren Geschlechtsorganen des Mannes. Sie wird auch als Vorsteherdrüse bezeichnet, was gleichzeitig ihre Lage und Funktion beschreibt. „Drüse“, weil sie einen Teil der Samenflüssigkeit produziert. „Vorsteher“, weil sie direkt am Ausgang der Harnblase liegt. Dort umschließt sie ringförmig die Harnröhre. Hinter ihr befinden sich die beiden Samenblasen und der Enddarm, vor ihr das knöcherne Schambein. Eine normale Prostata hat ein Gewicht von 20-30 Gramm. Das entspricht in Größe und Form etwa einer Kastanie.

Innen besteht die Prostata aus vielen einzelnen Drüsen, die in Bindegewebe und Muskelzellen eingebettet sind. Die Drüsen münden am Samenhügel in die Harnröhre. Dort vereinen sie sich mit den Ausführungsgängen aus den Samenblasen sowie mit den Samenleitern, welche die Spermien aus den Nebenhoden transportieren. Die Harnröhre verläuft mitten durch die Prostata hindurch. Am Eingang von der Harnblase in die Prostata befindet sich der innere Schließmuskel, der den Samenerguss koordiniert. Am Ausgang von der Prostata in die Harnröhre befindet sich der äußere Schließmuskel, der für die Urinkontrolle zuständig ist.

Die meisten Drüsen liegen in der Übergangszone, welche die Harnröhre umschließt. Dies ist wichtig zu wissen, da dieses Drüsengewebe im höheren Lebensalter zu einer gutartigen Vermehrung neigt. Dann kann es die Harnröhre einengen und Probleme beim Wasserlassen verursachen. Bösartige Veränderungen entwickeln sich hingegen meistens in der Außenzone. Die Prostata ist empfindlich, weil sie mit vielen Nerven versorgt ist. Direkt neben der Prostata verlaufen feine Nervenäste zum Penis, die für die Erektion verantwortlich sind (sogenanntes „Gefäß-Nerven-Bündel“).

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Wozu ist die Prostata gut?

Die Prostata produziert einen Teil der Samenflüssigkeit. Ihr Sekret ist wichtig für die Funktion der Spermien und somit für die Fortpflanzung. Beim Samenerguss ziehen sich die Muskelzellen in der Prostata reflexartig zusammen und pressen die Flüssigkeit in die Harnröhre. Dort vermischt diese sich mit den Spermien aus den Samenleitern und dem Sekret der Samenblasen. Dieser Vorgang des Samenausstoßes heißt Ejakulation. Die Prostata sorgt dabei durch Verschluss des inneren Schließmuskels dafür, dass die Samenflüssigkeit nicht nach oben in die Harnblase gelangen kann. Bei einem Samenerguss werden 2-5 ml Sperma ausgestoßen. Der größte Anteil der Samenflüssigkeit kommt dabei aus den Samenblasen. Diese produzieren ein alkalisches Sekret zum Schutz der Spermien im sauren Milieu der Scheide. Aus den Samenblasen kommt auch das Eiweiß Semenogelin, das die Spermien in ein schützendes Gelkissen einhüllt. Weiterhin enthält die Samenflüssigkeit Nährstoffe wie Fruktose, Vitamine, Aminosäuren und Zink. Das milchig-trübe, dünnflüssige und leicht saure Sekret aus der Prostata macht etwa ein Drittel der Spermamenge aus. Es erweckt die Spermien aus der sogenannten Säurestarre, in der sie in den Nebenhoden konserviert waren. Weiterhin findet man in der Samenflüssigkeit Zitronensäure als Schutz gegen Bakterien und das Prostata-spezifische Antigen (PSA). Dieses Enzym dient der Verflüssigung des Ejakulats, indem es das oben genannte Semenogelin wieder aufspaltet. PSA wird häufig als Risikomarker für Prostatakrebs benutzt. Die Prostata spielt auch im männlichen Hormonhaushalt eine Rolle. In ihr wird das männliche Geschlechtshormon Testosteron in seine biologisch aktive Form Dihydrotestosteron (DHT) umgewandelt.

