Pillen-FAQ

Dr. med Walter Brinker, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, und ein Mitglied des medizinischen Beirats von Apomeds, klärt einige der am meist gefragten Fragen zur Antibabypille

Was kostet die Pille?

Antibabypillen kosten heute zwischen 5 und 20 € pro Monat, je nach Präparat und Packungsgrösse ( 1 - 6 Monatspackung)

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Was passiert, wenn ein Mann eine Pille nimmt?

Bei einer einmaligen Einnahme passiert gar nichts. Über einen längeren Zeitraum genommen führt es zur Unfruchtbarkeit und einer "Verweiblichung" des Äusseren, d.h. die Brüste wachsen, der Hoden schrumpft, die Haut wird weicher und die Haare werden feiner. Deswegen werden pillenähnliche Medikamente auch bei einer Geschlechtsumwandlung Mann zu Frau unterstützend eingesetzt.

Wann wirkt die Pille nicht? Welche Wechselwirkungen gibt es?

Zunächst einmal wirkt sie nicht, wenn sie innerhalb von einer halben Stunde nach der Einnahme erbrochen wird. Das kann man durch die Einnahme einer weiteren Pille ausgleichen.

Die Pille wird sehr schnell vom Darm aufgenommen, sodass bei "normalem" Durchfall kein Problem entsteht. Bei einer schweren Magen-Darm-Erkrankung mit 20 - 30 Stühlen pro Tag kann der Blutspiegel allerdings deutlich abfallen und für den Rest des Zyklus muss eine zusätzliche Verhütung erfolgen.

Es gibt Wechselwirkungen mit Medikamenten. Leider sind die Studien bezüglich Antibiotika und Pille uneinheitlich. Die kurzfristige Einnahme von Ampicillin, Sulfonamiden, Penizilline, Doxycyclin, oder Metronidazol scheint keine negativen Auswirkungen zu haben. Damit sind schon einmal die meisten gängigen Antibiotika abgedeckt. Bei Tetrazyklinen ist es unklar. Die selten anzuwendenden Rifampicin und Rifabutin erfordern dagegen zusätzliche Verhütung für weitere 1-2 Monate. Auf keinen Fall sollte man die Pille absetzen während der Antibiotikaeinnahme, also weiter nehmen und zusätzlich verhüten, falls erforderlich.

Weniger bekannt dagegen ist, dass Schlafmittel, Valium und Johanniskraut (!) die Wirkung der Pille reduzieren können.

Pillen-FAQ

Epilepsiemedikamente und die Pille können sich gegenseitig beeinflussen, sodass einerseits die Verhütungswirkung eingeschränkt ist, aber auch das Risiko eines epileptischen Anfalls steigt. Da es sich in diesen Fällen um eine Langzeiteinnahme handelt, sind z.B. Spiralen besser geeignet. Sollten unter der Einnahme von Medikamenten Zwischenblutungen auftreten, ist Vorsicht geboten, denn das kann ein Hinweis auf einen zu niedrigen schützenden Hormonspiegel sein.

Es wird diskutiert, ob Grapefruits über eine Erhöhung des Östrogenspiegels zu einem höheren Thromboserisiko oder mehr Brustspannen führen kann.

Was passiert nach dem Absetzen der Pille?

Der Körper findet schnell, meist innerhalb von 2 Wochen wieder zu seinen natürlichen Funktionen zurück. Das ist der Zeitraum, bis die Eierstöcke wieder Ihre eigentliche Tätigkeit voll aufnehmen, d.h. Hormone bilden und Eizellen reifen lassen. Es gibt Studien, wonach der Eintritt einer Schwangerschaft nach langjähriger Pilleneinnahme 2 Wochen länger dauert als wenn man noch nie hormonell verhütet hat. Dabei muss man bedenken, dass man unter optimalen Umständen eine Chance von ca. 16% pro Monat hat, schwanger zu werden. D.h. man möchte mit einem Würfel eine 6 würfeln und hat einen Wurf pro Monat frei. Sie kann beim ersten Mal fallen oder es kann 8 und mehr Würfe dauern, bis sie fällt. Praktisch hat die Pille also keine Auswirkung auf die Fruchtbarkeit.

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Nach dem Absetzen fällt man meist wieder in den alten Zustand zurück, d.h. auch die von früher bekannten unregelmässigen Blutungen oder die Akne treten wieder auf.

In manchen Fällen erhält die Pille sogar die Fruchtbarkeit, denn beim PCO-Syndrom (viele kleine Zysten in den Eierstöcken, Übergewicht, Akne, männliche Behaarung, unregelmässige Blutungen) verhindert eine passende Pille sog. Porzellaneierstöcke, bei denen eine harte Haut die Eierstöcke überzieht, durch die die Eizelle nicht mehr hindurch kommt.

Welche Pille ist gut, die beste, die am wenigsten gefährliche usw.

