Tadalafil – Ein Medikament für zwei Indikationen

Tadalafil ist ein Arzneimittel, das sowohl zur Behandlung von Erektionsstörungen (erektile Dysfunktion - ED) als auch seit 2012 zur Therapie von Symptomen einer vergrößerten Prostata (benigne Prostatahyperplasie - BPH) zugelassen ist. Es gehört zur Gruppe der Phosphodiesterase(PDE)-5-Hemmer und wurde anfangs eingeführt unter dem Handelsnamen Cialis.


Behandlung von Prostatavergrößerung & Potenzstörung

Damit können nun also Potenzstörungen und Symptome einer Prostatavergrößerung mit einem Medikament behandelt werden, zumal bekannt ist, dass unter BPH-Patienten Potenzstörungen häufiger auftreten. Beiden Krankheitsbildern liegen nämlich Risikofaktoren wie Alter, Rauchen oder Diabetes mellitus sowie vergleichbare Entstehungsmechanismen zugrunde. So haben Männer mit Potenzstörungen besonders häufig, nämlich zu über 70 % auch Symptome des unteren Harntrakts. Umgekehrt verursachen Medikamente zur Behandlung einer BPH nicht selten auch Störungen der Sexualfunktion.


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Wirkmechanismus

Durch eine Hemmung des Enzyms PDE-5 mit Hilfe von Substanzen wie Tadalafil kann die Konzentration des sogenannten cyklischen Guanosinmonophosphat (cGMP) in der Zelle erhöht und so dessen Aktivität gesteigert werden. Dies führt zu einer vermehrten Entspannung von glatten Muskelzellen. Ein Effekt, den man sich seit Jahren bei erektionssteigernden Medikamenten für eine vermehrte Durchblutung des Penis zunutze gemacht hat. Bei einer Prostatavergrößerung verengt sich der Teil der Harnröhre, der durch die Prostata verläuft. Hierdurch können Probleme bei der Urinspeicherung und -entleerung entstehen (lower urinary tract symptoms – LUTS). Mit Tadalafil werden nicht nur die Gefäße in den Schwellkörpern des Penis weitgestellt, sondern es entspannt sich auch die Muskulatur der Prostata. So vermindert sich der Druck auf die Harnröhre und der Urin kann leichter abfließen.


Tadalafil, ein Medikament mit zwei Indikationen


(Langzeit-) Effektivität der Behandlung

Der gute Effekt auf Symptome des Wasserlassens und Potenzbeschwerden konnte in Studien nachgewiesen werden. In der subjektiven Wahrnehmung des Patienten, gemessen an standardisierten Fragebögen (IPSS und IIEF), kam es zu einer Verbesserung der Beschwerden um bis zu 30 Prozent. Auch der messbare Harnstrahl verbesserte sich etwas. Ein Effekt auf die Prostatagröße und den nach dem Wasserlassen verbleibenden Restharn wurde nicht beschrieben. Insgesamt hatte Tadalafil in den Untersuchungen einen ähnlich guten Effekt auf die untere Harntraktsymptomatik wie die Standardtherapie mit sogenannten Alphablockern (wie beispielsweise Tamsulosin). Die gesundheitsbezogene Lebensqualität war sogar noch besser als in der Vergleichsgruppe. Ob auch dem Voranschreiten einer Prostatavergrößerung langfristig vorgebeugt werden kann, müsste noch in Studien über einen längeren Beobachtungszeitraum untersucht werden.


Dosierung

In Europa sind mit Sildenafil (bekannt als Viagra), Tadalafil (Cialis) und Vardenafil (Levitra) gleich drei verschiedene PDE-5-Hemmer zur Therapie der Erektilen Dysfunktion (ED) verfügbar. Aufgrund des langsamen Abbaus im Körper mit einer Halbwertszeit von über 17 Stunden eignet sich aber nur Tadalafil für die einmal tägliche Einnahme. Zugelassen für die Behandlung bei Prostatavergrößerung wurde die Dosis von 5 mg Tadalafil täglich als niedrig dosierte Dauertherapie. Eine Dosis von 2,5 mg pro Tag konnte keine überzeugenden Ergebnisse liefern. Höhere Dosen (10 und 20 mg) zeigten ein höheres Risiko für Nebenwirkungen.


Einnahme

Tadalafil gibt es als Tabletten, die mit Wasser geschluckt werden. Es kann mit oder ohne Nahrung eingenommen werden. Die übliche Dosis beträgt 5 mg, wenn es sowohl wegen gutartiger Prostatavergrößerung als auch wegen erektiler Dysfunktion eingesetzt wird. Die Einnahme erfolgt einmal täglich, möglichst immer zur gleichen Tageszeit. Wenn eine Einnahme vergessen wird, sollte diese bei nächster Gelegenheit nachgeholt und dann wie gewohnt fortgefahren werden. Man sollte nicht eine zusätzliche Dosis einnehmen, um eine vergessene auszugleichen. Wer häufig seine Medikamente vergisst, kann sich einen Alarm einzustellen, der an die Einnahme erinnert. Die versehentliche Einnahme von zu viel Tadalafil kann zwar unangenehme Nebenwirkungen verursachen. Die Nebenwirkungen verschwinden aber normalerweise, wenn man die Einnahme der Tabletten unterbricht.


