Sexuell übertragbare Krankheiten – ein Überblick

Was sind sexuell übertragbare Krankheiten?

Sexuell übertragbare Krankheiten (im Englischen: Sexually transmitted diseases = STD) werden am häufigsten - aber nicht ausschließlich - durch Geschlechtsverkehr übertragen. Man unterscheidet dabei mehr als 30 verschiedene Infektionen. Manche sind unangenehm, aber eher harmlos, andere hingegen können sogar lebensbedrohlich werden. STD gehören weltweit zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Es wird geschätzt, dass 25 Prozent aller Westeuropäer eine sexuell übertragbare Krankheit haben. Und die Hälfte dieser Infektionen tritt bei Menschen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren auf.

Geschlechtskrankheiten werden üblicherweise durch Bakterien oder Viren oder Parasiten verursacht. Die häufigsten bakteriellen sexuell übertragbaren Krankheiten umfassen Chlamydien, Gonorrhoe (Tripper) und Syphilis. Zu den viralen sexuell übertragbaren Krankheiten zählen HIV, Herpes genitalis, Feigwarzen durch humane Papillomviren (HPV) und Hepatitis B. Die sogenannte Trichomoniasis wird durch einen Parasiten verursacht.

Übrigens gehören Pilzerkrankungen nicht zu den klassischen Geschlechtskrankheiten, denn Sie können auch ohne Geschlechtsverkehr durch Hormonumstellungen, Stress oder Einnahme von Antibiotika aus dem normalen Candida-Pilz der Haut entstehen.

Wie erfolgt die Ansteckung?

Dem höchsten Risiko sind Sie ausgesetzt, wenn Sie mehr als einen Sexpartner haben oder Sex ohne Kondom mit jemandem haben, der viele Partner hatte. Dabei können die genannten Keime sich allen Körperflüssigkeiten wie im Sperma, im Blut, in Vaginalsekreten und manchmal im Speichel befinden. Die meisten Organismen werden durch Vaginal-, Anal- oder Oralsex verbreitet, aber einige Viren, wie diejenigen, die Herpes genitalis und Genitalwarzen verursachen, können auch durch alleinigen Hautkontakt übertragen werden. Beispielsweise kann man sich mit Hepatitis B infizieren, wenn man persönliche Gegenstände wie Zahnbürsten oder Rasierer mit anderen Personen teilt. Trichomonaden können schon durch Kontakt mit feuchten Gegenständen wie Handtüchern, nasser Kleidung oder Toilettensitzen verbreitet werden.

Welche Symptome treten auf?

Viele sexuell übertragbare Krankheiten sind oft symptomlos. Manchmal tritt ein Ausfluss aus dem Penis, der Harnröhre, der Vagina oder dem Anus auf. Die Farbe kann dabei weiß, gelb, grün oder grau sein. Der Ausfluss kann blutverschmiert sein und manchmal einen starken Geruch haben. Bei einem Befall der Harnröhre tritt ein Brennen beim Wasserlassen auf. Viele Betroffene berichten über einen Juckreiz im Genital- und/oder Analbereich. Mögliche Hautveränderungen können sich in Hautausschlag, Bläschen, offenen Wunden oder Warzen äußern. Bei Frauen kann sich eine Schwellung oder Rötung der Vagina zeigen. Starke Entzündungen gehen gelegentlich mit geschwollenen Lymphknoten in der Leistenregion einher. Beim Mann können Infektionen über die Harnröhre bis in die Prostata aufsteigen und Schmerzen im Unterbauch verursachen oder sich sogar über die Samenleiter bis zum Nebenhoden ausbreiten, verbunden mit Schmerzen oder Schwellungen im Hodensack.

Manche Infektionen bleiben nicht auf den Genitalbereich begrenzt und verursachen allgemeine grippeähnliche Symptome wie Schmerzen, Fieber und Schüttelfrost oder auch Gewichtsverlust oder Nachtschweiß.

Wenn Sie eines der oben aufgeführten STD-Symptome haben, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen. Bis dahin sollten Sie auf jeglichen ungeschützten Geschlechtsverkehr verzichten, denn Geschlechtskrankheiten sind sehr ansteckend. Auch wenn einer Ihrer derzeitigen oder ehemaligen Sexualpartner Ihnen mitteilt, dass er eine sexuell übertragbare Krankheit hat oder hatte, müssen Sie untersucht werden. Selbst wenn Sie keine Symptome haben, können Sie die Krankheit haben und weiter übertragen. Geschlechtskrankheiten können zu schwerwiegenden Komplikationen führen, wenn sie nicht behandelt werden.

