Medikamente als mögliche Ursache für Erektionsstörungen


Welche Medikamente lösen Erektionsstörungen aus?

Erektionsstörungen können eine Vielzahl von Ursachen haben, darunter fallen nicht zuletzt auch Medikamente. Es gibt sogar eine Reihe von Medikamenten, zu deren Nebenwirkungen eine mögliche erektile Dysfunktion gehören. Wie wahrscheinlich das Auftreten von Erektionsstörungen durch Medikamentennebenwirkungen im jeweiligen Fall ist und welche Medikamente möglicherweise Erektionsstörungen auslösen oder begünstigen können, schauen wir uns in diesem Artikel an.

Wenn Medikamente Erektionsstörungen hervorrufen


Natürlich sind Medikamente nicht die einzige mögliche Ursache für eine erektile Dysfunktion. Bei jungen Männern wird in den allermeisten Fällen von psychischen Hintergründen der Erektionsstörung ausgegangen, etwa Depressionen, Beziehungsprobleme oder Leistungsdruck. Im Alter häufen sich die Fälle von erektiler Dysfunktion unter Männern, wobei diese meist auf körperliche Ursachen zurückzuführen sind, etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Durchblutungsstörungen, Diabetes, Nervenkrankheiten oder Hormonproduktionsstörungen. 

Nichtsdestotrotz sind Medikamente als mögliche Ursachen für eine erektile Dysfunktion nie auszuschließen. Wenn urologisches Fachpersonal eine erektile Dysfunktion untersucht, wird der Patient auch stets nach den von ihm eingenommenen Medikamenten gefragt. 

Hier ist eine Übersicht von Medikamentengruppen, die bekanntermaßen für Erektionsstörungen verantwortlich sein können: 

Im Folgenden gehen wir auf die einzelnen Medikamentengruppen ein, listen einige Beispiele von Medikamenten auf, die möglicherweise Erektionsstörungen begünstigen und erklären einige der Wirkmechanismen.

Psychopharmaka und Antidepressiva, die Erektionsstörungen begünstigen

In Deutschland nimmt etwa jeder zehnte Mann Antidepressiva, davon nehmen 90 % diese länger als ein Jahr ein. Die Medikamentengruppen, die am häufigsten gegen Depressionen verschrieben werden, sind sogenannte Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) und selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Von beiden war bereits seit Jahren bekannt, dass diese während der Einnahme zu sexuellen Problemen führen können, wie etwa Libidoverlust, Ejakulationsstörungen und auch Erektionsstörungen. Seit den frühen 2000ern Jahren wurde bekannt, dass auch nach der Beendigung der Therapie diese Probleme fortbestehen können. Teilweise beginnen diese Probleme sogar erst nach dem Absetzen der Medikamente. 

Warum diese Medikamente zu sexuellen Funktionsstörungen führen, ist bisher nicht geklärt. Es wird allerdings davon ausgegangen, dass die Probleme mit dem Eingriff der Medikamente in den Serotoninstoffwechsel zu tun haben. Dafür sprechen auch einige sporadische Berichte von Patienten, bei denen genau das Gegenteil nach Absetzen der Medikamente der Fall war und sie einen extrem erhöhten Sexualtrieb erlebten.

SSRI Antidepressiva: 

SNRI Antidepressiva:

Andere Antidepressiva mit negativen Auswirkungen auf die Sexualität:

[i], [ii], [iii], [iv]

Medikament gegen Haarausfall: Finasterid

In den letzten Jahren hat ein Medikament, das häufig gegen männlichen Haarausfall (androgene Alopezie) verschrieben wird, immer mehr Aufmerksamkeit erhalten, da es für sexuelle Probleme sowie erektile Dysfunktion auch nach Absetzen des Medikaments verantwortlich gemacht wird: Finasterid. Zusätzlich wird Finasterid auch bei Prostatabehandlungen eingesetzt.

