Antibabypille und Gewichtszunahme: Gibt es einen Zusammenhang?

Viele Frauen berichten von positiven Nebenwirkungen bei hormoneller Verhütung. Aber während es viele gibt, die von Vorteilen berichten, gibt es nicht wenige, die über Nachteile klagen. Für viele Frauen kann eine dieser negativen Nebenwirkungen die Gewichtszunahme sein. In der Tat ist dies eine der am weitesten verbreiteten Sorgen: die Angst aufgrund der Antibabypille an Gewicht zuzulegen.

Abgesehen von der Verhinderung einer Schwangerschaft führt die Antibabypille, die Dreimonatsspritze, der Vaginalring, die Hormonspirale oder andere Formen der hormonellen Empfängnisverhütung unter anderem zu einer Verringerung der Akneausbrüche und regelmäßigere Perioden mit weniger Krämpfen während des Zyklus. Die möglichen Nachteile wiegen für viele aber schwerer, daher wollen wir uns der Frage widmen, inwiefern diese auf die hormonelle Verhütung zurückzuführen sein können.

Voran gestellt sei, dass jeder Körper ganz unterschiedlich auf hormonelle Verhütung reagiert, es ist daher schwer allgemeingültige Aussagen zu treffen.

Verursacht die Antibabypille wirklich eine Gewichtszunahme?

Die Antwort lautet sowohl ja als auch nein. Sowohl Gewichtszunahme als auch Gewichtsverlust werden immer wieder als mögliche Nebenwirkungen der Pille beobachtet. Während daher einige Frauen berichten, dass sie während der Einnahme der Pille abgenommen haben, brechen andere Frauen die Einnahme der Pille häufig wegen einer Gewichtszunahme ab.

Ähnliche widersprüchliche Ergebnisse gibt es bei der Dreimonatsspritze und anderen Formen der hormonellen Empfängnisverhütung. Im Folgenden werden wir die Zusammenhänge zwischen hormoneller Empfängnisverhütung und Gewichtszunahme und die möglichen Auswirkungen etwas genauer untersuchen.

Kombinationspillen und Gewichtszunahme

Die Theorie der Gewichtszunahme, aufgrund von Antibabypillen basiert auf den älteren Dosen von 150 µg Östrogen-Mestranol, die in den 1950er Jahren verwendet wurden. Es wurde festgestellt, dass hohe Östrogendosen den Appetit steigern und Wassereinlagerungen verursachen.

Die heutigen Antibabypillen enthalten jedoch 10 bis 35 µg Östrogen. Eine Gewichtszunahme aufgrund der Einnahme der Antibabypillen ist in der Regel auf eine der folgenden Änderungen zurückzuführen:

Die Zunahme des Muskelgewebes führt natürlich zu einer oft auch erwünschten Gewichtszunahme. Wassereinlagerungen sind innerhalb der ersten Monate nach der Einnahme von Antibabypillen der häufigste Grund für eine Gewichtszunahme – nicht jedoch die Zunahme des Körperfetts.

Eine von der Abteilung für Präventiv- und Verhaltensmedizin der University of Massachusetts Medical School veröffentlichte Studie verfolgte eine Gruppe von Athletinnen, die über einen Zeitraum von zwei Jahren hormonelle Verhütungsmittel einnahmen. Es stellte sich heraus, dass die Einnahme der Antibabypille zu keiner Gewichtszunahme führte. Eine von Cochrane veröffentlichte Analyse von 49 Studien, ergab, dass sich kein kausaler Zusammenhang zwischen Gewichtszunahme und der Einnahme von Antibabypillen herstellen ließ. [1]

Wenn also während der Einnahme von Kombinationspillen eine Gewichtszunahme zu bemerken ist, kann das am wahrscheinlichsten auf größere Wassereinlagerungen zurückgeführt werden.

Desweiteren gibt es eine Analyse von 2019 aus Großbritannien, die besagt, dass Frauen mit der Zeit an Gewicht zulegen, unabhängig davon, ob sie Verhütungsmethoden verwenden oder nicht. Es ist also möglich, dass eine Gewichtszunahme während der Einnahme der Pille auftritt, die unabhängig von der Pille ebenfalls aufgetreten wäre. [2] Die meisten Menschen nehmen vom jungen Erwachsenenalter bis ins mittlere Alter im Durchschnitt 0,52 kg pro Jahr zu. Ausserdem unterliegt das Körpergewicht täglichen, wöchentlichen, monatlichen und jahreszeitlichen Mustern. 