Die gutartige Vergrößerung

Das Wachstum der Prostata beginnt oft schon um das 25. Lebensjahr herum und hält dann für den Rest des Lebens an. Bei einigen Männern wächst die Prostata dabei auf ein Vielfaches ihrer Ausgangsgröße an. Die Ursachen sind nicht vollständig erforscht, aber wohl auf hormoneller Ebene zu finden, denn Männer mit schweren Hodenschäden in jungen Jahren entwickeln später keine Vergrößerung. Die entscheidende Rolle spielt dabei die aktive Unterform von Testosteron, das Dihydrotestosteron (DHT). Auch wenn mit dem Alter der Gesamt-Testosteronspiegel tendenziell etwas abnimmt, produzieren ältere Männer vermehrt DHT, was die Prostatazellen zum Wachstum stimuliert. Weiterhin kommt es mit einem zunehmenden Alter zu einem Missverhältnis zwischen Testosteron und Östrogen, einem weiblichen Hormon. Dieser höhere Östrogen-Anteil gibt ebenfalls einen Wachstumsimpuls für die Prostatazellen.

Eine Volkskrankheit

Eine Prostatavergrößerung ist sehr häufig! Der Prozentanteil der betroffenen Männer entspricht etwa dem Lebensalter, also 50 Prozent der 50-jährigen und 60 Prozent der 60-jährigen usw. Die Größe alleine ist noch nicht gleichzusetzen mit einer Erkrankung der Prostata. Neben der Prostatagröße nehmen aber oft auch die Beschwerden mit dem Alter zu. Etwa jeder dritte Mann über 50 entwickelt in seinem Leben kontroll- oder behandlungsbedürftige Prostatabeschwerden. Aber auch Männer mit nur leicht vergrößerter Prostata können deutliche Symptome aufweisen, während andere Männer mit sehr vergrößerter Prostata nur geringfügige Probleme haben können. Die Schwere der Symptome einer Prostatavergrößerung kann im Verlauf variieren. Bei einigen Männern stabilisieren sich die Symptome und bei bis zu einem Drittel können sie sich sogar bessern. Meist jedoch kommt es im Laufe der Zeit zu einer kontinuierlichen Zunahme der Beschwerden. Oft genügen hier Verhaltensempfehlungen und kontrolliertes Zuwarten. Nur etwa jeder fünfte Mann mit einer Prostatavergrößerung muss medikamentös behandelt und davon muss wiederum nur jeder Zehnte letztlich operiert werden.

Die Ursachen

Studien haben Übergewicht und mangelnde körperliche Betätigung als mögliche Risikofaktoren offengelegt. Immerhin fast die Hälfte aller Männer über 50 haben einen erhöhten Bauchumfang. Im Umkehrschluss zeigte eine große epidemiologische Studie, dass eine Ernährung mit wenig Fett und rotem Fleisch, aber viel Eiweiß und Gemüse sowie einem moderaten Alkoholkonsum das Risiko von Symptomen einer Prostatavergrößerung verringern kann. Auch Potenzstörungen und eine Prostatavergrößerung scheinen sich gegenseitig zu bedingen. Die zugrundeliegenden Mechanismen sind noch unklar. Offenbar gibt es eine erbliche Veranlagung für eine Prostatavergrößerung! Zwar ist ein einzelnes Gen, das für die Prostatavergrößerung verantwortlich sein könnte, nicht bekannt, aber es existiert eine familiäre Veranlagung. Wenn man nahe Verwandte (Vater, Großvater) mit gutartiger Prostatavergrößerung hat, so steigt das eigene Erkrankungsrisiko. Insbesondere Männer mit einem frühen Symptombeginn und einem sehr großen Prostatavolumen haben rückblickend häufiger eine familiäre Vorgeschichte. Bei eineiigen Zwillingen liegt das Risiko für den Bruder des Betroffenen um 25% höher als in der Vergleichsbevölkerung. Übrigens: Eine gutartige Vergrößerung und bösartige Veränderungen der Prostata sind zwei Erkrankungen mit ganz unterschiedlichen Ursachen.