Finasterid stört bei der Einnahme einige biochemische Prozesse, um seine Wirkung zu erzielen. Meistens werden nach Absetzen des Medikaments diese Prozesse vom Körper wieder normal aufgenommen. Nicht selten kommt es aber zu langfristig bleibenden Schäden, die die Sexualfunktionen beeinträchtigen können. Warum genau das so ist, ist noch nicht abschließend geklärt.


[v], [vi]

Medikamente mit Auswirkungen auf den Hormonhaushalt

Medikamente mit Auswirkungen auf den Hormonhaushalt und speziell auf den Testosteronhaushalt werden für verschiedene Behandlungen eingesetzt. Bei verschiedenen Behandlungen der Prostata werden häufig Antiandrogene eingesetzt. Allerdings auch bei Haarausfall oder Akne. Antiandrogene sind Mittel, welche die Wirkung der männlichen Geschlechtshormone hemmen. Diese können mit ihren Wirkmechanismen Auswirkungen auf die Erektionsfähigkeit und die Libido haben. Nicht selten werden Antiandrogene auch Frauen verschrieben, die später von einem Abfall ihrer Libido berichten.

Medikamente, die eher selten von medizinischem Fachpersonal verschrieben werden, dafür aber besonders häufig von Männern genommen werden, sind Anabolika. Diese werden meist von Hobbybodybuildern verwendet, um den Muskelaufbau schneller voranzutreiben. Die unerwünschten Nebenwirkungen enthalten, aber sehr häufig Erektionsprobleme. Denn die Anabolika unterdrücken die Produktion der Sexualhormone. 

Es gibt eine Reihe von Antiandrogenen unter verschiedenen Namen, die möglicherweise mit Erektionsstörungen in Verbindung zu bringen sind. Einige davon sind:

Die Liste der Antiandrogene ist zwar noch deutlich länger, jedoch werden die hier aufgeführten in der Literatur immer wieder in Verbindung mit erektiler Dysfunktion und Libidoverlust genannt. Nicht bei allen ist eine ungewünschte Auswirkung auf die Erektionsfähigkeit oder Libido des Mannes erwartbar. Ärzte sollten immer über die möglichen Nebenwirkungen informiert sein, weswegen sich besorgte Patienten vor der Einnahme des Medikaments unbedingt beraten lassen sollten. 

[vii],[viii], [ix], [x] 


Herz-Kreislauf-Medikamente

Eine koronare Herzerkrankung kann häufig Auslöser einer erektilen Dysfunktion sein. Allerdings kann es bisweilen auch sein, dass die Medikamente, die zur Behandlung der Herz-Kreislauf-Erkrankung eingesetzt werden, die Auslöser der Erektionsprobleme darstellen. Besonders Betablocker, die unter anderem die Herzfrequenz und den venösen Einfluss verringern, und ACE-Hemmer, die den Blutdruck senken, sind für negative Auswirkungen auf die Erektion bekannt. 

Weitere Herz-Kreislauf-Medikamente, die Erektionsstörungen auslösen können, sind: 

[xi], [xii], [xiii]


Weitere Medikamente, die mit manchmal mit Erektionsstörungen in Verbindung gebracht werden

Auf vielen Beipackzetteln werden Erektionsstörungen erwähnt. Allerdings trifft das keinerlei Aussage darüber, wie wahrscheinlich diese bestimmte Nebenwirkung ist. Dabei werden häufiger folgende Medikamentengruppen genannt: 

[xi], [xiv], [xv]

Was tun, wenn ein Medikament Erektionsstörungen auslöst?

Erst einmal nicht in Panik verfallen! Der zweite Schritt sollte sein, bei dem behandelndem Fachpersonal Rückfragen zu stellen: Besteht die Möglichkeit, dass dieses Medikament Erektionsstörungen hervorruft? Denn es besteht, besonders mit steigendem Alter, immer die Möglichkeit, dass die Erektionsprobleme gar nichts mit einem bestimmten Medikament zu tun haben. Eine andere Möglichkeit ist allerdings leider auch, dass ein bereits abgesetztes Medikament den Erektionsproblemen zugrunde liegt. 

