Sind rezeptfreie Potenzmittel aus der Apotheke eine Alternative zu chemischen Potenzmitteln?

Gefahren durch gefälschte Produkte und undeklarierte Inhaltsstoffe

Immer, wenn im europäischen Internet chemische Potenzmittel rezeptfrei verkauft werden, handelt es sich um einen illegalen Vertrieb. Dabei werden oft Fälschungen, Präparate mit unkontrollierten Inhaltsstoffen und solche mit enorm hohen Dosen Sildenafil verkauft. Ein Beispiel ist das beliebte (und illegale) Medikament Kamagra.

Der Markt für illegalen Medikamentenhandel wächst jedes Jahr. Die Gewinnmargen sind sogar größer als bei Heroin oder Kokain, was an der mehr als mangelhaften Produktionsqualität und den damit verbundenen niedrigen Preisen liegt. Die Gefahr, die von solchen gefälschten Medikamenten ausgeht, darf auf keinen Fall unterschätzt werden. Viele sogenannte Alternativen zu Viagra und Co. werden als „traditionelle chinesische Medizin“ vertrieben. Häufig enthalten sie gefährlich große Mengen von Sildenafil oder sogar noch nicht erforschte Wirkstoffe. [1]

Allerdings gibt es auch Medikamente, Wirkstoffe und Nahrungsergänzungsmittel, denen eine potenzsteigernde Wirkung zugeschrieben wird, die legal verkauft werden. Mit diesen rezeptfreien und legalen Alternativen zu Viagra wollen wir uns hier beschäftigen und speziell mit der Frage, ob es sich wirklich um Alternativen handelt. Das heißt, helfen diese freiverkäuflichen Mittel wirklich bei einer erektiler Dysfunktion oder sind sie womöglich sogar gefährlich? 

Natürliche Potenzmittel, die rezeptfrei verkauft werden

Nach der Entdeckung von Sildenafil und der Möglichkeit, diese zur Behandlung von erektiler Dysfunktion zu verwenden, dachten viele, die zahlreichen pflanzlichen und tierischen Potenzmittel von eher fragwürdiger wissenschaftlicher Seriosität würden vom Markt verschwinden. Die Nachfrage nach beispielsweise Nashorn- und Tigerpenispulver ging tatsächlich zurück. Trotzdem sind natürliche Potenzmittel weiterhin weit verbreitet. Von diesen können sich allerdings nur die wenigsten einer wissenschaftlich belegten Heilkraft für Potenzprobleme rühmen. [2]

Ganz von dem Glauben, dass der Verzehr von tierischen Testikeln, die Sexualfähigkeit und Potenz von Männern steigern würde, sind allerdings noch nicht alle Vertriebe und Kunden abgekommen. Das niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) testete zwischen 2010 und 2014 insgesamt 23 „verschiedene Produkte in Form von Kapseln, Dragees oder Tropfen“. 


Die Autoren kommentieren die Nahrungsergänzungsmittel mit Bullenhoden und Elchgeweih trocken: Sie weisen auf altertümliche Vorstellungen von der sexuellen Stimulationsfähigkeit von Fleisch hin und gehen weiter nur darauf ein, dass es legal sei, Hoden als Lebensmittel und Elchgeweih als neuartiges Lebensmittel zu vertreiben.

Häufig kommt es bei der Erforschung von freiverkäuflichen Mitteln gegen erektile Dysfunktion vor, dass die Studien, die deren Wirksamkeit bestätigen sollen, mit nur sehr kleinen Probandengruppen arbeiten. [2] Außerdem werden Nebenwirkungen hier nicht untersucht oder nur unzulänglich aufgeführt. Die deutsche Apotheker-Zeitung bemängelt auch die teilweise fehlende Auflistung von Nebenwirkungen auf dem Beipackzettel. Der Artikel der deutschen Apotheker Zeitung resümiert, dass von 33 rezeptfrei erhältlichen potenzfördernden Mitteln kein einziges eine bessere Note als mangelhaft oder ungenügend erhalten hat.

Rezeptfreie Potenzmittel, die in der Apotheke erhältlich sind aus wissenschaftlicher Sicht

Der Markt der rezeptfreien Medikamente für die Behandlung von Erektionsstörungen wird geradezu vollständig von Präparaten ohne wissenschaftliche Belege für ihre Wirksamkeit oder von homöopathischen Medikamenten  bestimmt. Diese Präparate sind häufig rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Im Internet werden diese Mittel als besonders wirksam  beworben. Es wird allerdings kaum auf die Studienlage zur Wirksamkeit eingegangen. LAVES schreibt dazu: „Der Großteil der Studien [wurde] mit Tieren durchgeführt und [es liegen] nur sehr wenige aussagefähige klinische Studien mit Menschen [vor].

Zwei Mittel werden hier am häufigsten vertrieben und beworben: Yohimbin und Ginseng. Beide werden den pflanzlichen Mitteln zugeschrieben. 

Ginseng

Ginseng wird zuweilen auch roter oder koreanischer Ginseng genannt. Die Wurzel der Pflanze wird in der fernöstlichen Medizin häufig zur Behandlung verschiedenster Krankheiten eingesetzt. Studien aus Asien bescheinigen dem Wirkstoff auch viele der versprochenen Wirkungen. Auch in einigen europäischen Studien wurden antientzündliche, Abwehrkräfte stärkende und Blutzuckerspiegel senkende Effekte des Ginseng nachgewiesen. [3]

Die Apotheken Umschau schreibt zu der dem Medikament nachgesagten potenzfördernden Wirkung, dass hierfür keine wissenschaftlichen Belege vorliegen. Die Ärztezeitung und LAVES erwähnen allerdings, dass Ginseng in einigen Studien mit Männern, die an erektiler Dysfunktion leiden, zu „diskrete[n] Verbesserungen“ geführt hat. Während jedoch die Ärztezeitung die Studienqualität bemängelt und auf eine mögliche Gefahr für Diabetiker hinweist. 