Das kann man nicht beantworten, denn jede Pille hat ihre eigene Wirkung und auch Nebenwirkung, d.h. Sandra verträgt Pille A nicht, Lara Pille B nicht. Wenn sie tauschen, vertragen beide sie gut. Wenn es keine Blutungsprobleme, keine Akne, kein Übergewicht usw. gibt, verschreibt man heute als erste Pille normalerweise eine niedrig dosierte mit 20 Einheiten Äthinylöstradiol und 150 Einheiten Levonorgestrel. Weitere Informationen dazu finden Sie in unserem Artikel: Wie man die richtige Verhütungsmethode wählt.

Welche Pille bei Endometriose?

Endometriose ist eine Erkrankung, bei der sich Gebärmutterschleimhaut ausserhalb der Gebärmutter befindet, z.B. durch in die Bauchhöhle zurückfliessendes Menstrualblut. Das kann zu erheblichen Schmerzen und sogar Unfruchtbarkeit führen. Deshalb sollte sie behandelt werden. Leider kann man sie meist nur operativ durch eine Bauchspiegelung erkennen und auch teilweise entfernen oder man vermutet sie auf Grund der Symptome.

Östrogene fördern das Wachstum, Gestagene, besonders Dienogest, bremsen es. Deshalb empfiehlt sich zur weiteren Behandlung eine Pille mit Dienogest oder eine reine Gestagenpille mit Desogestrel. Am besten beide ohne Pause, um ein Wiederaufflackern der Endometriose zu verhindern.

Was tut man bei Akne, Haarausfall, vermehrter Körperbehaarung?

In diesen Fällen liegt meist ein Überschuss an männlichem Hormon, dem Testosteron vor. Auch das ist wieder ein Sammelbegriff für DHEAS, Androstendion, freies Testosteron usw. Dieses wird in der Nebennierenrinde und im Eierstock gebildet, natürlich in viel niedrigerer Menge als beim Mann im Hoden. Meist haben diese Frauen auch längere Zyklen, eventuell gar keine Blutung und Übergewicht. Im Ultraschall sieht man dann häufig ein PCO-Syndrom (s.o.). Es geht dabei nicht nur um kosmetische Probleme, sondern auch um die Erhaltung der Fruchtbarkeit, wenn man diesen Zustand mit einer "antiandrogenen", das männliche Hormon senkenden Pille behandelt, auch wenn das Mädchen 14 ist und es gar nicht um Verhütung geht. Es gibt dazu mehrere antiandrogene Gestagene, z.B. CMA, CPA, NMA, Dienogest, Drospirenon.

Kopfschmerzen unter der Pille

Dabei muss man unterscheiden, ob die Kopfschmerzen seit der Pilleneinnahme neu aufgetreten sind, und ob sie während der Einnahme oder in der Pause auftreten. Tritt letzteres auf, so verträgt man den Hormonabfall nicht, der ohne Einnahme auftritt. Man kann das einfach behandeln, indem man die Pause weglässt und eine Langzeiteinnahme vornimmt. Möchte man lieber bluten, kann man sich ein Hormonpflaster, wie es für die Wechseljahre verschrieben wird, zusammen mit der letzten Pille aufkleben. Dieses ist viel niedriger dosiert und wirkt für 3-4 Tage, man fällt dann nicht plötzlich in ein tiefes Hormonloch, sondern geht eine Stufe die Treppe hinunter.

Sind die Kopfschmerzen neu und während der Einnahme aufgetreten, muss man das Präparat wechseln. Der Frauenarzt/ärztin entscheidet dann, welche Pille besser geeignet ist.

Tritt eine Migräne mit Aura (ein kurzandauerndes neurologisches Ereignis, das dem Migräneanfall vorausgeht, zum Beispiel Sehstörungen) auf, darf gar keine Pille mehr eingenommen werden. In diesem Fall besteht ein erhöhtes Schlaganfallrisiko.

Viele Frauen mit Migräne verspüren aber eine deutliche Besserung unter der Pille, da die natürlichen hormonellen Schwankungen geglättet werden.

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Medizinisch geprüft von:

Dr. Walter BrinkerDr. med. Walter Brinker ,studierte Medizin in Köln. Nach seiner Facharztausbildung in Frauenheilkunde und Geburtshilfe und mehrjähriger Oberarzttätigkeit liess er sich in Remscheid nieder, wo er heute mit 2 Kolleginnen eine Gemeinschaftspraxis führt. Er wurde u.a. in USA, China, Polen, Kongo, Zimbabwe ausgebildet und hat dort später unterrichtet. So ist er auch im Besitz der amerikanischen Approbation. In Deutschland leitet er Seminare über Verhütungsmittel. Durch seine Auslandstätigkeit ist er ebenfalls in Reisemedizin fortgebildet und betreut Reisegruppen auf exotischen Reisen weltweit als Arzt.

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Letzte Aktualisierung am 01.10.2020



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