Urologische Sorgen junger Männer

 Urologische Sorgen von jungen Männern  

Die verständliche Unsicherheit junger Männer in Bezug auf ihren Genitalbereich führt diese häufig in urologische Praxen oder in telemedizinische Beratungsportale. Sie wünschen dort die Abklärung und Erläuterung von Normalbefunden, sowie die Einordnung auffälliger Befunde. Durch Medien werden oftmals falsche Vorstellungen und Fehlinformationen von Sexualität vermittelt. Viele jungen Männer treibt beispielsweise die Angst um, welche Krankheiten beim Küssen oder Geschlechtsverkehr übertragen werden könnten. Auch zu der Frage, ob anatomisch und funktionell alles in Ordnung ist, suchen sie Antworten bei Urologinnen. Dieser Artikel gibt eine Übersicht über die häufigsten Anfragen:

Vorhauttalg

Vorhauttalg, auch „Smegma“ genannt, ist eine weiße bis hellgelbe Substanz. Er besteht aus dem Talg der Vorhautdrüsen sowie aus Zellresten und Bakterien. Zusätzlich können Urin- und Spermarückstände enthalten sein. Smegma bildet sich beim Mann zwischen der Vorhaut und der Eichel des Penis und sollte regelmäßig mit lauwarmem Wasser entfernt werden [1].

Hornzipfel am Eichelkranz

Hornzipfel, die bei etwa jedem dritten Mann in unterschiedlich starker Ausprägung auftreten, sind warzenartige Gebilde, die meist weißlich gefärbt sind. Sie befinden sich am Rand der Eichel über deren gesamten Umfang bis hin zum Eichelbändchen und können über einen Millimeter groß werden. Hornzipfel sind weder schmerzhaft noch geht von ihnen ein Juckreiz aus. Sie entstehen ohne bekannten Auslöser, wahrscheinlich durch hormonelle Einflüsse in der Pubertät. Da sie harmlos, symptomlos und nicht ansteckend sind, wird auch keine Therapie empfohlen![2]

Dunkle Pigmente

Durch den Einfluss von Testosteron in der Pubertät werden einige Hautbereiche dunkler, insbesondere der Genitalbereich. Dies kann verstärkt werden durch Reibung, beispielsweise bei Sportlern.

Spermamenge

Das normale Ejakulatvolumen beträgt ungefähr drei Milliliter, kann jedoch stark zwischen 2 und 6 Milliliter schwanken. Die Spermamenge lässt keine Rückschlüsse auf die Potenz zu. Sie ist hingegen von vielen Faktoren abhängig, insbesondere der Ejakulationshäufigkeit. Und: Je länger das Vorspiel dauert und sich der Orgasmus aufbauen kann, umso größer ist das Volumen. Auch die Stärke der Ejakulation schwankt stark.

Penisgröße

Über die Hälfte aller Männer sind nicht zufrieden mit ihrem Penis, bei jungen Männern sogar sagenhafte 80 Prozent! Viele vermuten fälschlicherweise, ihr Penis sei zu klein.

Dabei ist auch hier die Spannbreite riesig: Normal gilt beim Erwachsenen schon ab einer Größe von vier Zentimetern im schlaffen Zustand. Erst ab einer Länge von unter sieben Zentimetern im erigierten Zustand spricht man von einem sogenannten Mikropenis.

Krümmung

Bei den meisten Männern ist der Penis nicht gerade, sondern es besteht eine leichte Verbiegung, meist nach oben. Diese kann als Bogen oder als Knick auftreten. Sie ist ohne Bedeutung, solange Geschlechtsverkehr möglich ist. Unterscheiden davon muss man eine erworbene Penisverkrümmung, die auf einer Vernarbungs-Krankheit basiert, der sogenannten IPP (Induratio penis plastica) oder durch einen Schwellkörperriss („Penisbruch“) entstanden ist.[3]

Zeit bis zum Samenerguss

Vorzeitige Ejakulation als urologische Sorge junger Männer

Viele junge Männer empfinden Ihren Samenerguss als zu früh. Von einem vorzeitigen Samenerguss spricht man in der Regel bei einer Dauer des Geschlechtsverkehrs von unter einer Minute. Dies kann individuell aber sehr unterschiedlich sein. Wichtig zu wissen: die Durchschnittszeit von der Penetration bis zur Ejakulation beträgt im Bundesdurchschnitt nur gut 5 Minuten! [4]

Masturbationsfrequenz

Im Durchschnitt masturbieren junge Männer bis 25 Jahre etwa zehn Mal pro Monat. In der Pubertät phasenweise sogar noch deutlich häufiger. Sind sie dann in einer festen Partnerschaft, so nimmt diese Häufigkeit ab [5].