Yohimbin

Yohimbin wird  aus einem gleichnamigen afrikanischen Baum, der auch den Namen „Potenzholz“ trägt gewonnen. Zumindest die Namensgebung ist also vielversprechend. Der Stoff wirkt auf das zentrale Nervensystem und erhöht den Herzschlag und beeinflusst den Blutdruck. Hierdurch wird eine Verbesserung der Erektionsfähigkeit abgeleitet und das Medikament daher als natürliches Aphrodisiakum angepriesen. 

Auch zu diesem Medikament ist die Studienlage widersprüchlich, wie so oft bei rezeptfreien und natürlichen Potenzmitteln. Die Ärztezeitung schreibt, es sei das am besten erforschte natürliche Medikament und es zeige in sieben Studien „deutliche Vorteile gegenüber Placebos“. Die Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften spricht davon, dass „nicht immer eine statistisch signifikante Überlegenheit gegenüber Placebos erreicht werden konnte“. Die Stiftung Warentest dagegen kommt zu dem Ergebnis dass Yohimbin zur Behandlung der erektilen Dysfunktion „wenig geeignet“sei. 

Weitere rezeptfreie Potenzmittel aus der Apotheke

Andere häufig in Apotheken angebotene Potenzmittel, sind etwa Andromol, Emasex, Deseo und Neradin. Andromol ist ein Beispiel für Medikamente, die auf L-Arginin beruhen. L-Arginin ist eine Aminosäure, die fast jeder, der sich ausgewogen ernährt, in ausreichenden Mengen zu sich nimmt. Große Mengen L-Arginin finden sich beispielsweise in Nüssen, besonders in Erdnüssen, Hühnerfleisch, Garnelen und Lachs.

Eine leichte Verbesserung der Erektionsfähigkeit im Zusammenhang mit L-Arginin wurde in einigen Studien nachgewiesen, wobei hier nicht allein der Einfluss der Nahrungsergänzungsmittel gemessen wurde, sondern dieser in Kombination mit Sildenafil oder Tadalafil. [4]

Dann gibt es noch die zahlreichen Medikamente, von denen Emasex, Deseo und Neradin nur einige Beispiele sind, die sich bei ihren Wirkversprechen voll und ganz auf Homöopathie stützen. Wissenschaftliche Belege für die Wirkung von Homöopathie gibt es nicht. 

Fazit: Augen auf beim Medikamentenkauf

Immer wieder finden sich in rezeptfreien Medikamenten, die mit einer Steigerung der Potenz werben, undeklarierte Inhaltsstoffe. Diese können mitunter lebensbedrohlich sein. Der Markt für illegale Medikamente wächst stetig, weswegen beim Kauf von Medikamenten im Internet extrem vorsichtig gehandelt werden sollte. Kaufen Sie nur in lizenzierten und seriösen Apotheken!

Nur bei den allerwenigsten natürlichen und rezeptfreien Medikamenten gegen Potenzprobleme, die im Internet erhältlich sind, ist eine Wirkung wissenschaftlich nachgewiesen. Die Studienlage ist oft widersprüchlich und die Aussagekraft der Studien wird an verschiedenen Stellen in Frage gestellt. Wenn eine Wirkung nachgewiesen wurde, ist diese häufig marginal. 

Eine Reihe von homöopathischen Medikamenten sind ebenfalls stark auf dem Markt vertreten.  Da allerdings das gesamte Feld der Homöopathie einer empirischen wissenschaftlichen Grundlage entbehrt, sind die Heilsversprechen dieser Mittel mit Vorsicht zu genießen. 

Im Fazit heißt das, ja es gibt viele rezeptfreie Potenzmittel in der Apotheke, die Wirkung dieser ist jedoch fragwürdig. Weiterhin ist die beste Option für Männer mit Potenzproblemen, einen Arzt aufzusuchen und das Problem begutachten zu lassen und im Zweifelsfall eine medizinische Therapie zu beginnen. 


Quellen:

  1. https://www.test.de/Potenzprobleme-Diese-Mittel-koennen-helfen-1801926-1801932/

  2. https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Natuerliche-Erektionshilfen-habens-in-sich-235628.html 

  3. https://www.karger.com/Article/Fulltext/480042 

  4. https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/arginin-eine-aminosaeure-mit-potenz-13405 


Medizinisch geprüft von:

Dr. Marcus Horstmann, geboren in Hannover, studierte Medizin in Berlin und absolvierte anschließend die Facharztausbildung für Urologie und Allgemeinchirurgie. Durch seine Tätigkeit als Abteilungsleiter in verschiedenen Krankenhäusern sammelte er 17 Jahre lang viel Erfahrung. Seine urologisch-chirurgischen Fähigkeiten schließen unter anderem Roboterchirurgie, Begradigung von Penisabweichungen oder die Implantation künstlicher Schließmuskel mit ein. Er hat sich mit Health & Go zusammengetan, um dazu beizutragen Lifestyle-Gesundheit für Männer überall zugänglicher zu machen.


Aktualisiert am 12.09.2022

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