Alternative Behandlungen, wenn Viagra nicht wirkt

Potenztherapien mit Spritze, Pumpe und Prothese

Sowohl bei organisch als auch bei psychisch bedingter Erektiler Dysfunktion verläuft eine Behandlung mit den bekannten Potenzpillen (sogenannte PDE-5-Hemmer) wie Viagra (Wirkstoff Sildenafil) und andere PDE-5 wie Tadalafil (Cialis) und Vardenafil (Levitra) bei den meisten Betroffenen erfolgreich. Es kann aber passieren, dass die Potenzpille nicht die gewünschte Wirkung zeigt und eine Veränderung des Lebensstils nicht ausreichend ist. Wenn Sie sich in einer solchen Situation befinden, besteht der erste Schritt darin, sich an Ihren Arzt zu wenden, um eine Lösung zu finden. Es gibt mehrere Gründe, warum PDE-5-Hemmer nicht ausreichen. Und es gibt alternative Methoden, die ich Ihnen in diesem Artikel vorstellen möchte.[i]


 

 

SKAT: Schwellkörperautoinjektionstherapie

Eine wichtige Alternative zu potenzsteigernden Tabletten sind sogenannte Prostaglandine, die direkt in den Schwellkörper oder in die Harnröhre gegeben werden. Der wichtigste Wirkstoff aus dieser Stoffgruppe heißt Alprostadil, eine stark gefäßerweiternde Substanz. Alprostadil bewirkt, dass die Muskelzellen in den Penisarterien erschlaffen, wodurch sich die Blutgefäße erweitern und Blut in die Schwellkörper einströmen kann. Hierzu wird das Medikament direkt seitlich in einen der beiden Penis-Schwellkörper gespritzt. Die Injektion ist nahezu schmerzfrei, da die verwendete Nadel sehr dünn ist. Vom Aufwand her ist das vergleichbar mit einer harmlosen Insulinspritze beim Diabetiker. Nach der Injektion tritt die Erektion nach ungefähr 10 bis 15 Minuten ein und kann für bis zu einer Stunde anhalten. Die Behandlung sollte also erst kurz vor dem geplanten Geschlechtsverkehr erfolgen. Nach einer professionellen Einweisung durch den Arzt kann die Injektion dann bei Bedarf zuhause durchgeführt werden.

Diese Methode ist zwar invasiv, aber sehr zuverlässig. Bei etwa vier von fünf Männern kann durch eine SKAT eine ausreichende Erektion ausgelöst werden. Die Behandlung funktioniert sogar dann, wenn die Nervenbahnen zwischen Gehirn und Penis geschädigt sind, also beispielsweise bei einer Querschnittslähmung.

Fun Fact am Rande: Giles Brindley, der Erfinder dieser Methode, hat die Wirksamkeit 1983 bei einem Kongress in Las Vegas an sich selbst demonstriert, indem er sich kurz vor seinem Vortrag im Hotelzimmer das Mittel Papaverin injiziert hat, um dann während seiner Rede seine Erektion präsentieren zu können![ii]

An Nebenwirkungen wird in erster Linie eine verlängerte und schmerzhafte Erektion (ein sogenannter Priapismus) gefürchtet. Wenn also die Erektion nach ein bis zwei Stunden nicht abklingt, muss unbedingt ein Arzt aufgesucht werden, damit ein gefäßverengendes Gegenmittel gespritzt oder das gestaute Blut abgelassen werden kann. Wenn dies nicht zeitnah geschieht, können die Schwellkörper dauerhaft geschädigt werden. Bei bestimmten Bluterkrankungen (Sichelzellanämie, Leukämie, Multiples Myelom) ist das Risiko für eine solche schmerzhafte Dauererektion erhöht. Daher ist es wichtig, in der Anfangsphase der Therapie gemeinsam mit dem behandelnden Arzt die individuell richtige Dosierung (zwischen 2,5 und 20 Mikrogramm) herauszufinden.

Schmerzen bei der Injektion sind selten, manchmal treten Blutergüsse an der Einstichstelle auf, die aber meist harmlos sind. Der Ort der Injektion sollte allerdings regelmäßig gewechselt werden, da es sonst zu punktuellen Vernarbungen kommen kann, wenn man immer in die gleiche Region des Schwellkörpers sticht.