Gleichzeitig kommt es aber auf den Körper der Frau an und wie dieser auf die Pille reagiert. Keine der oben aufgeführten Studien schließt die Gewichtszunahme aufgrund der Pille aus, es konnten lediglich keine stichhaltigen kausalen Zusammenhänge gefunden werden. Gleichzeitig ist es auch nicht undenkbar, dass einige Frauen während der Einnahme der Pille abnehmen. Da sich auch hierfür keine eindeutigen kausalen Zusammenhänge finden lassen, es aber nichtsdestotrotz für beides dokumentierte Fälle gibt, stehen beide möglichen Nebenwirkungen in den meisten Packungsbeilagen der Präparate. [3]

Dreimonatsspritzen, Spiralen und Gewichtszunahme

Während es keine eindeutigen Beweise für kausale Zusammenhänge zwischen Gewichtszunahme und der Einnahme der Pille gibt, ist das bei der Dreimonatsspritze (engl. DMPA) nicht ganz genauso der Fall. Die Injektion enthält nämlich andere Inhaltsstoffe, die dem Hormon Progesteron entsprechen.

In einigen neueren Studien wurde ein Zusammenhang zwischen Verhütungsmitteln, die Progesteron verwenden und einer Gewichtszunahme festgestellt. Die Ergebnisse dieser Studien werden nicht von Metaanalysen gestützt. Gleichzeitig wird auch Kritik an einigen dieser Studien geübt, da die Effekte von sozialem Status und Lebensumständen auf das Gewicht teilweise nicht ausreichend kontrolliert wurden. Zusammenfassend ist also zu sagen, dass die Debatte speziell um Verhütungsmethoden mit Progesteron weiterhin anhält. [4][5]

Obwohl Studien auch bei dieser Form der Verhütung nicht zu einstimmigen Ergebnissen kommen, scheint es so, als wäre eine Gewichtszunahme deutlich wahrscheinlicher bei Anwendung der Dreimonatsspritze als bei anderen Verhütungsmethoden. So stellten verschiedene Studien fest, dass bei bereits übergewichtigen Frauen ein deutlich höheres Risiko bestand, Gewicht zuzulegen. Auch bei allen anderen Frauen kamen die Studien zu dem Schluss, dass bei Frauen, die innerhalb von sechs Monaten nach den ersten Injektionen mindestens 5 % ihres Grundgewichts zulegten, ein deutlich höheres Risiko der weiteren Gewichtzunahme bestand. [2]

Spiralen werden in zwei verschiedene Typen unterteilt - hormonelle und nicht hormonelle. Hormonelle Spiralen wie Mirena könnten ein gewisses Risiko der Gewichtszunahme bergen, da das verwendete Hormon Levonorgestrel eine Ähnlichkeit zu Progesteron aufweist. Für die geringer beladene Kyleena gibt es bisher keine Studien.

Die Informationen für verschreibende Gynäkolog:innen zählen unter den unerwünschten Nebenwirkungen auch die Möglichkeit der Gewichtszunahme auf. Diese soll bei etwa 9 % der Frauen auftreten. Es gibt bisher keine schlüssigen Studien, die darlegen, was diese Gewichtszunahme tatsächlich verursacht. Wassereinlagerungen könnten jedoch die Ursache sein, da festgestellt wurde, dass Gestagene die Wassereinlagerungen erhöhen. [6]

Die Kupfer-Spirale, hat keine Hormone, sodass kein Zusammenhang mit einer Gewichtszunahme gefunden wurde.

Andere Nebenwirkungen von hormonellen Verhütungsmethoden

Der Körper produziert normalerweise Östrogen und Progesteron während des Menstruationszyklus. Diese Fluktuation kann zu einer Veränderung des Brustgewebes führen. Daher kommt es während der Pubertät auch zur Entwicklung von Brüsten.

Da hormonelle Empfängnisverhütung die körpereigene Chemie ändert, um eine Schwangerschaft zu verhindern, kann es zu einer Zunahme der Brustgröße und / oder der Empfindlichkeit kommen. Die Brüste können sich aufgrund der Wassereinlagerungen größer anfühlen. Nach dem Absetzen der Hormone verändern sich diese wieder auf die normale Größe.

Es gibt jedoch auch andere Nebenwirkungen der hormonellen Empfängnisverhütung. Diese Nebenwirkungen können aber auch bei nichtverhütenden oder nicht-hormonell verhütenden Frauen auftreten und umfassen[3]:

Wenn Sie einen Rückgang des Sexualtriebs bemerken, ist dies völlig normal. Vulva und Vagina haben ihre eigenen Östrogen- und Testosteronrezeptoren, die die Schmierung und die Durchblutung des Gewebes fördern: Aufgrund der Empfängnisverhütung können sich ihre Werte ändern, was zu vaginaler Trockenheit führt. Es kann auch zu einem Rückgang des Sexualtriebs führen. Die Verwendung eines Gleitmittels beim Sex kann bei der Trockenheit hilfreich sein, während ein Libidoeinbruch in der Regel durch einen Abfall des Testosterons verursacht wird und daher nicht mit einer schnellen Lösung behoben werden kann. Gleichzeitig ist aber genauso eine Steigerung der Libido bei Einnahme der Pille möglich, vor allem weil die Angst vor dem Eintritt einer Schwangerschaft deutlich reduziert ist.