Welche Untersuchungen sind notwendig?

Geschlechtskrankheiten können im Rahmen einer körperlichen Untersuchung als Blickdiagnose auffallen. Ein Abstrich von der betroffenen Schleimhaut an Scheide, Penis, After oder Mund kann bestimmte Erreger durch Laboruntersuchungen nachweisen. Es gibt auch Schnelltests zur Eigenanwendung zuhause. Manchmal sind die Erreger im Urin oder durch Antikörper im Blut nachweisbar. Zellveränderungen am Gebärmutterhals werden durch spezielle Abstriche festgestellt.

Für Frauen bis einschließlich 24 Jahre gibt es einmal jährlich eine kostenlose Screening-Untersuchung des Urins auf unentdeckte Chlamydien-Infektionen. Bitten Sie also Ihren Arzt, Sie während Ihrer jährlichen Kontrolle auf sexuell übertragbare Krankheiten zu testen, auch wenn Sie keine Symptome haben.

Wie wird behandelt?

Falls Sie positiv getestet wurden, müssen sowohl Sie selbst als auch Ihre Sexualpartner behandelt werden. Bakterielle sexuell übertragbare Krankheiten können mit Antibiotika vollständig geheilt werden, sofern die Behandlung früh genug beginnt. Wenn Sie Antibiotika zur Behandlung einer sexuell übertragbaren Krankheit erhalten, ist es wichtig, dass Sie die verschriebenen Medikamente vollständig und nach Vorschrift einnehmen, auch wenn die Symptome bereits verschwunden sind.

Sexuell übertragbare Krankheiten durch Viren können hingegen nicht geheilt werden, aber die Symptome können mit Medikamenten gelindert werden.

Vermeiden Sie sexuelle Aktivitäten, bis bei allen Partnern die Therapie beendet ist und die abschließende Kontrolluntersuchung keinen Nachweis einer Geschlechtskrankheit mehr erbringt.

Im Detail:

Chlamydien und Gonorrhoe werden mit Antibiotika behandelt. Bestimmte Gonorrhoe-Stämme sind gegen einige Antibiotika resistent geworden. Daher müssen Sie möglicherweise mehr als ein Medikament einnehmen, um die Gonorrhoe zu bekämpfen. Sie sollten drei Monate nach Abschluss der Therapie erneut getestet werden, um sicherzustellen, dass die Infektion wirklich abgeklungen ist. Wenn Sie Chlamydien oder Gonorrhoe nicht behandeln, können Ihre Fortpflanzungsorgane dauerhaft geschädigt werden. Eileiter bei der Frau oder Samenleiter beim Mann können verkleben und es kann eine Unfruchtbarkeit resultieren.

Nach wie vor ist Penicillin die bevorzugte Behandlung für Syphilis. Eine frühzeitige Behandlung ist entscheidend, um zu verhindern, dass sich die Bakterien auf andere Organe ausbreiten und diese schädigen.

Sobald Sie mit Herpes genitalis infiziert sind, bleibt das Virus ein Leben lang in Ihrem Körper. Nach dem ersten Ausbruch kann Herpes mehrmals im Jahr auftreten, aber diese Episoden können sich mit der Zeit verringern. Antivirale Medikamente (wie beispielsweise der Wirkstoff Aciclovir) können dazu beitragen, die Länge und den Schweregrad sowohl des anfänglichen als auch eines nachfolgenden Herpesausbruchs zu verringern.

Es gibt keinen etablierten Standard für die Behandlung von durch humane Papillomviren (HPV) bedingte Genitalwarzen. Die meisten Genitalwarzen verschwinden ohne Behandlung. Das Vereisen der Warzen oder die direkte Anwendung von Medikamenten sind oft die erste Wahl. Oft können die Warzen mit virostatischen Salben wie Imiquimod erfolgreich behandelt werden. Aber auch bei dieser Virusinfektion tragen Sie das Virus, das die Warzen verursacht, weiterhin im Körper und können es auch an Sexualpartner übertragen. Wenn Genitalwarzen nicht auf diese Optionen reagieren, kann eine Operation oder Laserbehandlung erforderlich sein, um sie zu entfernen.

