Einnahme und Wirkung der Antibabypille

Es haben mich zahlreiche Fragen zur Antibabypille erreicht, von denen ich einen Teil in diesem Beitrag beantworten möchte. Dr.med. Brinker beantwortet die Fragen: Wie wirkt die Pille? Wie nimmt man die Pille ein?

Wie wirkt die Pille?

Kurz gesagt, die Pille verhindert den Eisprung. Wenn man es etwas genauer wissen möchte, wird es komplizierter.

Die normale Pille enthält eine Kombination der natürlichen weiblichen Hormone Östrogen und Gestagen. Im normalen Zyklus lässt das Östrogen die Gebärmutterschleimhaut wachsen, um sich auf die Einnistung eines befruchteten Eis vorzubereiten (Follikelphase). Es wird während des gesamten Zyklus in unterschiedlicher Menge von 30 - 200 Einheiten im Eierstock produziert. Gesteuert wird die Produktion von der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) durch ein weiteres Hormon, dem FSH (Follikel Stimulierendes Hormon).

Der weibliche Zyklus

Traditionell zählt man den ersten Tag der Blutung als Tag 1 des Zyklus, obwohl die Blutung eigentlich noch zum vorherigen Zyklus gehört. Ungefähr am 13. Tag wird von der Hirnanhangdrüse nur sehr kurz ein weiteres Hormon ausgeschüttet, das LH (Luteinisierendes Hormon), das den Eisprung (Ovulation) auslöst. Die kleine Zyste von ca. 2 cm (Follikel), die die Eizelle enthält, reisst und das Ei wird freigegeben. Manche Frauen empfinden dabei einen kleinen Schmerz und bekommen sogar eine leichte Blutung, die Mittelblutung. Das Ei wird vom Eileiter aufgenommen, eventuell dort von einer Samenzelle befruchtet, und wandert in den nächsten 5 Tagen in die Gebärmutterhöhle, wobei es sich im Falle einer Befruchtung beständig teilt. Falls keine Befruchtung stattfindet, wird es einfach vom Körper resorbiert.

Was macht die Pille?

Nach dem Eisprung wandelt sich der Follikel in den Gelbkörper um und produziert das Gelbkörperhormon Progesteron, ein Gestagen. Östrogene und Gestagene sind dabei ein Sammelbegriff für viele Hormone, die alle ähnliche Eigenschaften aufweisen. Z.B. zählen Östradiol, Östriol, Östron und andere alle zu den natürlichen, vom Eierstock gebildeten Östrogenen. Das Progesteron bremst das durch das Östrogen vermittelte weitere Wachstum der Schleimhaut, bereitet sie auf die Einnistung des befruchteten Eis vor und verschliesst den Gebärmuttermund, damit es nicht zu Infektionen und dem weiteren Aufsteigen von Samenzellen kommt. Im Falle einer Schwangerschaft werden Östrogene und Gestagene immer weiter produziert, um den Embryo vor einer Abblutung zu schützen, bis ab ca. der 8. Schwangerschaftswoche der Mutterkuchen, die Plazenta, diese Aufgabe übernimmt.

Falls das Ei nicht befruchtet wurde, fallen die Hormone stark ab und es kommt zum Abbluten der nun nicht mehr benötigten Schleimhaut. Dieser ganze Zyklus dauert im Idealfall 28 Tage, bei 25 - 31 Tagen spricht man aber von einem regelmässigen Zyklus. Das Östrogen ist bildlich gesprochen das Gaspedal, das die Schleimhaut wachsen lässt. Das Gestagen ist die Bremse und die Blutung ist die Bremsspur.

Führt man nun mit einer Pille von Anfang an dem Körper ein Östrogen/ Gestagen-Gemisch zu, braucht die Hirnanhangdrüse kein FSH zu produzieren, es ist ja "genug Hormon" da. Also entwickelt sich kein sprungbereiter Follikel. Auch die LH-Spitze bleibt aus, sodass selbst wenn ein Follikel "durchrutscht", dieser nicht springt.

Die Bremse Gestagen wirkt ja nun von Anfang an und nicht erst nach dem Eisprung, sodass sich erst gar keine richtige Schleimhaut entwickelt. Das verhindert die Einnistung eines eventuell trotzdem befruchteten Eis und führt zu einer deutlich schwächeren Blutung mit meist auch geringeren Schmerzen. Und schlussendlich wird der Muttermund von Anfang an verschlossen, sodass auch dort bereits ein Hindernis für Samenzellen (und Bakterien) besteht. So ist die Pille eigentlich ein Ovulationshemmer, wirkt aber auch über weitere Mechanismen verhütend. Das ist das Grundprinzip.

Welche Pillen gibt es?

Man hat aber viele verschiedene Pillen entwickelt, z.B. mit unterschiedlichen Dosierungen der Hormone (2-,3-, 4- Phasen-Pillen), östrogenfreie, die bei Gegenanzeigen gegen Östrogene eingesetzt werden oder bei stillenden Frauen und andere. Und schliesslich hat man auch bei der Kombinationspille (1-Phasen-Pille) versucht, mit geringerer Östrogendosierung Nebenwirkungen zu vermindern oder mit verschiedenen Gestagenen erwünschte Wirkungen bei schmerzhafter Periodenblutung, Akne usw. zu erzielen.