 

MUSE: Medikamentöses Urethrales System zur Erektion

Männern, die Angst vor solchen Spritzen haben, oder die sich eine Selbstinjektion in den Penisschwellkörper nicht zutrauen, kann die Gabe von Prostaglandin in Form eines Gels oder als Stäbchen in die Harnröhre als alternative Therapieoption angeboten werden. Dabei wird mit Hilfe eines Applikators der Wirkstoff einige Zentimeter tief in die Harnröhre eingeführt. Die Wirkstoffmenge muss dabei im Vergleich zur Injektionstherapie deutlich höher sein, da das Alprostadil erst durch die Harnröhrenwand in den Schwellkörper diffundieren muss. Dadurch kann der Effekt etwas schwächer und unzuverlässiger eintreten als bei der direkten Injektion in den Schwellkörper sein. Manchmal werden durch das Einführen des Applikators auch Blutungen der empfindlichen Harnröhrenschleimhaut ausgelöst. Insgesamt ist aber auch dieses Verfahren schmerz- und nebenwirkungsarm.[iii]

Die Kosten für Behandlungen mit Alprostadil werden in aller Regel nicht von der Krankenkasse übernommen.

 

Vakuumerektionshilfe („Penispumpe“)

Anstelle von medikamentösen Therapien mit Tabletten oder Injektionen kann auch eine sogenannte Penispumpe zur Anwendung kommen, bei der rein mechanisch Blut in die Schwellkörper gesaugt und der Blutabstrom durch einen Gummiring, der an der Peniswurzel angelegt wird, verhindert wird. Dieses System kann prinzipiell bei jeder Form von Potenzstörungen eingesetzt werden, da es sich um eine rein äußerliche Anwendung handelt. Die Vakuumpumpe besteht aus einem durchsichtigen Kunststoffzylinder, an dessen Ende sich eine Pumpe befindet, über die ein kontrollierter Unterdruck erzeugt werden kann. Dabei wird zunächst der schlaffe Penis in den Plastikzylinder eingeführt. Durch das Absaugen der Luft entsteht im Zylinder ein Vakuum, wodurch wiederum Blut in den Schwellkörper hineingesogen wird. Es kommt zum Anschwellen und zu einer Verhärtung des Penis. Ist das Glied dann ausreichend steif, wird an der Peniswurzel ein Abdichtungsgummi angelegt, der den Blutabfluss verhindert. Wichtig ist die individuelle Auswahl und Anpassung der Spannungsringe, die in unterschiedlicher Größe und Stärke verfügbar sind. Der Ring darf weder zu locker noch zu straff sitzen.

Der Blutstau sollte insgesamt nicht länger als eine halbe Stunde belassen werden, um eine Blutgerinnung im Schwellkörper mit nachfolgenden Vernarbungen oder Durchblutungsstörungen zu verhindern. Wird der Spannungsring zu lange belassen, kann es auch zu Blutergüssen oder einer teigigen Schwellung der Penishaut kommen. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Schmerzen durch den Stauungsring sowie Missempfindungen oder ein Kältegefühl an der Eichel. Der Samenerguss ist meist abgeschwächt, da auch die Harnröhre durch den Gummiring abgedrückt werden kann.

Für einige Männer ist die Handhabung eines solchen Systems daher zu umständlich. Durch eine ausführliche Einweisung und die notwendige Geduld bei der Anwendung kann jedoch die Zufriedenheitsrate mit dem System deutlich gesteigert werden. Meist ist ein detailliertes Instruktionsvideo im Lieferumfang enthalten. Befragungen zeigen, dass zwei von drei Paaren mit dem Effekt der Anwendung zufrieden sind.[iv] Ein weiterer Pluspunkt: Die regelmäßige Anwendung verbessert generell die Durchblutung des Penis und verhindert so einen bindegewebigen Umbau des Schwellkörpergewebes, wie er bei einer länger bestehenden sexuellen Inaktivität auftreten kann.
Die Kosten für eine Vakuumpumpe trägt bei körperlich bedingten Erektionsstörungen nach ärztlicher Verordnung in den meisten Fällen die Krankenversicherung.

 

Schwellkörperprothese

Sollte auch die rein mechanische Vakuumpumpe nicht funktionieren, kann der Mann sich zu guter Letzt eine künstliche Schwellkörperprothese einbauen lassen. Eine solche sogenannte „Penisprothese“ wird allerdings erst dann eingesetzt, wenn alle anderen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind, wenn er nach gründlicher ärztlicher Untersuchung für dieses Verfahren geeignet erscheint und er sich die Handhabung des Systems selbst zutraut.

Denn es gibt zwei verschiedene Systeme: biegsame oder aufblasbare Implantate. Das biegsame Modell wird auch als semirigide Penisprothese bezeichnet. Es besteht aus zwei Silikonstäben mit einem darin eingebetteten Metallgeflecht, wodurch die Stellung der Prothese modifiziert werden kann. In jeden Schwellkörper wird im Rahmen einer Operation über einen kleinen Schnitt an der Penisbasis ein solcher biegsamer Stab eingebaut. Dadurch wird sozusagen eine dauerhafte Erektion bewirkt. Im Ruhezustand wird die Prothese nach unten gebogen, vor dem Geschlechtsverkehr wird sie dann manuell nach oben aufgerichtet. Der Nachteil liegt auf der Hand. Im Alltag ist die dauerhaft bestehende Härte des Penis oft störend.