Die Beschwerden

Aufgrund einer Einengung der Harnröhre durch die vergrößerte Prostata muss der Blasenmuskel bei der Entleerung der Harnblase dauerhaft gegen verstärkten Widerstand arbeiten. Dies kann einerseits zu Problemen bei der Urinspeicherung (irritative Reiz-Symptome), andererseits zu einer erschwerten Blasenentleerung führen (obstruktive Entleerungs-Symptome). Symptome einer Reizblase sind ein häufiger und oft unwiderstehlicher Harndrang mit kleineren Urinportionen sowohl am Tag als auch in der Nacht. Als normal gelten sieben bis acht Entleerungen am Tag und maximal einmal nachts. Zwei oder mehr nächtliche Toilettengänge gelten als auffällig. Durch die „Verstopfung“ des Blasenausgangs kommt es zu einer Startverzögerung beim Wasserlassen, oft unter Zuhilfenahme der Bauchpresse. Der Harnstrahl wird schwach, manchmal mit Unterbrechungen und am Ende mit Nachträufeln. Die Blasenentleerung dauert meist länger als eine Minute. Viele Männer berichten über ein Gefühl, die Blase nicht vollständig entleeren zu können.

Akut- und Spätfolgen

Ein Harnverhalt ist ein akuter Notfall mit starken Schmerzen. Aufgrund einer kompletten Blockade der Harnröhre oder einer Überdehnung des Blasenmuskels kann kein Urin mehr abgegeben werden. Die Blase muss dann vorübergehend über einen Harnröhrenkatheter entleert werden. Eine solche Situation entsteht oft nach reichlichem Genuss kalter oder alkoholhaltiger Getränke oder wenn nicht unmittelbar eine Toilette zur Verfügung steht, beispielsweise auf Flugreisen. Auch Medikamente oder eine Darmverstopfung können die Blasenentleerung so hemmen, dass ein Harnverhalt entsteht.

Die Blasenmuskulatur kann sich über Monate und Jahre strukturell verändern. Dabei wird die Blasenwand dicker und bildet kräftige Muskelstränge aus („Balkenblase“). In der Blase und in den Aussackungen zwischen den Muskelbalken („Pseudo-Divertikel“) kann sich Urin sammeln. Dies wiederum kann Entzündungen und Blasensteinen Vorschub leisten, weil sich Keime im Restharn vermehren können. Im Extremfall staut sich der Urin bis zurück in die Nieren, die durch den Druck geschädigt werden können. Wenn dann Bakterien entlang der Harnleiter in die Nieren aufsteigen, kommt es zu heftigen Flankenschmerzen und hohem Fieber.

Etwa jeder zweite Mann mit Problemen beim Wasserlassen hat auch sexuelle Funktionsstörungen und eine abnehmende sexuelle Aktivität. Und umgekehrt: Zwei von drei Männern mit Erektionsstörungen haben auch Miktionsbeschwerden. Der genaue ursächliche Zusammenhang ist nicht geklärt, aber es gibt gemeinsame Ansatzpunkte wie eine fehlende Entspannung der glatten Muskulatur und altersbezogene hormonelle Veränderungen. An diesem Punkt, nämlich der Entspannung der glatten Muskulatur, setzt beispielsweise eine medikamentöse Therapie mit dem Medikament Tadalafil an.

Mit zunehmendem Alter nimmt auch die Spermamenge ab. Bei mehr als einem Drittel aller Männer über 70 ist die Spermamenge reduziert, weil die vergrößerte Prostata die Ausführungsgänge der Drüsen teilweise abdrückt und bei Ejakulation für einen schlechteren Verschluss des Blasenhalses sorgt. Drei von vier Männern mit Problemen beim Wasserlassen haben einen schwächeren Spermaausstoß.

Quellen:

Medizinisch geprüft von:

Dr. Christoph Pies

Dr. med. Christoph Pies, Jahrgang 1970, studierte Medizin in Bochum und Düsseldorf, bevor er in einer Kölner Klinik seine Berufung zum Urologen fand. Auslandsaufenthalte führten ihn in Kliniken in der Schweiz und den USA (Houston, New York, Los Angeles). Nach seiner Facharztausbildung und Oberarzttätigkeit wurde er 2004 niedergelassener Urologe in der Nähe von Aachen. Er verfügt über die Zusatzbezeichnungen Andrologie und Medikamentöse Tumortherapie. Dr. Christoph Pies ist seit 2020 bei Apomeds dabei.

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Letzte Aktualisierung: 21.02.2021