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Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Die meisten Männer haben keine Nebenwirkungen von Tadalafil, während einige Patienten milde Nebenwirkungen haben. Dies können Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Muskelschmerzen, muskelkaterartige Beschwerden in Armen und Beinen, Gesichtsrötungen, Hitzewallungen, eine verstopfte Nase und Verdauungsstörungen sein. Bei Problemen oder Nebenwirkungen kann auch versuchsweise eine niedrige Dosis von 2,5 mg gegeben werden. Nur sehr selten kommt es zu schwerwiegenden Nebenwirkungen wie allergischen Reaktionen. Wenn jedoch starke Schmerzen in der Brust (Angina pectoris) auftreten, muss die Einnahme von Tadalafil abgebrochen und ein Arzt kontaktiert werden.

Einige Arzneimittel lassen sich nicht gut mit Tadalafil kombinieren. Es dürfen keine Nitrate gegen Brustschmerzen oder Riociguat gegen Bluthochdruck der Lunge eingenommen werden. Ergänzende Therapien aus pflanzlichen Heilmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln können Inhaltsstoffe enthalten, die Tadalafil beeinträchtigen und Nebenwirkungen verursachen können.


Einnahmebeschränkungen

Tadalafil darf nur von Erwachsenen über 18 Jahren eingenommen werden. Es darf nicht eingenommen werden, wenn man in der Vergangenheit allergisch auf Tadalafil oder verwandte Arzneimittel reagiert hat, oder wenn ein ernstes Herz-, Nieren und Leberproblem vorliegt. Auch wer innerhalb der letzten 6 Monate einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt hatte oder niedrigen Blutdruck bzw. unkontrollierten hohen Blutdruck hat, sollte Tadalafil nicht einnehmen. Im Zweifel kann durch eine vorherige kardiologische Untersuchung beurteilt werden, ob das Herz die zusätzliche Belastung durch Sex ertragen kann. Auch bei bestimmten Blutkrankheiten (Anämie, Leukämie, Myelom) sollte die Einnahme vom Arzt freigegeben und kontrolliert werden.


Wie bekomme ich Tadalafil?

Tadalafil ist nur auf Rezept erhältlich. Man kann Tadalafil erhalten, wenn man an erektiler Dysfunktion, gutartiger Prostatavergrößerung oder pulmonaler Hypertonie leidet. Wird Tadalafil nur zur Behandlung von Potenzstörungen verschrieben, ist das Medikament in Deutschland nicht erstattungsfähig und der Patient muss die Kosten selbst tragen.


Tadalafil Kosten

Anders verhält es sich, wenn der Arzt das Medikament gegen Prostatavergrößerung verschreibt. Seit 2014 ist Tadalafil für diese Indikation prinzipiell erstattungsfähig. Da hier nicht nur die Steigerung der Lebensqualität, sondern die Behandlung eines Krankheitsbildes im Vordergrund steht, können im Einzelfall die Kosten von den Krankenkassen übernommen werden. Die Dauertherapie mit Tadalafil ist jedoch deutlich teurer als alle gängigen Therapien. Darum muss der Arzt die Verordnungsnotwendigkeit begründen, beispielsweise, wenn die Standardtherapie mit Alphablockern Nebenwirkungen wie niedrigen Blutdruck, Störungen beim Samenerguss, Magen-Darm-Probleme oder Sehstörungen verursacht. Diese erhöhten Verordnungskosten werden dann in einem Prüfverfahren von den Kostenträgern im Zweifel patientenbezogen untersucht. Verordnungswünsche von Patienten, die mit Hinweis auf eine mögliche BPH ein Arzneimittel zur Behandlung der erektilen Dysfunktion erhalten möchten, werden jedoch in der Regel abgelehnt. Sie können Tadalafil aber auf privatärztliche Verschreibung erhalten. Seit November 2017 ist der Wirkstoff als Generikum verfügbar und damit deutlich günstiger geworden. Aber auch als generisches Arzneimittel bleibt Tadalafil rezeptpflichtig. Es muss also bei Patientenwunsch weiterhin die Möglichkeit der Einnahme überprüft und das Mittel auf Rezept verordnet werden.


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Medizinisch geprüft von:

Dr. Christoph Pies

Dr. med. Christoph Pies, Jahrgang 1970, studierte Medizin in Bochum und Düsseldorf, bevor er in einer Kölner Klinik seine Berufung zum Urologen fand. Auslandsaufenthalte führten ihn in Kliniken in der Schweiz und den USA (Houston, New York, Los Angeles). Nach seiner Facharztausbildung und Oberarzttätigkeit wurde er 2004 niedergelassener Urologe in der Nähe von Aachen. Er verfügt über die Zusatzbezeichnungen Andrologie und Medikamentöse Tumortherapie. Dr. Christoph Pies ist seit 2020 bei Apomeds dabei.


Quellen

  • Hatzimouratidis K. A review of the use of tadalafil in the treatment of benign prostatic hyperplasia in men with and without erectile dysfunction. Ther Adv Urol. 2014;6(4):135-147.
  • Giuliano F, Uckert S, Maggi M, et al. The mechanism of action of phosphodiesterase type 5 inhibitors in the treatment of lower urinary tract symptoms related to benign prostatic hyperplasia. Eur Urol 2013; 63: 506-16.
  • Roehrborn CG, McVary KT, Elion-Mboussa A, et al. Tadalafil administered once daily for lower urinary tract symptoms secondary to benign prostatic hyperplasia: a dose finding study. J Urol 2008; 180: 1228-34.
  • Oelke M, Giuliano F, Mirone V. Monotherapy with tadalafil or tamsulosin similarly improved lower urinary tract symptoms suggestive of benign prostatic hyperplasia in an international, randomised, parallel, placebo-controlled clinical trial. Eur Urol 2012; 61: 917-25.
  • Oelke M, Bachmann A, Descazeaud A, et al. Guidelines on the treatment of non-neurogenic male LUTS. European Association of Urology, 2011.

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Letzte Aktualisierung: 16.09.2020



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