Alternative zu Viagra – Welche Möglichkeiten gibt es?

Alternative zu Viagra – Welche Möglichkeiten gibt es?

Was ist Viagra und wie wirkt es?

Viagra ist wahrscheinlich das bekannteste Medikament aller Zeiten. Doch obwohl jeder schon mal von Viagra gehört hat, wissen wahrscheinlich nur die wenigsten, wie Viagra tatsächlich wirkt. Um dieses Problem anzugehen, erklären wir anfänglich erst einmal die Wirkung von Viagra: 

  1. Der Penis beherbergt Schwellkörper, in denen im harten Zustand der Abfluss von Blut durch das Abklemmen von Venen verhindert wird. 
  2. Um eine Schwellung des Penis zu erreichen, müssen sich die glatten Muskelzellen der Schwellkörpergefässe (Arterien) entspannen. Dies wird über die Ausschüttung des primären Botenstoffes N0 (Stickstoffmonoxid) und den sekundären Botenstoff cGMP (cyclisches Guanosinmonophosphat) erreicht. cGMP wird von dem Enzym PDE-5 (Phosphodiesterase – 5) abgebaut. 
  3. Viagra und seine Alternativen sind PDE-5-Hemmer. 

Indem die Produktion von PDE-5 gehemmt wird, wird eine Erektion wahrscheinlicher und hält länger an. [1]

Andere Mittel als Viagra

Orale medikamentöse Alternativen zu Viagra sind immer PDE-5-Hemmer. Es gibt aber auch andere medikamentöse Optionen zur Behandlung der erektilen Dysfunktion. Hierbei handelt es sich nicht um oral einnehmbare Pillen, sondern z. B. um Medikamente die direkt in den Schwellkörper mit einer Spritze injeziert werden.  Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe anderer alternativer Behandlungen, wenn Viagra nicht wirkt, die keine PDE-5-Hemmer sind und die wir in einem anderen Artikel thematisiert haben. 

Da die meisten Männer sich ungerne Spritzen in ihre Intimregion setzen, sehen wir diese Behandlungsoptionen nicht unbedingt als echte Alternative zu Viagra an. Unter den PDE-5-Hemmern gibt es jedoch genug Alternativen, die möglicherweise sogar mehr als einfach nur ein Viagra Ersatz sind. Alternative zu Viagra sind beispielsweise: 

Obwohl diese Medikamente alle auf demselben Wirkmechanismus wie Viagra aufbauen, weisen sie einige wichtige Unterschiede zu Viagra auf. Die größten Unterschiede liegen in der Dauer des Wirkeintritts und in der Wirkungsdauer. 

Hier eine genauere Auflistung der Unterschiede:

Wirkungseintritt und Wirkungsdauer von PDE-5-Hemmern im Vergleich

Viagra (Sildenafil): Wirkungseintritt nach 30 bis 45 Minuten, Wirkungsdauer 3 – 5 Stunden

Cialis (Tadalafil): Wirkungseintritt nach 2 Stunden, Wirkungsdauer bis zu 17,5 Stunden

Spedra (Avanafil): Wirkungseintritt nach 30 bis 45 Minuten, Wirkungsdauer bis zu 17 Stunden

Levitra (Vardenafil): Wirkungseintritt nach 30 bis 120 Minuten, Wirkungsdauer 4 -5 Stunden [1]

Vorbehaltlich der Verschreibung können orale ED-Medikamente entweder in jeder Apothekenfiliale vor Ort oder über eine zertifizierte Versandapotheke online gekauft werden.

Verträglichkeit und Nebenwirkungen von Viagra Alternativen

Ein wichtiger Punkt bei unterschiedlichen Medikamenten mit den gleichen Wirkmechanismus ist, ob sie auch von den gleichen Menschen eingenommen werden können, oder ob es andere Kontraindikationen gibt. 

Für alle PDE-5-Hemmer wurde eine starke Wirksamkeit nachgewiesen, auch bei Menschen, die unter Diabetes leiden. Für alle ist allerdings die Gabe an Patienten mit bestimmten kardiovaskulären (also Herz-Kreislauferkrankungen) kontraindiziert. [2] [3] Sildenafil (Viagra) ist dafür bekannt, das Farbsehen zu verändern. Diese Nebenwirkung tritt bei Avanafil (Spedra) deutlich seltener auf. [1]

Was, wenn Viagra nicht wirkt?

Alternativen zu Viagra mit einem Arzt zu suchen

Unter Umständen kann es vorkommen, dass Viagra bei manchen Männern nicht wirkt. In diesem Fall ist es sinnvoll, sich in Absprache mit einem Arzt nach Alternativen zu Viagra umzuschauen. Dabei ist es natürlich wichtig, nur legalen Viagra Ersatz in Betracht zu ziehen. Die oben erwähnten Medikamente sind alle legal und verschreibungspflichtig. 

Viagra Alternativen ohne Rezept sind keine Alternativen!