Eichel- und Vorhautentzündung

Die sogenannte Balanitis ist eine Entzündung der Eichel des Penis. Das innere Blatt der Vorhaut liegt der Eichel direkt auf, sodass eine Entzündung an der Eichel sehr häufig auf die Vorhaut übergreift und umgekehrt. Am häufigsten tritt eine Balanitis bei unbeschnittenen Männern auf. Bei jungen Männern ist oft übertriebene Hygiene die Ursache. Bei älteren Herren muss auch an eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) gedacht werden.

Kurzes Vorhautbändchen

Als Frenulum breve wird eine Verkürzung des Vorhautbändchens zwischen der inneren Penisvorhaut und der Eichel bezeichnet. Dadurch wird das Zurückziehen der Vorhaut erschwert und die Eichel bei Erektion durch den entstehenden Zug abgeknickt. Im Extremfall kann das Bändchen sogar einreißen, was zu einer starken Blutung führt, da im Vorhautbändchen eine Arterie verläuft.

Beschneidungswunsch

Die Nachfrage nach Beschneidungen aus kosmetischen und vermeintlichen hygienischen Gründen nimmt deutlich zu. Es hat sich die Meinung verbreitet, blank sei sauberer. Jedoch konnte in Studien bislang noch nicht eindeutig bewiesen werden, dass dadurch die Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten unwahrscheinlicher wird.

Geruch

Die Leistenregion und der Intimbereich gehören zu den besonders warmen und feuchten Körperregionen. Hier gibt es viele Schweiß- und Talgdrüsen. Außerdem werden Lockstoffe, sogenannte Pheromone, produziert. Kommen dann noch Bakterien, abgestorbene Hautreste, Urin und Vorhauttalg dazu, entsteht Geruchsbildung. Dennoch sollten Sie keine klassischen Seifen oder Duschgels in diesem Bereich verwenden, denn diese greifen den natürlichen Säureschutzmantel der Haut an. Besser sind pH-neutrale Waschlotionen.

Verhärtete Venen

Oberflächliche Blutgefäßverstopfungen, sogenannte Penisvenenthrombosen, treten vor allem bei sexuell aktiven Männern wenige Tage nach einem länger andauernden oder intensiven Geschlechtsverkehr auf und sind ungefährlich. Sie sind als strangartige Verhärtungen unter der Haut tastbar. In der Regel wird die Verstopfung im Blutgefäß langsam, über mehrere Wochen, wieder abgebaut.

Die durch SARS-CoV-2 verursachte Coronavirus-Krankheit 2019 (COVID-19) ist mit einem häufigen Auftreten von Thrombophilie verbunden; daher kann ein solcher prothrombotischer Zustand während einer Infektion ein signifikanter Risikofaktor für eine Penisvenenthrombose sein.[6]

Helle Flecken

Die Vitiligo (Weißfleckenkrankheit) ist eine nicht ansteckende Pigmentstörung der Haut. Hierbei gehen zunehmend Pigmentzellen der Haut und Schleimhaut zugrunde. Der Grund dafür ist nicht vollständig geklärt. Wahrscheinlich greift das eigene Immunsystem die Pigmentzellen an (Autoimmunerkrankung). An den betroffenen Stellen bilden sich weiße, scharf begrenzte Flecken, die sich im Laufe der Zeit langsam vergrößern.

Haarbalgentzündung durch Rasur

Die sogenannte Follikulitis ist ein sehr häufiger Befund mit einzelnen oder flächenartigen oberflächlichen Pickeln. Sie entsteht so: Durch warmes Wasser und die Verwendung von Rasierschaum werden die Hautporen stark erweitert, so dass die Haare bei der Intimrasur unterhalb der Hautoberfläche abgeschnitten werden. Nach Abkühlung verschließt sich die Pore und es entsteht ein eingewachsenes Haar mit einer Talgverstopfung und Entzündung im Haarkanal.