Wie man Gewichtszunahme durch hormonelle Empfängnisverhütung in den Griff bekommt

Obwohl es zwar nicht bewiesen werden konnte, dass hormonelle Verhütung zu einer Steigerung des Gewichts führt, oder das zwischen den beiden überhaupt ein gesicherter Zusammenhang besteht, ist es möglich, dass unterschiedliche Körper individuell auf die Hormongabe reagieren.

Veränderungen des Gewichts bereits vor der Einnahme der Pille im Blick zu behalten und genau zu dokumentieren ist ein erster Schritt, um nach der Einnahme der Pille feststellen zu können, ob zwischen den beiden ein Zusammenhang besteht. Es ist außerdem eine gute Idee, dem Körper Zeit zu geben, sich an die Hormone zu gewöhnen. Während in den ersten Monaten der Verwendung der hormonellen Empfängnisverhütung möglicherweise eine geringe Gewichtszunahme von 2-3 kg festzustellen ist, wird sich das Gewicht wahrscheinlich wieder normalisieren, sobald sich der Körper daran gewöhnt hat.

Die Pille ist eine der effektivsten Verhütungsmethoden. Leider hat sie aber keinen besonders guten Ruf, denn die Nebenwirkungen können ziemlich gravierend sein und sich von Frau zu Frau mindestens genauso gravierend unterscheiden. Daher wird empfohlen, sich vor der Einnahme intensiv zu informieren und beraten zu lassen. Denn selbst wenn es keinen belegten Zusammenhang zwischen Gewichtsveränderungen und der Pille gibt, heißt das nicht, dass sie nicht trotzdem auftreten können. Das heißt aber auch, dass es möglicherweise sinnvoll ist, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen und der Pille, die erwiesenermaßen sehr effektiv ist, einmal eine Chance zu geben.

Natürlich heißt das auf keinen Fall, einfach Nebenwirkungen zu ignorieren. Wer Nebenwirkungen von irgendeiner Art der hormonellen Verhütung bemerkt, sollte diese unbedingt mit dem behandelnden medizinischem Fachpersonal besprechen.

Es gibt außerdem viele verschiedene Arten der Empfängnisverhütung, die verwendet werden können. Es gibt nicht-hormonelle Optionen wie die Kupfer-Spirale, Kondome und den Vaginalschwamm. Diese sind zwar nicht genauso sicher wie hormonelle Verhütungsmethoden, haben jedoch weniger Nebenwirkungen. Bei schweren oder störenden Nebenwirkungen ist also immer das informierte Gespräch zu suchen, denn Alternativen können immer in Betracht gezogen werden.

 

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Quellen

[1] Cochrane database of systematic reviews, Maria F. Gallo et al., 29.01.2014, “Combination contraceptives: Effects on weight”; https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD003987.pub5/full

[2] The faculty of sexual and reproductive healthcare of the royal college of the obstetricians and gynecologists, 12.08.2019, “FSRH CEU Statement: Contraception and weight gain (August 2019)”; https://www.fsrh.org/documents/fsrh-ceu-statement-contraception-and-weight-gain-august-2019/

[3] Apothekenumschau, Beipackzettel von MAXIM 0,03 mg/ 2mg überzogene Tabletten; https://www.apotheken-umschau.de/medikamente/beipackzettel/maxim-003-mg2-mg-ueberzogene-tabletten-6575316.html

[4] CDC preventing chronic disease, Rahma S. Mkuu et al., 19.04.2018, “Prevalence and predicators of overweight and obesity among Kenyan women”; https://www.cdc.gov/pcd/issues/2018/17_0401.htm

[5] Journal of taibah university medical sciences, Hafizah Ibrahim et al., 21.12.2018, “Comparison of body weight among jormonal and non-hormonal users in Malaysian cohort”; https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1658361218301422

[6] Bayer, Mirena, Full Prescribing Information; https://labeling.bayerhealthcare.com/html/products/pi/Mirena_PI.pdf



Medizinisch geprüft von:

Dr. Walter Brinker hat an der Universität von Köln Medizin studiert. Von dort aus ging er an ein großes Leverkusener Krankenhaus und arbeitete dort in der Gynäkologie.

Dank seiner Spezialisierung arbeitet er weltweit an Universitätskliniken an Orten wie Shanghai, New York, Zimbabwe und Polen.  

 

Aktualisiert am 04.11.2022

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