Daher verwendet man heutzutage meist hydraulische, das heißt aufblasbare Implantate. Über eine kleine Pumpe im Hodensack kann man Flüssigkeit aus einem Ballonreservoir, das im Bauchraum platziert wird, in die beiden künstlichen Schwellkörperzylinder pressen und nach dem Geschlechtsverkehr wieder ablassen. Der Patient kann also durch eine Betätigung der Pumpe eine Erektion zum gewünschten Zeitpunkt selbst herbeiführen. Dies ahmt den natürlichen Erektionsverlauf besser nach. Hydraulische Prothesen sind technisch komplexer und daher mit einer höheren Komplikationsrate behaftet.[v]

Bei beiden Methoden gibt es Nachteilen und Risiken: Der Penis ist trotz einer Schwellkörperprothese oft etwas kürzer und insbesondere schmäler als ein normal erigiertes Glied, da herkömmliche Prothesen sich nur in der Länge, nicht jedoch in der Breite ausdehnen. Und die Eichel wird dabei nicht wie gewohnt hart, da diese zum Harnröhren-Schwellkörper gehört. Da bei dem Einbau einer Prothese das natürliche Schwellkörpergewebe zerstört wird, sind die Folgen dieser Methoden unumkehrbar.

Eine der häufigsten Komplikationen ist die Infektion, die sich vor allem durch Schmerzen, Rötungen und Schwellungen äußert. Diabetiker sind hier besonders gefährdet. Leider bekommt man das dann meist mit Antibiotika nicht mehr in den Griff, so dass oft ein Ausbau der Prothese notwendig wird. Aber auch ohne bakterielle Infektion kann jedes in den Körper implantierte Fremdmaterial Druckgeschwüre oder Blutungen verursachen, insbesondere wenn die Größe des Implantates nicht gut auf die Penisgröße abgestimmt ist. Narbenbildungen können zu einer Verkrümmung des erigierten Penis führen. Auch wenn die langfristige Störanfälligkeit dieses komplexen mechanischen Systems bei bis zu 25 Prozent liegt, ist die Zufriedenheit der Anwender trotzdem sehr hoch. Neun von zehn Patienten würden den Eingriff jederzeit wieder machen lassen.

In Deutschland werden die Kosten von über 10.000,- €, die bei einer derartigen Operation anfallen, bei Vorliegen schwerwiegender Gründe von den Krankenkassen getragen.

 

Quellen:



[i] Lee, M., & Sharifi, R. (2018). Non-invasive Management Options for Erectile Dysfunction When a Phosphodiesterase Type 5 Inhibitor Fails. Drugs & Aging, 35, 175–187. https://doi.org/10.1007/s40266-018-0528-4

[ii] Klotz, L. (2012). How (not) to communicate new scientific information: a memoir of the famous Brindley lecture. Trends in Urology & Men’s Health, 3(6), 35–36. https://doi.org/10.1002/TRE.300

[iii] Cai, T., Palumbo, F., Liguori, G., Mondaini, N., Scroppo, F. I., Di Trapani, D., Cocci, A., Zucchi, A., Verze, P., Salonia, A., & Palmieri, A. (2019). The intra-meatal application of alprostadil cream (Vitaros®) improves drug efficacy and patient’s satisfaction: results from a randomized, two-administration route, cross-over clinical trial. International Journal of Impotence Research, 31(2), 119–125. https://doi.org/10.1038/S41443-018-0087-6

[iv] Beaudreau, S. A., Van Moorleghem, K., Dodd, S. M., Liou-Johnson, V., Suresh, M., & Gould, C. E. (2021). Satisfaction with a Vacuum Constriction Device for Erectile Dysfunction among Middle-Aged and Older Veterans. Clinical Gerontologist, 44(3), 307–315. https://doi.org/10.1080/07317115.2020.1823922

[v] Kaspar, C., & Henkel, A. (2021). [Penile prosthesis]. Der Urologe. Ausg. A, 60(6), 714–721. https://doi.org/10.1007/S00120-021-01531-7


Medizinisch geprüft von:

Dr. Christoph Pies

Dr. med. Christoph Pies, Jahrgang 1970, studierte Medizin in Bochum und Düsseldorf, bevor er in einer Kölner Klinik seine Berufung zum Urologen fand. Auslandsaufenthalte führten ihn in Kliniken in der Schweiz und den USA (Houston, New York, Los Angeles). Nach seiner Facharztausbildung und Oberarzttätigkeit wurde er 2004 niedergelassener Urologe in der Nähe von Aachen. Er verfügt über die Zusatzbezeichnungen Andrologie und Medikamentöse Tumortherapie. Dr. Christoph Pies ist seit 2020 bei Apomeds dabei.


Letzte Aktualisierung: 22.02.2022

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