In enger Rücksprache mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten und unter strenger Berücksichtigung ist es möglicherweise angebracht eine medikamentöse Behandlung der erektilen Dysfunktion einzuleiten. Etwa mit Sildenafil, Tadalafil oder Vardenafil. Diese Medikamente wirken alle ähnlich, als PDE-5-Hemmer, weisen aber gleichzeitig deutliche Unterschiede und Kontraindikatoren auf. Daher ist die enge Absprache mit dem Behandlungsteam unerlässlich.

Bei Unsicherheiten den Beipackzettel lesen und den Arzt befragen

Bekannte Nebenwirkungen müssen alle auf den Beipackzetteln zu finden sein. Laien sind von diesen allerdings häufig durch die hohe Anzahl und die Vielzahl der Inhalte überfordert. Wer aber speziell nach Erektionsstörungen oder Libidoverlust sucht, kann sich auch den Beipackzettel im Internet anschauen und nach diesen Schlagworten suchen. Grundsätzlich ist es aber immer angebracht alle Sorgen vor der Einnahme mit den behandelnden Mediziner:innen abzusprechen. 



Quellen: 

[i]:https://www.zdf.de/politik/frontal/antidepressiva-experteninterview-bei-vollekanne-100.html 

[ii]:https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2019/daz-30-2019/genitale-taubheit-nach-ssri-und-snri 

[iii]:https://deprimed.de/ssri-snri/

[iv]:https://www.rosenfluh.ch/media/arsmedici/2009/17/Erektile_Dysfunktion.pdf 

[v]:https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2018/daz-16-2018/haarwuchs-mit-folgen 

[vi]:https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Haarausfall-Finasterid-Nebenwirkungen-unterschaetzt,haare212.html 

[vii]:https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Erektionsstoerungen 

[viii]:https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/sexualorgane/sexuelle-funktionsstoerungen/erektionsstoerung-erektile-dysfunktion.html 

[ix]:https://www.sciencedirect.com/topics/medicine-and-dentistry/antiandrogen 

[x]:https://www.aerzteblatt.de/archiv/180798/Anabolika-Nebenwirkungen-Erektionsstoerungen-als-Preis-fuer-Muskel-Sixpacks 

[xi]:https://www.ratiopharm.de/ratgeber/erektile-dysfunktion/ursachen.html 

[xii]:https://www.tk.de/techniker/gesundheit-und-medizin/behandlungen-und-medizin/herz-kreislauf-erkrankungen/koronare-herzkrankheit/tk-plus-bei-khk/dmp-news/potenzprobleme-ursachen-abklaeren-2128564?tkcm=ab 

[xiii]:https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffgruppen/betablocker 

[xiv]:https://www.onmeda.de/krankheiten/erektionsstoerung-id200547/ 

[xv]:https://www.aerzteblatt.de/archiv/34480/Medikamente-als-Verursacher-sexueller-Dysfunktionen-Eine-Analyse-von-Daten-des-deutschen-Spontanerfassungssystems 


Medizinisch geprüft von:

Dr. Marcus Horstmann, geboren in Hannover, studierte Medizin in Berlin und absolvierte anschließend die Facharztausbildung für Urologie und Allgemeinchirurgie. Durch seine Tätigkeit als Abteilungsleiter in verschiedenen Krankenhäusern sammelte er 17 Jahre lang viel Erfahrung. Seine urologisch-chirurgischen Fähigkeiten schließen unter anderem Roboterchirurgie, Begradigung von Penisabweichungen oder die Implantation künstlicher Schließmuskel mit ein. Er hat sich mit Health & Go zusammengetan, um dazu beizutragen Lifestyle-Gesundheit für Männer überall zugänglicher zu machen.



Aktualisiert am 14.08.2022


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