Ja. Es gibt zwar nicht so viele Möglichkeiten, bei der Einnahme von Viagra etwas falsch zu machen, aber einige gibt es doch:

  1. Falsche Dosis. Besonders die Erhöhung der Dosis ohne ärztliche Beratung kann gefährlich sein. 
  2. Zu viel Essen oder Alkohol. Essen und Alkohol können die Wirkung von Viagra bis zur Unwirksamkeit einschränken. Gemäßigter Genuss ist allerdings okay.

Warum sind rezeptfreie Alternativen zu Viagra nicht zu empfehlen?

Wir haben uns in verschiedene Artikel bereits mit den Gefahren, die von rezeptfreien Potenzmitteln ausgehen, auseinandergesetzt, unter anderem mit Nahrungsergänzungsmittel und Vitaminen und den Gefahren von gefälschten oder falsch deklarierten Medikamenten. 

Natürlich gibt es einige Wege, auf natürliche Weise die Potenz zu verbessern. Hierzu zählen Sport, gesunde Ernährung und Aufhören mit dem Rauchen und Trinken. Medikamente werden hierfür meist nicht benötigt.

Grundsätzlich sollte Anbietern, die verschreibungspflichtige Medikamente, wie etwa Viagra, ohne Rezept anbieten, nicht vertraut werden.

Ein Viagra Ersatz, der besonders bekannt ist, ist Kamagra. Kamagra ist ein in Deutschland und der gesamten EU illegales Medikament, das in Indien hergestellt wird. Hier ist es illegal, da die Behörden die Produktionsbedingungen vor Ort nicht überprüfen können und im Internet unzählige Fälschungen angepriesen werden. Der beste Viagra Ersatz ist also immer der legale Viagra Ersatz als zugelassenes Generikum!

Alternative Behandlungsmethoden und Medikamente zu Viagra

Neben Viagra und seinen Alternativen, der Gruppe der PDE-5-Hemmer, gibt es noch eine Reihe anderer Behandlungsmethoden und Medikamente, die zur Behandlung der erektilen Dysfunktion eingesetzt werden können. Einige dieser sind: [4]

SKAT: Schwellkörperinjektionstherapie

Die Schwellkörperinjektionstherapie war vor der Einführung von Viagra eine der, wenn nicht sogar die effektivste Behandlung der erektilen Dysfunktion. Hierbei wird der Wirkstoff Prostaglandin E2 zur Erweiterung der Blutgefässe direkt in den Schwellkörper injeziert und hierdurch eine Erektion begünstigt. Als Alternative zu Viagra kommt diese Therapie heute seltener vor, da sich nur wenige Männer eine Spritze in den Penis setzen wollen. Bei Versagen einer oralen Therapie stellt es allerdings weiterhin eine wertvolle Alternative dar.

MUSE: Medikamentöses urethrales System zu Erektion

MUSE funktioniert mit einem ähnlichen Wirkstoff, wie SKAT, nämlich Prostaglandin E2, wird allerdings entweder als Creme auf den Penis aufgetragen oder per Stäbchen in die Harnröhre eingeführt.

Vakuumerektionshilfe („Penispumpe“)

Penispumpen werden immer noch häufig in Kombination mit Viagra verwendet. Dabei wird vor dem Geschlechtsakt der Penis mechanisch erhärtet, indem Blut in den Penis gepumpt wird. Ein Ring am Schaft verhindert, das Ausfließen des Blutes und erhält so eine Erektion aufrecht.

Schwellkörperprothesen

Schwellkörperprothesen sind häufig der letzte Versuch, wenn sonst keine andere Therapie anschlägt. Hier werden die natürlichen Schwellkörper operativ ausgehöhlt und durch „Wasserbehälter“ ausgetauscht, die dann über eine Pumpe, die Hodensack platziert wird, bei Bedarf aufgepumpt werden können.

Quellen

[1] Deutsche Apothekerzeitung, 30.03.2003, „Neuer oraler PDE-5-Hemmer Vardenafil: rasche Wirkung für Spontane“; https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2003/daz-14-2003/uid-9486

[2] Pharmazeutische Zeitung, Bettina Wick-Urban, 15.03.2007, „PDE-5-Hemmer im Vergleich“; https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-122007/pde-5-hemmer-im-vergleich/ 

[3] Gelbe Liste, Wirkstoffe, „Sildenafil“; https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Sildenafil_27420 

[4] MSD Manuals, Ausgabe für Patienten, „Behandlung einer erektilen Dysfunktion“; https://www.msdmanuals.com/de/heim/gesundheitsprobleme-von-m%C3%A4nnern/sexuelle-funktionsst%C3%B6rungen-bei-m%C3%A4nnern/erektionsst%C3%B6rung-erektile-dysfunktion-ed#v801270_de


Medizinisch geprüft von:

 Dr. Marcus Horstmann, geboren in Hannover, studierte Medizin in Berlin und absolvierte anschließend die Facharztausbildung für Urologie und Allgemeinchirurgie. Durch seine Tätigkeit als Abteilungsleiter in verschiedenen Krankenhäusern sammelte er 17 Jahre lang viel Erfahrung. Seine urologisch-chirurgischen Fähigkeiten schließen unter anderem Roboterchirurgie, Begradigung von Penisabweichungen oder die Implantation künstlicher Schließmuskel mit ein. 



Aktualisiert am 09.01.2023