Feigwarzen

Genitale Feigwarzen, sogenannte Condylome, entstehen durch Humane Papillom-Viren (HPV), die meist bei sexuellem Kontakt übertragen werden. Beim Mann können sie einzeln oder in Gruppen am Penisschaft und im gesamten Genitalbereich auftreten. Sie sind kosmetisch sehr störend, aber primär nicht wirklich gefährlich. Die Behandlung kann mit lokal anwendbaren Medikamenten, durch Laser oder operativ erfolgen. Bei Frauen können bestimmte HP-Viren Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs auslösen. Beim Mann werden HP-Viren mit der Entstehung von Peniskarzinomen in Verbindung gebracht. Daher wird allen Jungen und Mädchen vor dem ersten Geschlechtskontakt eine Impfung gegen die gefährlichen Virustypen empfohlen. [7]

Bläschen im Genitalbereich

Ausgelöst wird Herpes genitalis von Herpes-simplex-Viren (HSV). Für die meisten Fälle ist der Virus-Typ 2 verantwortlich. Typ 1 macht hingegen den bekannten Lippenherpes, der aber auch bei Oralverkehr auf die Genitalregion übertragen werden kann. Es genügen für beide Typen schon minimale Schleimhautverletzungen, um infizierte Körperflüssigkeit zu übertragen.

Ausfluß

Wenn ein Mann Ausfluss hat, ist das meistens ein Zeichen dafür, dass die Schleimhäute in der Harnröhre entzündet sind. Aus dem Penis kommt vermehrt Sekret, das sowohl klar als auch weißlich oder eitrig sein kann. Hinzu kommen Brennen in der Harnröhre sowie Schmerzen beim Wasserlassen. Hauptursachen sind bakterielle Harnröhrenbesiedlungen. Flüssigkeitsaustritt aus der Harnröhre ist manchmal auch ein Hinweis auf eine Entzündung der Prostata.

Quellen:

[1] What Is Smegma? WebMD. Überprüft am 11. Juni 2021. Verfügbar unter: https://www.webmd.com/sex/what-is-smegma. Abgerufen am 12. Dezember 2022

[2] Prof. Dr. med. Peter Altmeyer: Hirsuties papillaris penis. Zuletzt aktualisiert am: 11.07.2020. Verfügbar unter: enzyklopaedie-dermatologie.de. Abgerufen am 12. Dezember 2022 

[3] Veale D, Miles S, Bradley S, Muir G, Hodsoll J: Am I normal? A systematic review and construction of nomograms for flaccid and erect penis length and circumference in up to 15521 men, BJU International: 08 December 2014 https://doi.org/ 10.111 1/bju.13010

[4] Gillman N, Gillman M. Premature Ejaculation: Aetiology and Treatment Strategies. Med Sci (Basel). 2019 Oct 25;7(11):102. doi: 10.3390/medsci7110102. PMID: 31731516; PMCID: PMC6915345. 

[5] Shelton JD: Masturbation: Breaking the Silence. International Perspectives on Sexual and Reproductive Health; New York Bd. 36, Ausg. 3, (Sep 2010): 157-8. Coleman EJ, Bockting WO: Masturbation as a means of achieving sexual health. Routledge, New York, 2013

[6] Balawender, K., Pliszka, A., Surowiec, A. et al. COVID-19 infection as a new risk factor for penile Mondor disease. BMC Urol 22, 57 (2022). https://doi.org/10.1186/s12894-022-01002-x

[7] Richards S. An overview of genital warts. Nurs Stand. 2014 Feb 12-18;28(24):46-50. doi: 10.7748/ns2014.02.28.24.46.e8344. PMID: 24517695.


Medizinisch geprüft von:

Dr. Marcus Horstmann, geboren in Hannover, studierte Medizin in Berlin und absolvierte anschließend die Facharztausbildung für Urologie und Allgemeinchirurgie. Durch seine Tätigkeit als Abteilungsleiter in verschiedenen Krankenhäusern sammelte er 17 Jahre lang viel Erfahrung. Seine urologisch-chirurgischen Fähigkeiten schließen unter anderem Roboterchirurgie, Begradigung von Penisabweichungen oder die Implantation künstlicher Schließmuskel mit ein. 



Aktualisiert am 12.01.2023