junges Pärchen


Die Viruserkrankungen Hepatitis B kann auch chronisch werden, kann aber behandelt werden. Das Ziel der Hepatitis B-Behandlung besteht darin, Leberschäden zu stoppen, indem die Ausbreitung des Virus verhindert wird. Derzeit sind fünf Medikamente zur Behandlung von Hepatitis B zugelassen.HIV / AIDS: Da AIDS nicht heilbar ist, konzentriert sich die Behandlung darauf, den HIV-Spiegel in Schach zu halten. Antiretrovirale Medikamente sind die Standardtherapie für HIV-Infektionen. In der Regel erhalten Sie mehrere Medikamente, einen sogenannten "Cocktail".

Trichomoniasis: Eine Infektion durch diese Parasiten wird mit dem Medikament Metronidazol behandelt. Hierbei beträgt die Heilungsrate etwa 90 Prozent. Ihr Partner sollte immer mitbehandelt werden und nach drei Monaten müssen alle Partner erneut getestet werden, um sicherzugehen, dass die Infektion abgeklungen ist.

Wie kann man STD vermeiden?

Ungeschützter Sex ist nur dann sicher, wenn Sie nur einen einzigen Partner haben und beide jeweils vor nicht mehr als sechs Monaten negativ auf sexuell übertragbare Krankheiten getestet wurden. Andernfalls sollten Sie bei jedem Sex Latexkondome verwenden, denn diese verhindern den direkten Kontakt mit infektiösen Körperflüssigkeiten. Verwenden Sie Kondome sowohl für den gesamten Geschlechtsakt als auch bei der Verwendung von Sexspielzeug. Wenn Sie ein Gleitmittel benutzen, sollte dieses auf Wasserbasis hergestellt sein. Kondome sind zwar nicht hundertprozentig wirksam bei der Verhinderung von Krankheiten oder Schwangerschaften, aber bei sachgemäßer Anwendung sind sie äußerst effektiv. Auch beim Oralsex sollte der Kontakt mit Sperma oder Blut vermieden werden. Hierzu helfen ebenfalls Kondome und sogenannte Lecktücher (dental dams).

Um eine sexuell übertragbare Krankheit zu verhindern, vermeiden Sie Sex mit Personen, die Wunden oder Hautausschlag im Genitalbereich, Ausfluss oder andere Symptome haben. Hautveränderungen wie Herpes-Bläschen, Feigwarzen oder Syphilis-Geschwüre sollten generell nicht berührt werden.Vermeiden Sie das Teilen von Handtüchern oder Unterwäsche mit anderen Personen. Betreiben Sie Genitalhygiene vor und nach dem Geschlechtsverkehr. Hygiene ist wichtig, aber zu viel Hygiene kann auch schaden, denn Scheidenspülungen und Intimsprays können den normalen Bakterienhaushalt der Haut aus dem Gleichgewicht bringen.

Gibt es Impfungen?

Gegen Hepatitis A und B sowie gegen die wichtigsten humanen Papillomviren (HPV) kann man sich impfen lassen. Die HPV-Impfung sollte vor dem ersten Sexualkontakt erfolgen. Die Impfung wird für Jungen und Mädchen im Alter zwischen 9 und 14 Jahren empfohlen. Kinder, die in diesem Alter nicht geimpft wurden, können bis zum 17. Lebensjahr nachgeimpft werden. So können bei Frauen viele Gebärmutterhalskrebserkrankungen und bei beiden Geschlechtern die Entstehung von Feigwarzen oftmals verhindert werden.

Medizinisch geprüft von:

Dr. Christoph Pies

Dr. med. Christoph Pies, Jahrgang 1970, studierte Medizin in Bochum und Düsseldorf, bevor er in einer Kölner Klinik seine Berufung zum Urologen fand. Auslandsaufenthalte führten ihn in Kliniken in der Schweiz und den USA (Houston, New York, Los Angeles). Nach seiner Facharztausbildung und Oberarzttätigkeit wurde er 2004 niedergelassener Urologe in der Nähe von Aachen. Er verfügt über die Zusatzbezeichnungen Andrologie und Medikamentöse Tumortherapie. Dr. Christoph Pies ist seit 2020 bei Apomeds dabei.

Quellen:

Weitere interessante Artikel von Dr.med.Christoph Pies


Letzte Aktualisierung: 22.05.2021