Wie nimmt man die Pille ein?

Wenn man die Pille zum ersten Mal nimmt oder nach einer längeren Pause, beginnt man zu Beginn der Blutung, also erster oder zweiter Tag. Man nimmt täglich eine Pille immer zur gleichen Tageszeit, also morgens oder abends. Ob man sie um 18 oder 23 Uhr nimmt ist völlig egal, ausser bei den heute kaum noch gebräuchlichen Minipillen mit ausschliesslich Levonorgestrel, die man bis auf 3 Stunden genau einnehmen musste.

Einnahme der reinen Gestagenpillen

Die heutigen reinen Gestagenpillen mit Desogestrel kann man wie die Kombinationspillen auch mal bis zu 12 Stunden später einnehmen, was aber nicht zu einem Dauerzustand werden sollte. Denn eine häufige unregelmässige Einnahme führt zu unerwünschten Hormonschwankungen. Es empfiehlt sich die Einnahme am Abend, weil man dann vor allem in der Anfangsphase mögliche Unverträglichkeiten, wie eine leichte Übelkeit, verschläft.

Pille vergessen, was tun?

Sollte man erst am nächsten Abend bemerken, dass man eine Pille vergessen hat, nimmt man zwei, die von gestern und die von heute. In der Praxis geht das gut, wenn es maximal einmal im Monat vorkommt. Vergisst man 2 Tage, dann nützt es nichts mehr, drei Pillen zu nehmen. Dann ist definitiv kein Verhütungsschutz mehr gegeben. Trotzdem sollte man die Packung zu Ende nehmen und z.B. mit Kondomen verhüten. Nie eine Pille mittendrin absetzen, das bringt alles durcheinander! Nach 21 Tagen macht man eine Woche Pause, in der dann die meist schwächere Blutung auftritt. Nach 7 Tagen Pause beginnt man mit dem nächsten Streifen, egal ob die Blutung noch besteht oder nicht.

Nebenwirkung Zwischenblutung

Im ersten Monat kommt es häufiger zu Zwischenblutungen, einfach die Pille stur weiter nehmen. Der zweite Monat muss besser, der dritte Monat perfekt sein. D.h. keine Blutung während der Einnahme, eine Blutung nur in der Pillenpause.

Langzeiteinnahme der Pille

Es gibt auch Pillen mit 7 wirkstofffreien Tabletten, um im Rhythmus der Einnahme zu bleiben, oder 24 Pillen plus 4 Tage Pause, um die Blutung zu reduzieren. Vor allem Frauen, die Probleme bei der Blutung haben oder die einfach lieber blutungsfrei sein wollen, kann man den "Langzeitzyklus" empfehlen, d.h. man nimmt die Pille über mehrere Monate oder auch ständig ohne Pause ein. Dagegen ist aus medizinischer Sicht nichts einzuwenden denn es blutet nur das ab, was wächst. Und wenn wegen der anhaltenden Bremswirkung keine Schleimhaut wächst, dann gibt es auch nichts, was bluten kann (abgesehen von einer gelegentlich auftretenden Schmierblutung).Die früher empfohlene Pillenpause von 2-3 Monaten, damit sich der Körper "erholen" kann, ist völlig out. Früher waren die Pillen viel höher dosiert und da konnte man noch über die Notwendigkeit diskutieren. Heute werden nicht alle hormonellen Signale platt gewalzt, sondern nur unter einer unwirksamen Schwelle gehalten, sodass die normalen Körperfunktionen nach dem Absetzen innerhalb von 2 Wochen wieder vorhanden sind und eine Schwangerschaft eintreten kann. Deshalb kann ja auch das Auslassen einer einzigen Pille so riskant sein.

Thrombosenrisiko bei Pilleneinnahme

Das Hauptargument gegen die Pause ist aber das höhere Thromboserisiko in der Anfangsphase der Pilleneinahme, das sich nach mehreren Monaten doch deutlich reduziert.

Thromboserisiko Pille

Quelle: https://www.bfarm.de/DE/Arzneimittel/Pharmakovigil...

Medizinisch geprüft von:

Dr. Walter BrinkerDr. med. Walter Brinker ,studierte Medizin in Köln. Nach seiner Facharztausbildung in Frauenheilkunde und Geburtshilfe und mehrjähriger Oberarzttätigkeit liess er sich in Remscheid nieder, wo er heute mit 2 Kolleginnen eine Gemeinschaftspraxis führt. Er wurde u.a. in USA, China, Polen, Kongo, Zimbabwe ausgebildet und hat dort später unterrichtet. So ist er auch im Besitz der amerikanischen Approbation. In Deutschland leitet er Seminare über Verhütungsmittel. Durch seine Auslandstätigkeit ist er ebenfalls in Reisemedizin fortgebildet und betreut Reisegruppen auf exotischen Reisen weltweit als Arzt.

Weitere Artikel von Dr.med. Brinker

Letzte Aktualisierung am 11.09.2020


visa'mastercard'maestroPayPal'trustly'bank wire